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Christian Wulff

© Martina Nolte / CC BY-SA 3.0 DE

30.12.2015

Verständigung gefordert Wulff warnt vor weltweiter Ausbreitung des Terrors

Altpräsident ruft zu Ausgleich mit Afrika und islamischer Welt auf.

Osnabrück – Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat den Westen eindringlich zu einer Verständigung mit dem islamischen Raum aufgerufen. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag) sagte er mit Blick auf die zahlreichen dortigen Konflikte, „die Welt muss massiv auf deren Beendigung hinwirken, auch um fatale Folgen wie eine globale Ausbreitung des Terrors zu verhindern“.

Ein Einsatz für Afrika und ein Ausgleich mit der islamischen Welt und ihren demnächst zwei Milliarden Bewohnern sei „eine existenzielle Frage“. Das Mittelmeer dürfe keine trennende Wirkung haben, sondern eine verbindende. „Unter diesem Gesichtspunkt waren die Menschen vor 2000 Jahren weiter als heute“, wünschte sich Wulff mehr Austausch, Akzeptanz und Zusammenarbeit.

Kritik an USA und zweierlei Maß bei Menschenrechten

Der Altpräsident plädierte für Selbstkritik. So sagte er mit Blick auf amerikanische Verletzungen der Menschenrechte, „häufig wird mit zweierlei Maß gemessen“. Es täte dem europäischen Verhältnis zum islamischen Raum gut, „im Dialog mit den Amerikanern Fragen des Abhörens, der Behandlung von Gefangenen in den USA aber auch in Guantanamo oder im Irak kritisch aufzuarbeiten“. Die Europäer hätten „nicht immer klar gemacht, dass jeder Mensch seine ihm eigene Würde hat, egal, aus welchem Land er kommt und was er glaubt“.

Ferner müssten die Erwartungen des Westens an andere Kulturen realistisch sein. „Wir haben in ganz Deutschland Einheit, Freiheit und Demokratie gerade seit 25 Jahren und zuvor schreckliche Irrwege erlebt“, erinnerte Wulff. Die Gleichberechtigung sei noch ausbaufähig. „Andere Gesellschaften in ihrer kulturellen Qualität nun bevorzugt danach zu bemessen, wie sie etwa noch mit Homosexualität umgehen, ist naiv und belegt ein mangelndes Verständnis für historische und gesellschaftliche, politische und psychologische Prozesse“, mahnte das frühere Staatsoberhaupt.

„Wir dürfen anderen nicht unser System überstülpen und behaupten, es sei genau so das allein selig machende“, erklärte Wulff. „Ich erinnere auch an das Recht auf Souveränität und das Prinzip der Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten“, schloss er.

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