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„Quatsch Comedy Club wird 20

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30.01.2012

Jubiläumsgala „Quatsch Comedy Club“ wird 20

„Keiner hat mehr ein schlechtes Gewissen, lustig zu sein.“

Berlin – “Sehr geehrter Herr Hermanns, nach dem ersten Abend bin ich der Meinung, dass er nicht mehr wiederholt werden sollte. Der Abend war von der Qualität her so weit entfernt von dem, was wir uns vorgestellt haben, dass wir an eine wesentliche Verbesserung auch nicht mehr glauben.” Mit diesem Schreiben vom 3. Februar 1992 warf der Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, Gerd Schlesselmann, den gerade gegründeten “Quatsch Comedy Club” (QCC) auch schon wieder raus. 20 Jahre später gibt es ihn trotzdem noch.

Der von Thomas Hermanns ins Leben gerufene QCC gilt inzwischen nicht nur als Deutschlands erfolgreichstes Stand-Up-Comedy-Format, sondern als Wurzel des hiesigen Comedy-Booms. Egal ob Mario Barth, Olli Dittrich, Michael Mittermeier, Ingo Appelt, Dieter Nuhr, Atze Schröder oder Cindy aus Marzahn: Sie alle traten hier auf – viele wurden dadurch erst bekannt. Am 1. Februar trifft sich die Crème de la Crème der deutschen Comedy-Szene zur großen Jubiläumsgala in der Berliner Max-Schmeling-Halle .

Dieser Erfolg war damals in Hamburg zunächst nicht abzusehen. “Eigentlich hat der Intendant recht gehabt. Wir waren natürlich beleidigt und verletzt, aber er hat uns in die richtige Richtung geschickt: auf die Reeperbahn”, sagt Hermanns. Die ersten Shows bezeichnet der 48-Jährige als “naiv”. Einzig Olli Dittrich habe schon damals als “Dittsche” überzeugen können: “Alle wussten, das wird mal ein Star.”

Dass Hermanns schon damals das richtige Gespür für Medienrummel hatte, bewies der gebürtige Bochumer, als beim “Quatsch” in der Kantine des Schauspielhauses plötzlich Brigitte Nielsen auftauchte. “Alle dachten, sie wäre eine Transe von der Reeperbahn”, erinnert sich der QCC-Gründer. Dorthin ging das “Quatsch”-Team schließlich auch nach dem Rausschmiss. Auf der Reeperbahn im Stadtteil St. Pauli fand es im “Mojo-Club” eine neue Spielstätte. Die heute bekannten Komiker Rainald Grebe, Rüdiger Hoffmann und Michael Mittermeier gaben hier ihre Debüts.

Wenige Jahre später zog der QCC weiter auf der Reeperbahn: In ein ehemaliges Pornokino – das “Imperial-Theater” – wo er bis zu seinem Umzug nach Berlin im Jahre 2002 blieb. Seit 1997 wurden die Aufführungen zudem vom Fernsehsender ProSieben ausgestrahlt und zogen damit “in jedes Wohnzimmer ein”, wie Hermanns meint. Besonderer Beliebtheit erfreute sich dabei die Kategorie “Das Fundstück der Woche”, in der Hermanns Absurditäten des Alltags präsentierte. Die meisten Zuschauerbriefe habe er zur “Urinella” bekommen: “eine kleine Papiertüte, die es der modernen Frau ermöglicht, im Stehen zu pinkeln”.

Mit dem Umzug in die “Kleine Revue” im Keller des Berliner Friedrichstadtpalastes wurde der QCC kommerzieller. Statt nur weniger Shows im Monat mit immer neuem Programm wie in Hamburg, gibt es hier 350 Shows pro Jahr. Die Live-Abende moderiert Hermanns nicht mehr selbst. Stattdessen gibt es einen Moderatoren-Pool, dem auch Oliver Pocher und “Super Richi” Matze Knop angehören. Darüber hinaus gibt es eine eigene Talentschmiede, die unter anderen Cindy aus Marzahn hervorgebracht hat. “Wir stellten uns die Frage: Wovon lebt man, wie rechnet sich das und wie kriegen wir das Bier verkauft”, sagt Hermanns, der mittlerweile einen zweiten Live-Club am Ursprungsort Hamburg betreibt.

Der “Quatsch” ist heute fester Bestandteil der deutschen Comedy-Szene, deren Stars mittlerweile Millionen verdienen können. “Keiner hat mehr ein schlechtes Gewissen, lustig zu sein”, sagt Hermanns und fügt hinzu: “Das ist, glaube ich, das, was wir geschafft haben.”

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