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Durch die Hölle in den Handball-Himmel

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18.01.2012

Schweden Durch die Hölle in den Handball-Himmel

“Bei vielen ist jetzt der Knoten geplatzt” – Ein Punkt gegen Schweden reicht zum Weiterkommen.

Nis – Die Augenringe im Gesicht von Martin Heuberger waren fast verschwunden. Locker, sogar ein wenig gelöst ging es am Mittwoch im Mannschaftshotel der deutschen Handball-Nationalmannschaft zu. Am Vorabend hatte man sich von einer Last befreit. 24:23 (12:12) gegen Mazedonien, dem Druck getrotzt, den fanatischen Anhängern des Gegners sowieso. Durch den Sieg ist die Tür zur Hauptrunde der EM mehr als nur ein Stück weit offen. Am Donnerstag (18.15 Uhr) gegen Schweden reicht bereits ein Punkt. Auch von der Teilnahme an den Olympischen Spielen darf weiter geträumt werden.

“Jetzt wollen wir unbedingt gegen Schweden gewinnen. Ich bin mir sicher, dass bei vielen jetzt der Knoten geplatzt ist. Wenn wir so weitermachen, werden wir noch viel Spaß in diesem Turnier haben”, sagte Abwehrchef Oliver Roggisch und schien schon wieder von himmlischen Sphären zu träumen. Gegen Mazedonien war man durch die Hölle gegangen. Mehr als 3.500 fanatische Fans in der 4.000 Zuschauer fassenden Halle von Nis hatten versucht, den Außenseiter zum Sieg zu peitschen. Fast jedes Mittel war recht.

Speichelflug in Richtung des deutschen Mannschaftsbusses, ständige Schmähungen, Wurfattacken mit Münzen und Feuerzeugen: Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), von der man nach dem enttäuschendem 24:27 zum Auftakt gegen Tschechien nur wenig Nervenstärke erwarten konnte, hielt allem stand. Es war kein glanzvoller Sieg. Es war ein Kraftakt. Heubergers Mannen absolvierten den Charaktertest mit Bravour.

Die Mazedonier entpuppten sich am Ende auch noch als schlechte Verlierer und legten Protest gegen das Ergebnis ein. Sie hatten den letzten Wurf ihres Stars Kiril Lazarov hinter der Linie gesehen. Die Europäische Handballföderation (EHF) ließ sich auf das Spielchen jedoch nicht ein und lehnte das Anliegen der Osteuropäer ab. An Heuberger war dies ohnehin abgetropft. Er schaute nur auf sein Team.

“Die Mannschaft hat sich mit einer ordentlichen Leistung aus dem Sumpf gezogen. Das war sehr gut für das Selbstbewusstsein. Gegen Schweden heißt es aber wieder: Neues Spiel, neues Glück”, sagte der Bundestrainer und wollte Euphorie gar nicht erst aufkommen lassen: “Unser Anspruch ist es jetzt nicht, Europameister zu werden. Wir müssen kleinere Brötchen backen und uns sukzessive steigern.”

Gegen Schweden wird eine weitere Verbesserung auch nötig sein. Der WM-Vierte ist zwar bereits für die Hauptrunde qualifiziert, möchte aber so viele Punkte wie möglich mitnehmen. “Das wollen wir aber auch”, sagt Roggisch. Nur die Zähler, die ein Team gegen ebenfalls für die Fortsetzung des Turniers in Belgrad qualifizierte Kontrahenten eingefahren hat, haben weiter Bestand. Sollte Deutschland Schweden schlagen und auch Mazedonien in die Hauptrunde einziehen, wäre für das DHB-Team sogar noch die Maximalausbeute von 4:0-Zählern möglich.

Bei einer Niederlage gegen Schweden droht aber weiterhin das EM-Aus. Dies hätte verheerende Folgen: Der Traum, noch eines der zwei verbliebenen Tickets für die olympischen Qualifikationsturniere im kommenden April zu ergattern, wäre endgültig geplatzt. Heuberger will sich an derartigen Rechenspielen nicht beteiligen. “Wir wollen gewinnen. Alles andere ist unbedeutend”, sagte der Bundestrainer, der mit seinen personellen Entscheidungen gegen Mazedonien Mut und ein glückliches Händchen bewiesen hatte.

Kapitän Pascal Hens spielte nicht eine Minute und wurde von Lars Kaufmann vertreten. Heuberger wollte einen körperlich starken Spieler mehr in der Defensive aufbieten und wurde belohnt. Kaufmann hielt dagegen und war mit sechs Treffern auch noch bester deutscher Schütze. Von einer Degradierung von Hens wollte aber niemand etwas wissen. Auch der Betroffene selbst stellte sich voll in den Dienst der Mannschaft und unterstützte seine Kollegen leidenschaftlich von der Seitenlinie aus. “Wenn wir jetzt jedes Spiel gewinnen, setze ich mich immer 60 Minuten auf die Bank”, sagte Hens.

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