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© Hesse1309 / CC BY-SA 3.0

Blog Adventskalender 2015 „Stille Nacht, heilige Nacht“ ließ die Waffen verstummen

Willkommen beim 13. Söckchen des Blog Adventskalenders 2015.

Rot am See – An Weihnachten 1914 schwiegen im Ersten Weltkrieg für kurze Zeit die Waffen an der Westfront. Fertig gebracht hat dieses ergreifende Weihnachtswunder ein Lied, das um die Welt ging: Das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“, das 1818 erstmals in Oberndorf (Österreich) nahe der oberbayerischen Stadt Laufen erklang, ließ an Heilig Abend 1914 die Waffen schweigen.

Ein Lied bringt den kleinen Frieden

Briten und Deutsche kämpften damals an der Westfront, die von der Nordsee bis zur Schweiz reichte, gegeneinander. Doch dann wurden aus den Schützengräben plötzlich Schilder mit dem Weihnachtsgruß „Merry X-Mas“ empor gehalten. Und das Wunder geschah: Es folgte plötzlich eine Feuerpause, Kerzen an kleinen Christbäumen leuchteten in der dunklen Nacht und über die Leichen im blutigen Schnee hinweg sangen die Soldaten „Stille Nacht, heilige Nacht“. In diesem Lied und mit dieser Geste wurde auch der Wunsch nach Frieden auf besinnliche und stille Weise laut. Der kleine Frieden währte aber nicht lange, denn nach diesem außergewöhnlichen Weihnachtsfest wurde wieder gekämpft.

Von der Notgeburt zur Weltkarriere

Seit 1818 wird das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ gesungen. Geboren wurde das Lied über den holden Knaben mit lockigem Haar aus der Not heraus: Die Orgel in der Kirche St. Nikola in Oberndorf hatte ausgerechnet an Heilig Abend ihren Geist aufgegeben. Da musste man sich freilich etwas einfallen lassen. Also zauberte der Hilfspfarrer Joseph Mohr (1792-1848) ein Gedicht hervor und ging damit zum Organisten und Dorflehrer Franz Xaver Gruber (1787-1863). Der vertonte das angeblich eilig verfasste Gedicht „Stille Nacht, heilige Nacht“ blitzschnell und spielte es auf der Gitarre für die Gläubigen in der Kirche. Die fanden das Lied wunderbar und es machte rund um den Globus Karriere: Heute wird es weltweit in über 300 Sprachen gesungen. Sogar der Rock’n Roll-King Elvis Presley hat das „Silent Night, Holy Night“ gesungen.

Touristen pilgern zur Stille-Nacht-Kapelle

Die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf am österreichischen Ufer der Salzach ist so berühmt wie das Lied selbst und zieht das ganze Jahr über viele Touristen an. Allerdings ist es nicht mehr die Original-Kapelle, denn die wurde Anfang des 20. Jahrhunderts bei einer Flut so arg beschädigt, dass sie abgerissen werden musste. Aber sie wurde wieder neu errichtet. Das Weihnachts- und Friedenslied „Stille Nacht, heilige Nacht“, das in St. Nikola uraufgeführt wurde und sechs Strophen hat, wurde 2011 von der österreichischen UNESCO-Kommission zum nationalen immateriellen Kulturerbe ernannt und als internationales UNESCO-Kulturerbe vorgeschlagen.

Ein Museum für die faszinierende Botschaft und Historie

Bis in die Gegenwart hat sich das Lied seinen Spitzenplatz nicht nehmen lassen. Zu faszinierend ist sein Reiz, seine Andacht, seine Botschaft und auch seine Historie. Zur Stille-Nacht-Kapelle ist es von Laufen in Oberbayern ebenso ein kleiner Katzensprung wie ins österreichische Arnsdorf. Dort gibt es ein Museum, das die Geschichte des Liedes und seiner Väter Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber nahe bringt. Sehenswerte Exponate sind die Krippenfiguren aus dem 18. Jahrhundert, die Franz Xaver Gruber alljährlich in St. Nikola aufgestellt hatte, sowie sein Lehrerpult und seine Unterschrift.

Zweifel an der Blitz-Entstehung des Liedes

Zu diesem Museum gibt es eine moderne Alternative: Das virtuelle Stille-Nacht Museum der Stille-Nacht-Gesellschaft gewährt Einblick in den Fundus des Arnsdorfer Museums und bietet Text, Musik, virtuelle Postkarten, Informationen, geschichtliche Hintergründe und Forschungsberichte. So erfährt man auch, dass die Forschung ein paar Zweifel an der Blitz-Entstehung des Liedes hat: Es tauchen nämlich die Jahreszahlen 1816 und 1818 auf. Deshalb könnte es sein, dass Joseph Mohr den Text gar nicht kurz vor knapp an Heilig Abend, sondern zwei Jahre früher geschrieben hatte. Naja, vielleicht hat er ein wenig geflunkert, aber wie dem auch sei: Das Lied, zu dem auch Filme entstanden sind (z.B. 1997 „Das ewige Lied“ mit Tobias Moretti), berührt heute noch etwa 2,2 Milliarden Christen weltweit.

24 Söckchen – Der Blog Adventskalender 2015

Das war es also, das 13. Söckchen des Blog Adventskalenders 2015. Das nächste Söckchen findet sich morgen entweder auf Schienenreisen, Nilas Blog oder auf Quetschkommo.de. Das Team vom Newsburger wünscht viel Spaß beim suchen und eine besinnliche Vorweihnachtszeit. Wer möchte kann sich auch gern nochmal unsere Söckchen der Jahre 2009, 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014 durchlesen.

13.12.2015 © newsburger.de

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