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Flüchtlinge in einer "Zeltstadt"

© über dts Nachrichtenagentur

12.09.2015

Bericht Steiler Anstieg der Asylzahlen schon im Juni

De Maizière hielt trotzdem an seiner Prognose von Anfang Mai fest.

Berlin – Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hätte entgegen anders lautenden Bekundungen schon im Juni wissen können, dass sich ein steiler Anstieg der Asylbewerberzahlen anbahnt. Das geht aus Zahlen der behördlichen Datenbank „Easy“ hervor, die der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vorliegen. Darin werden die ankommenden Flüchtlinge erfasst, noch bevor sie einen förmlichen Asylantrag stellen.

Nachdem die Zahl der dort registrierten Ankünfte von Januar bis Mai zwischen 31.000 und 39.000 pendelte, schoss sie im Juni auf fast 54.000 empor, berichtet das Blatt. Im gleichen Zeitraum wurden laut den bisher veröffentlichen Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aber nur knapp 33.000 Erstanträge auf politisches Asyl gestellt, was auch zeigt, dass den Behörden schon in diesem Monat die Kontrolle entglitt. De Maizière hielt trotzdem an seiner Prognose von Anfang Mai fest, es würden in diesem Jahr lediglich 400.000 bis 450.000 Flüchtlinge kommen.

Aus der Statistik geht außerdem hervor, dass die Zahl der Flüchtlinge aus den Ländern des westlichen Balkans inzwischen stark zurückgegangen ist. In nennenswerter Anzahl reisen nur noch Asylbewerber aus Albanien ein, auch hier hat sich die Zahl der Ankünfte jedoch von 17.346 im Juli auf 8.524 im August halbiert. Darüber hinaus trafen im August lediglich 2.159 Serben und 1.343 Mazedonier ein. Der Kosovo, im Januar mit 8.680 Personen noch auf Platz eins, taucht unter den zehn wichtigsten Herkunftsländern gar nicht mehr auf.

Insgesamt kamen im August nur noch gut zehn Prozent aller Flüchtlinge vom westlichen Balkan, im Januar waren es noch fast 50 Prozent. Die Flüchtlingshilfe-Organisation Pro Asyl wertet das als Zeichen, dass von einer Erweiterung der sicheren Herkunftsländer kein nennenswerter Rückgang der Flüchtlingszahlen zu erwarten ist. Bisher hatte die Bundesregierung immer den Eindruck erweckt, eine rasche Rückführung der Balkanflüchtlinge könne das Asylproblem entschärfen.

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