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02.11.2014

Nationales Routing Telekom garantiert Nutzern Verbleib von E-Mails in Deutschland

„Wir haben das als eine politische Lösung in den Raum gestellt.“

Berlin – Telekom-Chef Tim Höttges garantiert Nutzern den Verbleib ihrer E-Mails in Deutschland. „Für unsere Privatnutzer in Deutschland haben wir das nationale Routing bereits umgesetzt“, sagte Höttges im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“. Sie könnten sicher sein, dass ihre E-Mails auf dem Weg von Bremen nach München nicht das Land verließen, wenn beide Nutzer bei der Telekom seien.

Höttges zeigte sich enttäuscht von der Reaktion auf seinen Vorschlag, Datenverkehr möglichst in Deutschland oder im Schengen-Raum zu routen. Die Telekom hatte den Vorschlag nach den Enthüllungen des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden gemacht. „Wir haben das als eine politische Lösung in den Raum gestellt“, sagte der Telekom-Chef.

Der Vorschlag habe bisher aber weder in der Politik noch bei den Unternehmen den Zuspruch gefunden, den er hätte haben können. „Das hängt in vielen Fällen auch mit den Kosten zusammen, die geringer sein können, wenn man Daten über das Ausland leitet, wo Leitungsüberkapazitäten bereitstehen.“

Trotzdem wolle er den Vorschlag nicht fallen lassen. „Aber wir zwingen niemanden in eine solche Lösung.“ Wenn Unternehmenskunden es wünschten, biete die Telekom ihnen an, dass ihre Daten nicht die Europäische Union verließen.

Die Gefahr, zum Ziel eines Hackerangriffes zu werden, nimmt nach Ansicht des Telekom-Chefs zu. „Allein weil die Digitalisierung und Vernetzung auch innerhalb der Industrie zugenommen hat, wird natürlich die Angriffsfläche größer“, sagte er.

Nach einer aktuellen Studie der Telekom sind 92 Prozent der Firmen in Deutschland bereits attackiert worden. „Wenn man sich die globale politische Entwicklung ansieht, sollten wir davon ausgehen, dass auch im Internet die Gefahr steigt“, sagte Höttges.

Der Telekom-Chef fordert die Verbraucher auf, sich aktiv im Internet zu schützen. „Viele Bürger resignieren, weil sie der Komplexität des Internets hilflos gegenüber stehen“, sagte er. Diese Überforderung führe häufig zu einer Verdrängung der Gefahren und zu einem Verzicht auf Schutz.

Zwar sorgten sich immer mehr Menschen um ihre Daten, trotzdem stimme jeder Zweite den Datenschutzbestimmungen von Online-Shops zu, ohne sie überhaupt gelesen zu haben. Hinterher wundere man sich dann, für was die Daten so alles verwertet werden könnten.

„Das gilt auch besonders für jüngere Nutzer, die zwar mit dem Internet aufgewachsen, aber dort eben oft noch keine mündigen Bürger sind.“ Das liege vor allem daran, dass die Regeln nicht ausreichend vermittelt würden. „Meistens sind die Eltern dazu auch gar nicht in der Lage, weil sie selbst neu in dieser Welt sind.“ Eine digitale Selbstbestimmung sei so kaum möglich.

Enttäuscht zeigte sich Höttges auch wegen des ausbleibenden Erfolges des Krypto-Handys, das die Telekom unter anderem für die Regierungsbehörden entwickelt hatte. „Wir hatten uns eine größere Nachfrage nach Verschlüsselungs-Handys erhofft“, sagte der Telekom-Chef. Letztlich entscheide aber der Kunde, ob er sie auch kaufe.

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