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Präsident tritt nach Protesten zurück

© AP, dapd

07.02.2012

Malediven Präsident tritt nach Protesten zurück

Regierung dementiert Berichte über Militärputsch.

Male – Der erste demokratisch gewählte Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, ist nach wochenlangen Protesten zurückgetreten. Er wolle die Probleme im Land nicht noch verschärfen und betrachte den Schritt daher als die beste Option, sagte Nasheed am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in einer im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache. Sein bisheriger Stellvertreter Mohammed Waheed Hassan übernahm offiziell die Amtsgeschäfte. Hassans Büro wies weitverbreitete Berichte zurück, wonach ein Militärputsch für den Rücktritt Nasheeds verantwortlich sei.

“Es war überhaupt kein Putsch, es war der Wunsch des Volks”, sagte Hassans Sprecher Ahmed Thoufeeg. Ein Berater Nasheeds wies ebenfalls Berichte zurück, wonach der Präsident unter Zwang des Militärs zurückgetreten sei. Nasheed habe die Option gehabt, ein blutiges Vorgehen des Militärs gegen abtrünnige Polizisten anzuordnen oder sein Amt aufzugeben, sagte der Berater.

Zuvor war es im Rahmen wochenlanger Proteste in dem bei Touristen beliebten Inselstaat zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Soldaten gekommen. Die Proteste wurden durch die Festnahme eines Richters ausgelöst, der die Freilassung eines prominenten Regierungskritikers angeordnet hatte. Hunderte Polizisten schlossen sich am Dienstag einer Demonstration in der Hauptstadt Male an, um gegen eine Anweisung zu protestieren, nicht länger für Sicherheit von Demonstranten zu sorgen.

Soldaten gingen schließlich mit Gummigeschossen gegen die Polizisten vor. Bei den Auseinandersetzungen wurden mindestens drei Menschen verletzt. Als Nasheed die demonstrierenden Polizisten besuchte, und sie zu einem Ende des Protests aufforderte, weigerten sich diese und forderten stattdessen seinen Rücktritt.

Nach der Rücktrittsankündigung des Präsidenten strömten jubelnde Bewohner des Inselstaats im Indischen Ozean auf die Straßen und schwenkten Flaggen.

Nasheed, ein früherer Menschenrechtsaktivist, hatte die Macht im Jahr 2008 nach den ersten freien Wahlen im Land übernommen. International bekannt wurde er vor allem durch sein Engagement im Kampf gegen den Klimawandel – als Inselstaat sind die Malediven mit etwa 300.000 Einwohnern in besonderem Maße von einem möglichen Anstieg des Meeresspiegels bedroht.

“Ich habe das Gefühl, dass mein Verbleiben an der Macht die Probleme nur verschärfen und unseren Bürgern schaden wird”, sagte Nasheed in seiner Fernsehansprache. “Also ist ein Rücktritt die beste Option, die ich habe.”

Der bisherige Vizepräsident Hassan war früher für UNICEF tätig und gilt als der erste Fernsehmoderator in der Geschichte der Malediven.

Urlauber, die als Kunden des Reiseveranstalters TUI in die Malediven reisen, waren nach Angaben des Unternehmens nicht von den Unruhen im Land betroffen. Es sei mit keinen Leistungseinschränkungen zu rechnen, sagte die TUI-Chefreiseleiterin Claudia Stepanek am Dienstag. Lediglich Ausflüge zum Einkaufen auf der Hauptstadtinsel Male seien vorsorglich ausgesetzt worden. Nach Angaben Stepaneks befinden sich derzeit etwa 850 deutsche TUI-Urlauber auf den Malediven.

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