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"The Lady" Aung San Suu Kyi privat

Besson verfilmt mit „The Lady“ das Leben der Friedensnobelpreisträgerin.

Berlin – Der französische Filmemacher Luc Besson ist ursprünglich vor allem für Action und Science Fiction a la „Nikita“ und „Das fünfte Element“ bekannt. Immer wieder demonstriert er aber auch seine Lust auf Experimente – ob mit der Verbindung von Real- und Animationsfilm wie in „Arthur und die Minimoys“ oder Schwarz-Weiß-Produktionen wie „Angel-A“. Mit „Johanna von Orleans“ verfilmte er bereits 1999 das Leben einer Nationalheldin, nun bringt er eine weitere starke Frau auf die Kinoleinwand: In „The Lady“ erzählt Besson die Geschichte der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi – ruhig und würdevoll, wie die Protagonistin selbst, und in schönen Bildern.

„The Lady“ schildert den plötzlichen Aufstieg Aung San Suu Kyis (Michelle Yeoh) von der Hausfrau und Mutter zweier Söhne, die in Oxford mit dem britischen Wissenschaftler Michael Aris (David Thewlis) verheiratet ist, zur Freiheitskämpferin. Nach einem Schlaganfall ihrer Mutter reist sie 1988 in ihr Heimatland Birma, das von schweren Unruhen erschüttert wird. Regimegegner bitten sie als Tochter eines ehemaligen Volkshelden, den Vorsitz der neuen Partei für ein demokratisches Burma zu übernehmen.

Nach kurzem Zögern willigt Aung San Suu Kyi ein – und wird nicht mehr nach Oxford und zu ihrer Familie zurückkehren. Sie gewinnt zwar die Wahlen, doch die Militärs erkennen ihren Sieg nicht an und stellen sie unter Hausarrest. In Großbritannien macht Michael derweil erfolgreich auf die Arbeit und das Schicksal seiner Frau aufmerksam: 1991 erhält Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis. Dann erkrankt Michael unheilbar an Prostatakrebs und seine Frau muss sich entscheiden: Fliegt sie zu ihrem sterbenden Mann nach England und darf dann nicht mehr nach Burma zurückkehren – oder bleibt sie.

Die Dreharbeiten für „The Lady“ fanden mit Blick auf die repressive Lage in Burma unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. „Wir machten den Film unter einem anderen Namen. Wir kündigten nie an, dass Luc Besson mit mir einen Film über Aung San Suu Kyi dreht“, sagte Hauptdarstellerin Yeoh im dapd-Interview. „Wir wussten, das könnte Folgen haben, nicht unbedingt für uns, aber für Menschen aus Burma, die mit uns an dem Film arbeiteten.“

Besson hält sich in seinem Biopic dicht an die Fakten der wahren Lebensgeschichte der Friedensnobelpreisträgerin, rückt nach kurzer Einführung der politischen und menschenrechtlichen Situation im Land aber die Familiengeschichte stark in den Fokus – konkret die langjährige Trennung von Mann und Söhnen. San Suu Kyi entscheidet sich am Ende bekanntlich für ihr Heimatland, Michael stirbt allein.

Yeoh sieht der Menschenrechtsaktivistin nicht nur extrem ähnlich, es gelingt ihr auch perfekt, die ruhige und würdevolle Art Aung San Suu Kyis zu verkörpern. Neben der Darstellung Michelle Yeohs hinterlassen auch die überwiegend in Thailand und Burma gefilmten Bilder einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer. David Thewlis („Harry Potter“) spielt den verständnisvollen Ehemann, der Tausende Kilometer entfernt seiner kämpferischen Frau den Rücken frei hält und die Kinder großzieht, weil sie „einen Traum teilen“, wie er sagt.

Der für Tempo und Spektakel bekannte Besson hält sich mit Actionszenen stark zurück, zeigt nur im anfänglichen Rückblick, wie Aung San Suu Kyis Vater und andere Oppositionelle brutal erschossen werden. Für Besson selbst ist dies keine Gratwanderung: „Manchmal werfen die Leute durcheinander, was für Filme ich als Regisseur, und was für Filme ich als Produzent mache“, sagte er im dapd-Interview. „Als Produzent mag ich den leichten Spaß wie ‚Transporter‘, ich schaue diese Filme gern, aber ich will sie nicht drehen.“ Und „The Lady“ ist für ihn vor allem ein Film über die perfekte Liebe.

(„The Lady – Ein geteiltes Herz“, Drama, Frankreich/Großbritannien 2011, 145 Minuten, FSK: 12, Verleih: Universum, Regie: Luc Besson, Darsteller: David Thewlis, Michelle Yeoh, William Hope u.a.)

Kinostart: 5. April 2012

31.03.2012 © dapd / newsburger.de

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