newsburger.de Nachrichten aus aller Welt

Binärcode Wie Leibniz der CeBIT den Weg ebnete

Mathematiker und Philosoph entwickelte vor 333 Jahren das logische Funktionsprinzip des Computers.

Hannover – Wenn der große Mathematiker und Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz vom 6. bis 10. März die CeBIT hätte besuchen können, wäre er vermutlich überwältigt gewesen von der Weiterentwicklung seiner eigenen Forschungen. Denn vor 333 Jahren beschrieb der in Hannover forschende Wissenschaftler eine Rechenmaschine mit dem „logischen Funktionsprinzip der heutigen Computertechnik“, wie Eva-Maria Rexing vom Zentrum Innovatives Niedersachsen in Hannover sagt. Seine „Machina arithmeticae dyadicae“ war eine Art mechanischer Taschenrechner, der auf der Grundlage des binären Zahlensystems mathematische Aufgaben lösen sollte.

Ohne den Binärcode würde heute kein Computer funktionieren, sagt Rexing. Denn die PCs unserer Zeit funktionierten im Wesentlichen nicht anders als schon die 1679 von Leibniz erdachte Rechenmaschine: Sie rechnen mit den Ziffern 0 und 1, was in die Elektronik übersetzt soviel bedeutet wie: „Strom an“ und „Strom aus“.

Damit war Leibniz als theoretischer Vordenker für Rechenmaschinen seiner Zeit weit voraus. „Praktisch war es ihm jedoch nicht möglich, seine Rechenmaschine mit dem Binärcode auch zu bauen“, sagt der Leiter des Leibniz-Archivs in Hannover, Michael Kempe. Das Archiv wird in den nächsten Jahren die mathematischen Schriften des Universalgenies editieren, wozu auch die Abhandlung „De progressione dyadica“ gehört, in der Leibniz seine „Machina arithmeticae dyadicae“ 1679 in lateinischer Sprache beschrieben hat.

Die Konstruktion dieses Rechenapparates wäre sehr komplex gewesen und „die mechanischen Voraussetzungen und die damaligen Materialien seiner Zeit“ setzten dem Forscher Grenzen, wie Kempe erklärt.

Maschinen sollten für den Menschen rechnen

Jahre zuvor war es Leibniz gelungen, eine Rechenmaschine auf der Grundlage des uns geläufigeren dezimalen Zahlensystems anzufertigen. 1673 stellte er der Royal Society in London eine Staffelwalze für die vier Grundrechenarten vor. Eine dieser Maschinen ist heute noch Gottfried-Leibniz Bibliothek in Hannover aufbewahrt und als Nachbau zu sehen.

Mit den Rechenmaschinen habe Leibniz den Menschen das Errechnen mathematischer Aufgaben erleichtern wollen, erklärt Kempe. Denn es sei „ausgezeichneter Menschen unwürdig, gleich Sklaven Stunden zu verlieren mit Berechnungen“, sagte das Universalgenie einst.

Der Mathematiker Leibniz soll selbst kein Genie beim Kopfrechnen gewesen sein. Hatte er sich verrechnet, soll er Anekdoten zufolge behauptet haben, dass Mathematik nichts mit Rechnen zu tun habe. Hier komme zum Ausdruck, dass „Leibniz‘ Stärke in der theoretischen Mathematik lag“, sagt Kempe. Formeln und mathematische Prinzipien seien die Grundlage für die Konstruktion automatischer Rechenapparate gewesen.

Erster Computer von 1936 so groß wie ein Kleiderschrank

Die nächsten großen Schritte in der Computertechnologie gelangen 1936 dem Wissenschaftler Konrad Zuse. Mehr als 200 Jahre nach Leibniz hat er es geschafft, die erste mechanische Ausführung einer Rechenmaschine mit dem binären Code zu bauen. Als erster binärer Computer war dieser Apparat etwa so groß wie ein Kleiderschrank.

Für die Entwicklung der modernen Computertechnologie waren jedoch auch nach Zuse noch „viele weitere bedeutende Erfindungen“ nötig, gibt Kempe zu bedenken. Relais-Schaltungen, Speichermedien oder Programmiersprachen seien einige der wichtigen Aspekte auf dem Weg zur neuesten Computergeneration.

Ausgerechnet in der früheren Heimatstadt Leibniz‘ ist seit 1986 das „Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation“ (CeBIT) zu Hause. Die weltweit größte Computermesse zieht in diesem Jahr mehr als 4.200 Unternehmen aus 70 Ländern an, die ihre neuesten IT-Produkte ausstellen. Für Wissenschaftler gehört die Entwicklung der „Machina arithmeticae dyadicae“ vor 333 Jahren untrennbar zu ihrer Geschichte.

26.02.2012 © dapd / newsburger.de

Weitere Meldungen

Studie Mehrheit der Deutschen nutzt KI-Anwendungen

Die Mehrheit der Deutschen nutzt im Alltag Anwendungen, die auf Künstliche Intelligenz zurückgreifen. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des IT-Branchenverbands Bitkom, die am Montag veröffentlicht wurde. ...

Office 365 Datenschützer streiten über Microsoft

Die deutschen Datenschützer streiten darüber, ob sich das Programmpaket Microsoft Office 365 regelkonform in Verwaltung und öffentlichen Einrichtungen einsetzen lässt. ...

"Open-Data-Kampagne" Digitalpolitiker begrüßen Microsoft-Vorstoß zur Datenteilung

Bericht Kriminalisten warnen vor Hackerangriffen auf Krankenhäuser

Umfrage Schüler sehen Digitalisierung als Chance

Microsoft Konzern setzt künftig stärker auf Hardware

Fachkräftemangel IT-Verband Bitkom schlägt Alarm

"Emotet" BSI fürchtet Welle von Cyberangriffen

Bildungswesen Bitkom und BGA fordern mehr Digitalisierung an Berufsschulen

Datensicherheit Hamburger Datenschützer hält Sprachassistenten für problematisch

"Quantum Cloud" Google will Quantencomputer-Plattform für Unternehmen starten

Künstliche Intelligenz Zahl der KI-Lehrstühle steigt auf 142

McAfee-Chef Starke Zunahme von Hackerangriffen im Gesundheitswesen

Softwareunternehmer Kaspersky Bin kein russischer Spion

Antivirus-Software Kaspersky Digital-Politiker Klingbeil kritisiert BSI

Verfassungsbeschwerde IT-Sicherheitsindustrie will gegen Staatstrojaner klagen

Datenschleuder Windows 10 Ist der Firmeneinsatz von Windows 10 legal?

Cyber-Kriminalität BSI warnt vor Hacker-Attacken

Acer Klassischer PC-Markt auf Dauer-Schrumpfkurs

Update Apple schließt Sicherheitslücken in Betriebssystem OS X Yosemite

« Vorheriger ArtikelNächster Artikel »