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Der Ruf der Rechtsextremisten in Zeiten der Krise

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30.04.2012

Griechenland Der Ruf der Rechtsextremisten in Zeiten der Krise

Griechische Partei Goldene Morgendämmerung gewinnt vor Parlamentswahl an Zulauf.

Athen – Die Finanzkrise hat viele Griechen um Lohn und Rente gebracht. In Scharen wenden sich die Wähler von den großen Volksparteien ab, von denen sie sich verraten und verkauft fühlen. Mit dumpfen Parolen und dem Versprechen einfacher Lösungen gehen die Rechten kurz vor der Parlamentswahl in Griechenland auf Stimmenfang.

Abgeordnete der rechtsextremen Partei Goldene Morgendämmerung könnten bei der Wahl am 6. Mai Sitze im Parlament erlangen. Ganz in schwarz gekleidete Parteimitglieder fahren durch die Lande, stoppen in Cafés und Läden, verteilen Flyer. Sie versprechen, mit Kriminellen und Migranten fertigzuwerden.

Die Grenze des Landes solle vermint werden, um der illegalen Einwanderung Herr zu werden, fordern die Rechten. 90 Prozent der Einwanderer kommen über Griechenland in die Europäische Union. Nach Behördenschätzungen lebt in Griechenland eine Million Einwanderer ohne Papiere, bei einer Gesamteinwohnerzahl von elf Millionen Griechen.

In der Parteizentrale im Zentrum Athens herrscht reges Treiben. Neue Mitglieder besuchen das Hauptquartier. Die Mitgliederliste wächst von Tag zu Tag. Im hinteren Teil der Zentrale stehen T-Shirts und Kappen zum Verkauf, darauf das Logo der Partei: Teil eines altgriechischer Mäanders, das sich oft auf antiken Keramiken und Wandbemalungen wiederfindet. Als Teil des Logos der Partei ähnelt es einem Hakenkreuz.

Die Anhänger der Goldenen Morgendämmerung sammeln Lebensmittel- und Kleiderspenden, um sie an sozial Benachteiligte zu verteilen. Die Partei verspricht, die für die Krise verantwortlichen Politiker zur Rechenschaft zu ziehen. „Die Goldene Morgendämmerung stellt sich gegen das korrupte Machtsystem. All jene, die für die Verschwendung von öffentlichen Geldern verantwortlich sind, müssen ins Gefängnis. Das ist unsere Priorität“, sagt das 31-jährige Parteimitglied Ilias Kasidiaris, der bei einer Spezialeinheit der griechischen Streitkräfte diente.

Seit 20 Jahren existiert die Partei. 2009 erzielte die Goldene Morgendämmerung gerade einmal 0,23 Prozent der Stimmen. Nun könnte die Partei die für den Einzug ins Parlament nötige Drei-Prozent-Hürde nehmen. Nach Umfragen könnte sie sogar bis zu fünf Prozent erlangen.

„Wir sind sehr besorgt“, sagt Javed Aslam, Vorsitzender der pakistanischen Gemeinde in Griechenland, während einer Demonstration gegen Rassismus. „Es ist schlimm. Man muss sie sich wie eine Art bewaffnete Partei vorstellen, mit Messern auf den Straßen. Das soll Politik sein?“, fragt Aslam.

Mitglieder der Partei wurden in der Vergangenheit für Angriffe auf Migranten verantwortlich gemacht. Fragen nach Gewalt weichen die Funktionäre aus. Von solchen Vorfällen wüssten sie nichts. „Wir schützen die Griechen“, sagt Epaminondas Anyfantis, ein freundlicher 59-jähriger Parteikandidat. Er wirkt wie die Antithese zu den zumeist jungen Parteisoldaten mit den rasierten Köpfen.

Die Rechtsextremisten profitieren von der misslichen sozialen Lage im Land. Teile der griechischen Innenstädte verwahrlosen. Offener Drogenmissbrauch, Raubüberfälle und Einbrüche sind an der Tagesordnung. Viele Bürger haben das Vertrauen in die Polizei verloren. Giorgos Vardzis, der in dem kleinen Küstenort Artemida lebt, hat sich für den Notfall die Nummer der Goldenen Morgendämmerung notiert. „Wen sollte ich denn rufen? Die Polizei? Wenn man die Polizei ruft, kommen sie erst, wenn man tot ist.“

Der Parteivorsitzende der Goldenen Morgendämmerung, Nikolas Mihaloliakos, gewann 2010 einen Sitz im Athener Stadtrat und schockierte, als er auf der ersten Sitzung dem Arm zum Faschistengruß hob. Als Neonazis verstehen sich die Parteigänger nicht. Ihrer Väter hätten im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis gekämpft, heiß es aus ihren Reihen. „Wir sind griechische Nationalisten, nicht mehr und nicht weniger“, sagt Parteimitglied Kasidiaris.

Dennoch machen sie keinen Hehl aus ihrer Bewunderung für die Politik der Nazis. Hitler habe in Deutschland die Arbeitslosigkeit abgeschafft. Bei Fackelumzügen der Partei heben sie die Arme zum Gruß und rufen nationalistische Parolen. Viele Griechen sind über den Zulauf für die Partei besorgt. Die Erinnerung an die Diktatur des rechten Militärs von 1967 bis 1974 ist immer noch lebendig.

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