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US-General kündigt harten Einsatz in Afghanistan an
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US-General kündigt harten Einsatz in Afghanistan an

Kabul – Der amerikanische General David Petraeus, Kommandeur der ISAF-Truppen in Afghanistan, hat einen entschlossenen Kampf gegen Taliban und andere Aufstandsbewegungen angekündigt. „Es wird härter, bevor es leichter wird“, sagte Petraeus über den Kampf in Afghanistan im Interview mit der „Bild-Zeitung“. Er wolle dem Feind „nachstellen und ihm seine Rückzugsorte streitig machen, so der Vier-Sterne-General. „Diese Gebiete sind enorm wichtig für die Aufständischen, das sind ihre Kommandozentralen, dort bauen sie ihre Sprengsätze und verkaufen Drogen, um sich zu finanzieren“, sagte Petraeus der „Bild-Zeitung“ in seinem ersten Interview mit einer deutschen Zeitung. Petraeus sagte auch, dass diese Strategie zu mehr Verlusten auf Seiten der ISAF-Truppen führt. „Der Feind braucht diese Gebiete, deswegen schlägt er zurück – tragischerweise“, so Petraeus.

Als wichtigen Teil seiner Strategie bezeichnete Petraeus das in Deutschland umstrittene gezielte Vorgehen gegen hochrangige Taliban. „Militärische Gewalt“ sei „absolut notwendig“, so Petraeus. „Natürlich muss man Aktionen gegen Terroristen durchführen, gezielt und auf der Grundlage von Geheimdienstinformationen. Wir legen ein enormes Tempo bei diesen Operationen an den Tag, und sie sind wichtig, weil man so die Anführer des Widerstands aus dem Kampf nimmt, sie tötet oder fängt“, sagte General Petraeus „Bild“. „Das sind die Leute, die schwerwiegende Anschläge gegen uns geplant und durchgeführt haben. Wir versuchen, sie gefangen zu nehmen, um Informationen aus ihnen heraus zu bekommen. Aber manchmal lassen die Umstände das nicht zu.“ Dann greife man zum Mittel des so genannten „kinetischen Schlages“, Militär-Jargon für zum Beispiel gezielte Raketenangriffe.

Man könne eine „hochprofessionelle Widerstandsbewegung“ aber nicht nur besiegen, indem man ihre Mitglieder „tötet oder gefangen nimmt“, so Petraeus. „Ein wichtiger Punkt ist zum Beispiel auch die Aussöhnung mit einfachen Kämpfern, die sich für zehn Dollar am Tag den Taliban anschließen. Sie müssen wir wieder in die Gesellschaft integrieren. Wir nennen diesen Plan „Anaconda“, weil wir wie die Schlange das Leben aus dieser Widerstandsbewegung herausquetschen wollen.“

Als Hauptgrund für den nun neun Jahre dauernden Einsatz internationaler Truppen in Afghanistan sieht General David Petraeus noch immer die Gefahr terroristischer Anschläge im Westen. „Wir wollen sicher gehen, dass Afghanistan nie wieder zum Rückzugsort für Al Qaida oder andere Extremisten wird“, so Petraeus gegenüber der „Bild-Zeitung“. Schließlich wurden die Anschläge vom 11. September „genau hier geplant, und zwar im Schutze des Taliban-Regimes. Hier wurden die Attentäter trainiert, bevor sie dann nach Deutschland aufbrachen. Wir sind hier um zu verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht.“ Niemand wolle, „dass Afghanistan wieder zur Startrampe oder Kommandozentrale für solche Aktionen wird.“

Petraeus gestand ein, dass man in der Vergangenheit nicht genügen Mittel gehabt habe, um in Afghanistan erfolgreich zu sein. Auch die Ziele des Krieges habe man heruntergeschraubt. „Es macht sich doch niemand mehr die Illusionen, dass wir Afghanistan in fünf Jahren in eine industrialisierte Demokratie verwandeln können“, so Petraeus. „Wir sollten maßvoll in unseren Erwartungen sein. Dieses Land hat dreißig Jahre Krieg hinter sich und war schon davor eines der ärmsten Länder der Welt. Was wir schaffen wollen, ist, diesem Land die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu regieren und sich selbst zu beschützen“, sagte General Petraeus.

Afghanistans Präsident Hamid Karzai, der sich immer wieder mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sieht, bezeichnete Petraeus gegenüber der „Bild-Zeitung“ als „verlässlichen Alliierten“. Er müsse eben manchmal „Dinge sagen, die sein nationales Publikum zufrieden stellen.“ Karzai hatte die Taliban wiederholt als „Brüder“ und die ISAF-Truppen als Eindringlinge bezeichnet. Man solle in solche Aussagen nicht zu viel hineindeuten, so Petraeus, sie seien dienlich für die „Aussöhnung mit einfachen Taliban-Kämpfern.“

Persönliches Bedauern drückte Petraeus über die derzeit steigenden Gefallenen- und Verwundetenzahlen aus. „Kann man sich jemals abhärten, sich an diese Verluste gewöhnen? Nach meiner Erfahrung ganz sicher nicht“, sagte Petraeus der „Bild-Zeitung“. „Ich glaube, es wird mit der Zeit sogar schwieriger, damit umzugehen.“

20.09.2010 © dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

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