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Berlinale 2013

© mikewaters / 123RF Standard-Bild

10.02.2018

Festival-Chef Kosslick Berlinale hat Filme wegen #MeToo abgelehnt

Missbrauchsdebatte verändert Programm.

Osnabrück – Die Berlinale hat wegen der #MeToo-Debatte Filme abgelehnt: „Wir haben in diesem Jahr Arbeiten von Leuten nicht im Programm, weil sie für ein Fehlverhalten zwar nicht verurteilt worden sind, es aber zumindest zugegeben haben“, sagte Festivaldirektor Dieter Kosslick der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag).

Zu Ridley Scott, der Kevin Spacey wegen des Vorwurfs sexueller Übergriffe aus seinem Film „Alles Geld der Welt“ geschnitten hatte, sagte Kosslick: „Das berührt eine Debatte, die auch auf der Berlinale geführt wird: Kann man die Kunst vom Künstler trennen? Wenn man sich die Filmgeschichte daraufhin ansieht, die Kulturgeschichte überhaupt, dann wird man wahrscheinlich zur Ansicht kommen: Man muss es trennen. Als Veranstalter haben wir uns in diesem Jahr trotzdem anders entschieden.“

Für den aktuellen Jahrgang habe sein Festival Filme abgelehnt, deren Personal durch die Debatte um sexuelle Gewalt im Filmgeschäft belastet ist. Würde die Berlinale Ridley Scotts Film zum Vergleich auch in der Spacey-Fassung zeigen? Kosslick: „Der Vergleich wäre auf jeden Fall interessant. Ob ich es machen würde, weiß ich nicht.“

Landwirtschaftsminister Schmidt soll Glyphosat-Doku ansehen

Eine besondere Einladung sprach der 69-Jährige an den geschäftsführenden Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) aus: „Wenn Sie nach einem Film fragen, den ich außerhalb des Wettbewerbs wichtig finde, würde ich auf Fernando Solanas‘ Dokumentation über ökologische Verbrechen der industriellen Landwirtschaft hinweisen. Er beobachtet in Argentinien die Missbildungen von Kindern. Sie wuchsen in der Nähe von Glyphosat-besprühten Feldern auf und sind dort zur Schule gegangen. Das sollten sich alle ansehen, vor allem der Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, mit dessen Stimme dieses völlig verharmloste chemische Mittel in der EU für weitere fünf Jahre zugelassen wurde.“

Festivals bald nur noch online?

Mit düsteren Befürchtungen antwortete Kosslick, dessen Vertrag als Berlinale-Direktor im kommenden Jahr ausläuft, auf die Frage nach der Zukunft von Filmfestivals: „Die Leute haben heute ein vollkommen anderes Nutzungsverhalten, die gucken auf dem iPad, zuhause, beim Streamingdienst. Das merken wir, und andere Festivals werden es auch merken“, sagte der Festival-Macher.

„Bis jetzt setzen die Verleiher auf einen Plattformstart wie die Berlinale, wo fast 4000 Journalisten Interviews und Kritiken schreiben. Aber natürlich kann man so eine Veranstaltung auch zuhause in Los Angeles machen, am Hollywood Boulevard, und auf 22.000 Bildschirme in aller Welt übertragen. Die Stars wohnen da sowieso, die muss man dann gar nicht mehr durch die Welt kutschieren. Man könnte die Schauspieler einfach der Reihe nach durchs Chinese Theatre in Los Angeles schleusen wie die Paare durch die Hochzeitskapellen von Las Vegas“, sagte Kosslick. „Das hat noch keiner vorgeschlagen, aber wenn Sie mich nach meiner apokalyptischen Vision der Festivalzukunft fragen, wäre es diese.“

Trotzdem glaubt Kosslick an die Zukunft der großen Leinwand: „Ich denke, dass das Kino überleben wird. Weil es einzigartig ist.“

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