newsburger.de Nachrichten aus aller Welt

Mann im Rollstuhl
© über dts Nachrichtenagentur

Bericht Qualität der Pflege in Altenheimen droht zu sinken

„Das Problem mit den Betreuungsassistenten ist uns bekannt.“

Berlin – In Deutschlands Altenheimen droht die Qualität der Pflege zu sinken. Bundesweit steigt derzeit auf Initiative der Bundesregierung die Zahl der angelernten Helfer, die Heimbewohner sozial betreuen sollen: Laut Recherchen der „Welt am Sonntag“ werden diese sogenannten Betreuungsassistenten tatsächlich aber in vielen Heimen gesetzeswidrig für Aufgaben ausgebildeter Pfleger eingesetzt, müssen etwa Bewohner allein waschen oder im Bett lagern, ihnen Medikamente verabreichen oder ihnen Essen anreichen.

Für die Bewohner habe das Risiken: Würden sie nicht von ausgebildeten Pflegern versorgt, könnten sie sich nach Ansicht von Experten lebensgefährlich verschlucken, stürzen oder Druckgeschwüre entwickeln. „Das Problem mit den Betreuungsassistenten ist uns bekannt“, sagte Christel Bienstein, Pflegeprofessorin von der Universität Witten-Herdecke. Zwar sei der Ansatz gut, doch in der Praxis zeige sich, dass es an Fachpersonal mangele – und dieser Mangel durch die Alltagsbegleiter nicht sinnvoll kompensiert werden könne.

Seit Anfang dieses Jahres können Heimbetreiber von den Pflegekassen Lohnzuschüsse für die sogenannten Betreuungsassistenten für alle Heimbewohner beantragen. Bis dato galt dies lediglich für Demenzkranke. Durch die neue Gesetzesregelung wird sich die Zahl der angelernten Helfer nach Erwartung der Bundesregierung auf rund 45.000 nahezu verdoppeln.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (beide CDU) verbuchen den Anstieg als Erfolg für ihre Bemühung um eine Verbesserung der Situation in der Pflege. Berufsverbände und Oppositionspolitiker dagegen werfen der Bundesregierung vor, mit dem Ausbau des Modells Betreuungsassistent eine Deprofessionalisierung der stationären Altenpflege in Kauf zu nehmen.

Der Fachkräftemangel in der Altenpflege in Kombination mit den nun verfügbaren billigen Helfern lade Heimbetreiber dazu ein, die Betreuungsassistenten in der Pflege einzusetzen, sagte Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DbfK). „Anstatt die Pflegefachkräfte in den Heimen tatsächlich zu entlasten, wird die Versorgung auf immer mehr pflegerische Laien übertragen.“

Aus politischer Sicht habe eine solche Strategie gleich mehrere Vorteile: „Sie kaschiert die durch den Fachkräftemangel entstandene pflegerische Unterversorgung in vielen Heimen, sorgt für positive Schlagzeilen, und gleichzeitig schafft sie Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose.“

Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Elisabeth Scharfenberg, forderte eine kritische Überprüfung des Modells Betreuungsassistent. „Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, dass zusätzliche Betreuungskräfte in größerem Ausmaß Pflegefachkräfte ersetzen, muss die Bundesregierung gesetzliche Regelungen erlassen, die diesen Missbrauch verhindern.“ Scharfenberg findet, in Deutschland sei ein „fortschreitender Werteverfall der Pflegeleistungen“ im Gange.

Dagegen sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Jens Spahn (CDU), in der täglichen Praxis sei Pragmatismus sinnvoll. „Betreuungskräfte sollen nicht pflegen, aber zumindest Essen reichen dürfen. Alles andere ist lebensfremd.“

31.05.2015 - dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

Weitere Meldungen

Vögel „Am Klimaziel insgesamt und am Weg dahin ändert sich nichts“

Am Freitagmorgen verteidigte Johannes Vogel, der erste parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, im rbb24 Inforadio die Änderungen des Klimaschutzgesetzes. ...

ARD-Dokumentation Merz schließt Machtkampf mit Söder um Kanzlerkandidatur aus

CDU-Vorsitzender Friedrich Merz hat einen Machtkampf mit CSU-Chef Markus Söder um die Kanzlerkandidatur verneint. In der ARD-Dokumentation "Die Merz-Strategie - Wohin steuert die CDU?" (ausgestrahlt am 29. April um 20:15 Uhr auf Das Erste) äußerte Merz, er nehme ...

Högl Veteranentag „wird sicherlich heute beschlossen“

Frieser Bundesregierung will kleinere Parteien aus dem Bundestag drängen

Connemann Wir brauchen einen Turnaround in der Wirtschaftspolitik

NRW Landesbeamte kritisieren nachlässigen Einsatz von KI

Künast Mehrwertsteuer-Erhöhung beim Fleisch „eine gute Idee“

Krings Initiative zur Speicherung von IP-Adressen verdient Unterstützung

Statistisches Bundesamt 370 Milliarden Euro für Bildung, Forschung und Wissenschaft

Ärztemangel Vereinbarung zum Ausbau der medizinischen Ausbildung in Ungarn

SPD-Vize Lindner soll sich Beispiel am DFB nehmen

Container-Standorte Wegner meldet Bedarf für weitere Geflüchteten-Standorte an

Ifo-Institut Corona-Hilfen des Staates haben Ziel erreicht

Dürr Leitkultur-Begriff im CDU-Grundsatzprogramm „zu schwammig“

Pflege Arbeitgeberverband will Zahlungsdruck auf Sozialämter erhöhen

"Spicken" bei der AfD Islamverbände kritisieren Passage in CDU-Grundsatzprogramm

Aktionismus Anhaltende Kritik an Lauterbachs Klinikreform

Bericht Ampel muss noch über zehn Milliarden Euro einsparen

Haushaltskrise Stadtwerke fürchten Auswirkungen auf Wärmewende

Wichtige liberale Kraft Klingbeil würdigt 75. Geburtstag der FDP

« Vorheriger ArtikelNächster Artikel »