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Tennis: Entertainer Djokovic mit ernsten Absichten

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15.01.2012

Tennis Tennis: Entertainer Djokovic mit ernsten Absichten

Weltranglisten-Erster startet mit drittem Sieg bei Australian Open weitere Saison der Superlative.

Melbourne – Schwer getroffen sank Novak Djokovic zu Boden. Der dominierende Tennisspieler des vergangenen Jahres lag auf dem Rücken und zeigte ein schmerzverzerrtes Gesicht. Ein Ball von Rafael Nadal hatte den Serben vermeintlich niedergestreckt, doch erste Hilfe nahte schnell: Mixed-Partnerin Kim Clijsters brachte Djokovic mit einer Herzmassage wieder auf die Beine. Alles nur Klamauk, die Zuschauer tobten. Showtime im Melbourne Park, zwei Tage vor Beginn der Australian Open.

Novak Djokovic hat viele Talente, und seine Fähigkeiten als Entertainer sind fast schon legendär. Spätestens seit einem Jahr aber weiß die Welt, dass der “Djoker” nicht nur in Sachen Unterhaltung die unumstrittene Nummer eins im Tenniszirkus ist, sondern auch dann, wenn es ernst wird.

Mit seinem zweiten Triumph nach 2008 beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres hatte Novak Djokovic eine geradezu unheimliche Siegesserie gestartet, die erst im Juni im Halbfinale der French Open gegen Roger Federer endete. Aber nur, um wieder aufgenommen zu werden: Djokovic gewann auch in Wimbledon und bei den US Open, sammelte insgesamt zehn Titel und löste Nadal als Weltranglisten-Ersten ab.

Lässt sich so eine Saison der Superlative wiederholen? Zwei Stunden nach seinem Auftritt als Komiker schlüpfte Novak Djokovic in ein schickes Sakko und in die Rolle des seriösen Musterprofis. Er sagte: “2011 war bislang das beste Jahr meiner Karriere. Es wird sicher schwierig, das noch einmal zu erreichen. Aber ich habe es einmal geschafft, warum also nicht auch noch ein zweites Mal? Nichts ist unmöglich. Ich denke immer positiv. Aber ich denke auch nicht weit über Australien hinaus. Mein Fokus ist auf dieses Turnier gerichtet.”

Das vor Selbstbewusstsein strotzende Statement muss in den Ohren der Konkurrenten wie eine Drohung geklungen haben. Zumal sich Djokovic ganz speziell und konzentriert für dieses erste große Kräftemessen des Jahres präpariert hat: Statt wie früher schon Turniere zu spielen, hat der 24-Jährige nur trainiert und bei einem Einladungsevent vor Silvester in Abu Dhabi gegen Roger Federer seine Frühform unter Beweis gestellt. “Ich hatte viel Zeit, um mich zu erholen und vorzubereiten”, sagte der Belgrader. Im zweiwöchigen Urlaub hatte er keinen Schläger in die Hand genommen.

Der Mann mit der vermeintlich unverwüstlichen Gesundheit hat seine Lehren daraus gezogen, dass am Ende einer kraftraubenden Saison sein Körper nicht mehr mitspielte, ihm die Schulter Probleme bereitete und er deshalb im November beim ATP World Masters in London zweimal verlor. Seine Erkenntnis: Pausen und ein reduziertes Turnierprogramm sind genauso wichtig wie harte Arbeit.

Das Ergebnis der aktiven Erholung und dem folgenden Grundlagentraining einschließlich Feintuning von Aufschlag und Volley in den vergangenen Wochen wird als Erster der Italiener Paolo Lorenzi zu spüren bekommen, Djokovics Auftaktgegner am Dienstag. Alles andere als ein Dreisatzsieg des Favoriten wäre eine Überraschung. Zumal der viermalige Grand-Slam-Sieger behauptete: “Ich fühle mich auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Ich bin physisch, mental und vom Spiel her topp.” Sein größtes Plus aber ist sein Selbstvertrauen. Der Brite Andy Murray sagte: “Er besitzt jetzt den Glauben an sich selbst.” Seit es Djokovic zum ersten Mal geschafft habe, Nadal zu besiegen, habe er keine Selbstzweifel mehr.

Der Serbe sieht die Basis für seine breitere Brust im Davis-Cup-Sieg 2010. Er ist stolz, für sein Vaterland anzutreten. Nicht zuletzt wegen der patriotischen Bedeutung räumt er Olympia in London in diesem Jahr genauso hohe Priorität ein wie den Major-Meetings. “Ich hatte die Ehre, mein Land 2008 in Peking repräsentieren zu dürfen. Es war eine Erfahrung wie keine zweite”, sagte der Bronzemedaillengewinner. In Wimbledon, wo er bereits weiß, wie man gewinnt, soll es drei Wochen nach der angestrebten Titelverteidigung möglichst Gold sein. Aber zuerst kommen die Australian Open.

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