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Wie Leibniz der CeBIT den Weg ebnete

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26.02.2012

Binärcode Wie Leibniz der CeBIT den Weg ebnete

Mathematiker und Philosoph entwickelte vor 333 Jahren das logische Funktionsprinzip des Computers.

Hannover – Wenn der große Mathematiker und Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz vom 6. bis 10. März die CeBIT hätte besuchen können, wäre er vermutlich überwältigt gewesen von der Weiterentwicklung seiner eigenen Forschungen. Denn vor 333 Jahren beschrieb der in Hannover forschende Wissenschaftler eine Rechenmaschine mit dem „logischen Funktionsprinzip der heutigen Computertechnik“, wie Eva-Maria Rexing vom Zentrum Innovatives Niedersachsen in Hannover sagt. Seine „Machina arithmeticae dyadicae“ war eine Art mechanischer Taschenrechner, der auf der Grundlage des binären Zahlensystems mathematische Aufgaben lösen sollte.

Ohne den Binärcode würde heute kein Computer funktionieren, sagt Rexing. Denn die PCs unserer Zeit funktionierten im Wesentlichen nicht anders als schon die 1679 von Leibniz erdachte Rechenmaschine: Sie rechnen mit den Ziffern 0 und 1, was in die Elektronik übersetzt soviel bedeutet wie: „Strom an“ und „Strom aus“.

Damit war Leibniz als theoretischer Vordenker für Rechenmaschinen seiner Zeit weit voraus. „Praktisch war es ihm jedoch nicht möglich, seine Rechenmaschine mit dem Binärcode auch zu bauen“, sagt der Leiter des Leibniz-Archivs in Hannover, Michael Kempe. Das Archiv wird in den nächsten Jahren die mathematischen Schriften des Universalgenies editieren, wozu auch die Abhandlung „De progressione dyadica“ gehört, in der Leibniz seine „Machina arithmeticae dyadicae“ 1679 in lateinischer Sprache beschrieben hat.

Die Konstruktion dieses Rechenapparates wäre sehr komplex gewesen und „die mechanischen Voraussetzungen und die damaligen Materialien seiner Zeit“ setzten dem Forscher Grenzen, wie Kempe erklärt.

Maschinen sollten für den Menschen rechnen

Jahre zuvor war es Leibniz gelungen, eine Rechenmaschine auf der Grundlage des uns geläufigeren dezimalen Zahlensystems anzufertigen. 1673 stellte er der Royal Society in London eine Staffelwalze für die vier Grundrechenarten vor. Eine dieser Maschinen ist heute noch Gottfried-Leibniz Bibliothek in Hannover aufbewahrt und als Nachbau zu sehen.

Mit den Rechenmaschinen habe Leibniz den Menschen das Errechnen mathematischer Aufgaben erleichtern wollen, erklärt Kempe. Denn es sei „ausgezeichneter Menschen unwürdig, gleich Sklaven Stunden zu verlieren mit Berechnungen“, sagte das Universalgenie einst.

Der Mathematiker Leibniz soll selbst kein Genie beim Kopfrechnen gewesen sein. Hatte er sich verrechnet, soll er Anekdoten zufolge behauptet haben, dass Mathematik nichts mit Rechnen zu tun habe. Hier komme zum Ausdruck, dass „Leibniz‘ Stärke in der theoretischen Mathematik lag“, sagt Kempe. Formeln und mathematische Prinzipien seien die Grundlage für die Konstruktion automatischer Rechenapparate gewesen.

Erster Computer von 1936 so groß wie ein Kleiderschrank

Die nächsten großen Schritte in der Computertechnologie gelangen 1936 dem Wissenschaftler Konrad Zuse. Mehr als 200 Jahre nach Leibniz hat er es geschafft, die erste mechanische Ausführung einer Rechenmaschine mit dem binären Code zu bauen. Als erster binärer Computer war dieser Apparat etwa so groß wie ein Kleiderschrank.

Für die Entwicklung der modernen Computertechnologie waren jedoch auch nach Zuse noch „viele weitere bedeutende Erfindungen“ nötig, gibt Kempe zu bedenken. Relais-Schaltungen, Speichermedien oder Programmiersprachen seien einige der wichtigen Aspekte auf dem Weg zur neuesten Computergeneration.

Ausgerechnet in der früheren Heimatstadt Leibniz‘ ist seit 1986 das „Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation“ (CeBIT) zu Hause. Die weltweit größte Computermesse zieht in diesem Jahr mehr als 4.200 Unternehmen aus 70 Ländern an, die ihre neuesten IT-Produkte ausstellen. Für Wissenschaftler gehört die Entwicklung der „Machina arithmeticae dyadicae“ vor 333 Jahren untrennbar zu ihrer Geschichte.

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