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09.07.2015

Griechenland-Krise Ex-EZB-Präsident Trichet gegen „Grexit“

Eine Destabilisierung Griechenlands könne weitreichende Folgen haben.

Frankfurt – Jean-Claude Trichet, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat vor einem „Grexit“ gewarnt. Eine Destabilisierung Griechenlands könne weitreichende Folgen haben, die etwa auch die Balkanstaaten beträfen: „Europa hat eine historische Verantwortung dafür, die Länder aus dem früheren kommunistischen Block fest zu verankern“, sagte Trichet im Gespräch mit der F.A.Z. (Freitagsausgabe).

Auch an die „kulturelle Nähe der Griechen zur Ukraine und Russland über die Verbindung der orthodoxen Religion“ sei zu denken. Zusätzlich verschärfe die geographische Nähe zum Nahen Osten und Nordafrika mit seinen Kriegen und Flüchtlingsströmen die Lage. Trichet spricht vom „Risiko einer geopolitischen Ansteckung“ – „dieses wird in Europa unterschätzt, nicht zuletzt in Deutschland“.

Die Ansteckungsgefahr durch Zinsanstiege und Spekulationen auf weitere Austritte hält der Franzose für begrenzt. „Doch es wäre naiv zu denken, dass sie gar nicht existiere“. In jedem Fall käme der „Grexit“ sehr teuer – nicht nur für die Griechen, die vor einem „schrecklich schmerzhaften Umbruch“ stünden: „Die Gläubiger müssten auf fast die Gesamtheit ihrer Schulden verzichten“, sagte der ehemalige Notenbankier.

Der 72 Jahre alte Franzose, der die EZB zwischen 2003 und 2011 leitete, kritisiert auch die griechische Regierung scharf: „Leider hat ihr Verhalten dafür gesorgt, dass viele europäische Länder praktisch kein Vertrauen mehr in diese Regierung haben“. Glaubwürdigkeit könne sie jetzt nur noch durch einen äußerst belastbaren Reformplan zurückgewinnen.

„Ein Plan, dessen Inhalt und dessen Umsetzungschancen vom Währungsfonds und den Europäern als glaubwürdig angesehen wird, ist die absolute Voraussetzung“. Andernfalls könnten die Griechen nicht im Euro bleiben. „Wenn bis zum Wochenende kein glaubwürdiger Plan auf dem Tisch liegt, ist ein `Grexit` sehr wahrscheinlich“.

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