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"Die Unsichtbare" Selbstzweifel einer Künstlerin

Drama entpuppt sich als deutsche Antwort auf Black Swan.

Berlin – Fine Lorenz (Stine Fischer Christensen) ist Schauspielschülerin und träumt von einer großen Theaterkarriere. Doch die Kritiken ihrer Lehrer sind vernichtend. Von fehlender Ausstrahlung und unzureichender Bühnenpräsenz ist die Rede.

Allein der extravagante Regisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen) glaubt an das schüchterne Mädchen. Er besetzt Fine als Hauptdarstellerin in einem skandalträchtigen Stück. Es ist die Chance ihres Lebens – und vielleicht ihre einzige. Die junge Frau wird daher während der Proben von Versagensängsten und Selbstzweifeln zerfressen.

Nach seinem Arthouse-Erfolg Novemberkind legt Regisseur Christian Schwochow mit Die Unsichtbare ein eindringliches Werk über eine Schauspielschülerin unter Erfolgsdruck vor. Der Zuschauer lernt Fine als introvertierte Frau kennen, die vor einer nahezu unmöglichen Aufgabe steht. Ausgerechnet sie soll in dem Theaterstück Camille eine Exzentrikerin spielen, die vom Vater vergewaltigt wurde und die ihr Seelenheil nun in täglich wechselnden Sexpartnerschaften sucht.

Im Film nähert sich Fine ihrer Rolle an, indem sie sich auch in ihrem Privatleben wie Camille kleidet und gebärdet. Sie stürzt sich ins Nachtleben, spricht fremde Männer an und zitiert dabei Sätze aus ihrem Text. Realität und Fiktion gehen zunehmend ineinander über, bis Fine von ihrer Rolle vollkommen eingenommen und überwältigt wird. Schwochows Drama geht dabei psychisch wie physisch bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus. Der Zuschauer leidet empathisch mit der von Stine Fischer Christensen (Nach der Hochzeit) eindringlich verkörperten Titelheldin mit.

Die 26-jährige Dänin entpuppt sich dabei als famose Entdeckung. Unterstützt wird sie von Ulrich Noethen (Comedian Harmonists ) , Ronald Zehrfeld (12 Meter ohne Kopf) und Anna Maria Mühe, die in Schwochows Erstling Novemberkind noch selbst in der Hauptrolle zu sehen war.

Die Unsichtbare mutet derweil wie eine deutsche Antwort auf das Hollywooddrama Black Swan an. In beiden Fällen droht eine junge Künstlerin an einer übermächtigen Hauptrolle zu zerbrechen. Schwochow setzt in seinem Film allerdings weniger auf düstere Mystik, als auf die ernüchternde Wirklichkeit. Sein Werk wirkt im Gegensatz zu Black Swan geerdeter.

Die dargestellten Sorgen, Ängste und Nöte der Schauspielschülerin werden allerdings vornehmlich andere Künstler wirklich greifen und nachempfinden können. Die Unsichtbare entpuppt sich dadurch als ein Film von einem Künstler für Künstler. Ähnlich wie Novemberkind passt das Drama dadurch perfekt ins Arthouse-Kino. Darüber hinaus dürfte es das Werk – trotz seiner intensiven Handlung und überzeugender Darsteller – äußerst schwer haben.

(Die Unsichtbare, Drama, Deutschland 2011, 113 Minuten, FSK: 12, Verleih: Falcom, Regie: Christian Schwochow, Darsteller: Stine Fischer Christensen, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Anna Maria Mühe u.a.)

Kinostart: 9. Februar 2012

04.02.2012 © dapd / newsburger.de

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