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Tatort Täterjagd mit Reviercharme

„Tatort“ setzt wieder auf das Ruhrgebiet – Dreh in Dortmund fortgesetzt.

Dortmund – Unter den Schuhsohlen knirscht Geröll, die Schornsteine der kleinen Backsteinhäuser im Hintergrund wirken schwarz vor Ruß. Die Kulisse am Phönix-See in Dortmund passt waschecht zum Ruhrgebiets-„Tatort“, der ab Herbst im Fernsehen ausgestrahlt werden soll. Mit dem Drehort kehrt die beliebte Krimireihe nach jahrelanger Abstinenz in den Pott zurück – und wartet erstmals in ihrer Geschichte gleich mit vier hart gesottenen Ermittlern auf.

Gedreht wurde am Donnerstag in einem Taubenschlag am See, wo in der ersten Folge „Alter Ego“ der Vater eines Ermordeten befragt wird.

Dutzende Tauben tummeln sich in dem hölzernen Käfig. Hauptkommissar Peter Faber beobachtet sie gelassen, die Hände in den Taschen seiner olivfarbenen Wetterjacke vergraben. Ein bisschen scheint sich der aus dem benachbarten Hagen Stammende selbst zu spielen. Für den 42-Jährigen, der sonst auf der Berliner Schaubühne steht, ist es eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. „Ich spreche Mundart und verpasse dem Krimi schon den leichten Ruhrpott-Slang“, sagt Hartmann nicht ohne Stolz. Klischeehaft sei der Kommissar aber nicht. „Dafür ist er eigentlich zu schwer in seinem Gemüt.“

Anna Schudt ist als Stellvertreterin Martina Bönisch an seiner Seite. Ihre blonden Haare hat sie praxisorientiert zu einem Zopf gebunden. Dickes Make-up wie bei anderen Produktionen fehlt. Die Kommissarin ist eben eine echte „Reviertype“. „Das Spannende an der Rolle ist, sie ist spröde und kantig“, erklärt die 39-Jährige, die schon bei zahlreichen Fernsehfilmen – auch „Tatort“-Folgen – dabei war. Ihre Hauptkommissarin legt das Skript als eine mit harter Hand agierende Ermittlerin an, die es privat mit einem arbeitslosen Ehemann und zwei Kindern schwer hat.

Eine Beziehung zu Dortmund habe Schudt zwar noch nicht, sie betrachte die Stadt aber mit neugierigen Augen. „Das ist eine Stadt, die kämpfen musste, und das merkt man ihr an“, sagt sie nachdenklich und lässt schließlich doch noch einen Bezug zur Ruhrmetropole aufblitzen: „Der Vater meines ersten Kindes wohnt hier.“ Dass sie ihren 14-jährigen Sohn und ihr ein Jahr altes Baby für den Dreh oft bei Verwandten unterbringen muss, ist ihr merklich unangenehm: „Ich habe schon häufiger ein schlechtes Gewissen.“

Damit das Ruhrgebiet nach Schimanskis Pensionierung wieder ein bisschen sicherer wird – zumindest im Fernsehen – nimmt Schudt die privaten Einschnitte in Kauf. Schließlich will sie Teil eines historischen Moments sein: Erstmals in der Geschichte von Deutschlands dienstältester Krimireihe ermittelt ein Kommissar-Quartett. Unterstützung für Faber und Bönisch kommt von Oberkommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) und ihrem Kollegen Daniel Kossik (Stefan Konarske). Dalay ist Dortmunderin, stammt aus einer deutsch-türkischen Familie und lebt im Problembezirk Nordstadt. Kossik ist Fan von Borussia Dortmund, sein Vater malochte unter Tage, sein Bruder ist ein arbeitsloser Kumpel – Revier pur.

„Ich bin total überwältigt von der Aufmerksamkeit, die der Dreh bekommt“, freut sich Schudt. Natürlich sei es erstmal nur heiße Luft. „Aber wenn es gut angenommen wird, dann bin ich natürlich stolz“, fügt sie hinzu. Wie die neuen Gesichter gemocht werden, die zwischen Westfalenstadion, mächtigen Industriekulissen wie am Phönix-See und Wahrzeichen wie dem berühmten Dortmunder „U“ auf Täterjagd gehen, wird sich im Herbst zeigen.

19.04.2012 © dapd / newsburger.de

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