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Märchenkomödie Schneewittchen im Zwergen-Trainingslager

In der Märchenkomödie „Spieglein, Spieglein“ ist Julia Roberts eine herrlich böse Königin.

Berlin – Wer ist die Schönste im ganzen Land? Vor noch nicht langer Zeit hätten viele auf Julia Roberts getippt. In der zauberhaften Märchenkomödie „Spieglein, Spieglein“ spielt sie die Königin, die sich weniger wegen ihres bankrotten Reichs als wegen ihrer Krähenfüße grämt. Umso schlimmer, dass ihr Zauberspiegel sie vor ihrer schönen Stieftochter Schneewittchen warnt. Was bleibt der Monarchin da anderes übrig, als das bekannteste Mordkomplott der Märchenwelt zu schmieden?

Es scheint der einstigen „Pretty Woman“ einen Riesenspaß gemacht zu haben, mal die Böse zu spielen. Auch sonst bringt Regisseur Tarsem Singh frischen Wind in das Märchen. Neben der Königin, die den ganzen Zinnober aus ihrer Sicht erzählt, ist mit Schneewittchen, den sieben Zwergen und dem Märchenprinz zwar das traditionelle Personal der Gebrüder Grimm versammelt. Doch die Zwerge sind hier gesellschaftlich Ausgestoßene und Strauchdiebe, die auf Stelzen Reisende ausrauben. Wie zum Beispiel den dämlichen Prinzen, der ihnen auf der Suche nach Abenteuern in die Arme läuft – und der von Schneewittchen befreit werden muss.

Neu ist auch die amouröse Rivalität zwischen der unschuldigen Maid und ihrer abgebrühten Stiefmama, die sich den reichen Schönling angeln will. Auch wird, ganz im frauen- und sozialbewegten Zeitgeist, das Prinzesschen im Zwergen-Trainingslager zum weiblichen Robin Hood ausgebildet, um gegen die Ausbeutung des Volkes durch die stiefmütterliche Luxusschlampe zu kämpfen. Doch die Hauptattraktion dieses Märchen-Updates ist die Ausstattung, bei der Singhs langjährige, vor kurzem verstorbene Kostümbildnerin Eiko Ishioka (Kostüm-Oscar 1992 für „Bram Stoker’s Dracula“) ein letztes Mal ihr Können entfaltet.

Der indischstämmige Regisseur dagegen, der bisher seine wenigen Filme „The Cell“, „The Fall“ und „Krieg der Götter“ zwischen seine Werbefilmer-Aufträge geschoben hat, ist fast noch ein Geheimtipp. Erneut präsentiert er einen süchtig machenden Bilderrausch mit surrealen Kostümen, malerischen Winterlandschaften und einem menschlichen Schiffe-Versenken-Spiel mit Kanonen auf Hüten. Der extravagante Stilmix erinnert mal an die Prachtentfaltung des vorrevolutionären Ancien Régime in Versailles, mal an Filme wie „Zorro“ oder, mit der verwegenen Kluft der Zwerge, an „Time Bandits“ – und erweist auch Bollywood seine Referenz.

Erstaunlich aber ist, dass der Ästhet Singh soviel Sinn für Komik beweist. Julia Roberts gibt eine tolle Schabracke mit herrlich boshaften Sprüchen. Märchenprinz Armie Hammer („J. Edgar“) ist ein hammerhaft gut aussehender Clown, der von nichts eine Ahnung hat und in ein kläffendes Schoßhündchen verwandelt wird. Komiker Nathan Lane als Kammerdiener dagegen wird zur Küchenschabe. Schneewittchen Lily Collins, die Tochter von Popstar Phil Collins, ist eine anmutige Schnittmenge aus Audrey Hepburn und Liz Taylor und ähnelt auch dem Schneewittchen des klassischen Disney-Trickfilms.

Obwohl die Ausstattung an cineastische Exzentriker wie Tim Burton und Terry Gilliam erinnert, hält die Märchenromanze die Balance zwischen familiengerechtem Entertainment und subversiver Jugendwahn-Satire. Auch Erwachsene, die in den sauren Apfel beißen und ihren Nachwuchs ins Kino begleiten, werden sich hier königlich amüsieren.

(„Spieglein, Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen“, USA 2012, 106 Minuten, FSK: o.A. (ohne Altersbeschränkung), Verleih: Studio Canal, Regie: Tarsem Singh, Darsteller: Lily Collins, Julia Roberts, Armie Hammer, Nathan Lane, Sean Bean u.a.)

Kinostart: 5. April 2012

31.03.2012 © dapd / newsburger.de

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