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Perfekte Welt außer Kontrolle

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30.01.2012

Medien Perfekte Welt außer Kontrolle

Die ARD zeigt den Film “Die Schatten, die dich holen”.

Berlin – Veras Welt ist perfekt. Privat ist sie mit ihrem Ehemann Hannes sehr stolz auf die gemeinsame Tochter Paula, im Job kümmert sich das Paar um die eigene Investmentfirma “Schlink und Schlink”. Die läuft gut, weil ethische Fonds gerade angesagt sind, und dann ist da ja auch noch die Nominierung zur Fondsmanagerin des Jahres. Vera (“Unsere Firma steht für saubere Fonds”) hat beste Chancen auf die Trophäe. Doch dann taucht Kurt auf. Plötzlich und unerwartet. Und irgendwie auch aus der Versenkung. Die ARD zeigt am Mittwoch (1. Februar, 20.15 Uhr) mit dem Film “Die Schatten, die dich holen”, was passieren kann, wenn die unliebsame Vergangenheit die Gegenwart überrollt.

Dann ist nichts mehr perfekt. Die Welt? Ein großes Chaos. Sogar der Ehemann muss sich Lügen anhören. Vera, dargestellt von Aglaia Szyszkowitz, verliert den Boden unter den Füßen. Weil Kurt, ein schmierig-windiger Typ und ziemlich brillant gespielt von Andr M. Hennicke, ihr mit ihrem früheren Leben die Hölle heiß macht. Kurt erpresst Vera mit Bildmaterial aus dem Sexclub.

Mehr als ein Jahrzehnt ist es her, dass sie auf der Hamburger Reeperbahn anschaffen ging. Vera alias Lola “war die besondere Nummer für die besseren Herren”, fabuliert der verantwortliche SWR im Begleitheft zum Film. Ihr damaliger Freund sei ein hoch verschuldeter Spieler gewesen, erklärt sich Vera später ihrem Hannes (Bernhard Schir). Und: Kurt, der im früheren Leben Alex hieß, habe ihren damaligen Lebensgefährten auf dem Gewissen. Weil Lola vor Gericht gegen Alex und einen Kompagnon ausgesagt hat, saßen beide anschließend im Knast. Nun ist Alex-Kurt wieder frei. Und will seinen Anteil an Veras Glück.

Doch das “Lösegeld”, immerhin 100.000 Euro, reichen Kurt nicht. Er will mehr. “Ganz ehrlich, ich finde es bewundernswert, wie es eine verdammte Scheiß-Nutte schafft, ein honorables Mitglied unserer Gesellschaft zu werden”, drangsaliert er Vera. Und: Er will Geld bei “Schlink und Schlink” investieren, also in die Firma einsteigen. Die Lage eskaliert – Vera hat sich nicht mehr im Griff, sie verliert die Kontrolle.

Der SWR als produzierender Sender nennt den Film einen “Fernsehthriller”. Das ist für Thrillerfans sicherlich eine Übertreibung. Dennoch ist es Buchautor Uli Bre und Regisseur Robert Dornhelm durchaus gelungen, einen überwiegend unterhaltsamen, wenn auch nicht konsequent realistischen Filmstoff auf die Mattscheibe zu zaubern. Der 90 Minuten dauernde Beitrag wird über weite Strecken von der sehr charakterstarken und wandlungsfähigen Hauptdarstellerin Szyszkowitz getragen. Sie vermittelt glaubhaft das Leid der Protagonistin Vera.

Leider ist das Buch stellenweise zu sehr vorhersagbar. Dass die treu sorgende und zu jeder Uhrzeit verständnisvoll dreinblickende Nachbarin Melli (Mavie Hörbiger) Dreck am Stecken hat – nun ja, man kann es erahnen. Wie war doch gleich der Pakt zwischen Kurt und Melli?

Am Ende ist dann vielleicht alles doch wieder ein bisschen zu perfekt. Aber es ist ja auch nur ein Film.

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