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Angelique Kerber gut wie nie

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13.02.2012

Tennis Angelique Kerber gut wie nie

Petkovic schickt “Glückwunsch an den Süßknopf” – Manchmal hilft nur ein Tritt in den Hintern.

Paris/Hamburg – Die Tennistasche war schnell gepackt, der eigenwillige Pokal verstaut und der sechsstellige Siegerscheck sicher verwahrt. Viel Zeit zum Feiern blieb Angelique Kerber nicht nach ihrem ersten Turniersieg in Paris, den ihr Lokalmatadorin Marion Bartoli über zweieinhalb Stunden streitig machen wollte. Schließlich stand die Limousine schon bereit, die sie zum Flieger nach Doha bringen sollte. Ein paar Interviews noch in der Halle und mit dem plötzlich aufgeschreckten norddeutschen Fernsehen – und schon saß sie am Airport. Zu früh, denn der Flieger hatte drei Stunden Verspätung.

“Geschenkte Zeit”, die sie mit ihrer Freundin Anna-Lena Grönefeld verbrachte. Die Nordhornerin hatte in Paris das Doppelfinale verloren und anschließend mitgefiebert, als Kerber sich anschickte, erstmals im zweiten Anlauf ein Finale auf der WTA-Tour zu gewinnen. “Marion war der Favorit. Ich hatte nichts zu verlieren und habe gekämpft. Es hat funktioniert”, sagte die 24-Jährige nach ihrem 7:6 (7:3), 5:7, 6:3-Erfolg. Am Montag wurde sie erstmals auf Platz 22 der Weltrangliste notiert, so gut wie noch nie.

Rittner: “Kompliment, ein Super-Turnier”

Siebenmal stand sie bei den letzten elf Turnieren im Halbfinale – und jetzt der erste Triumph, der mit 107.000 Dollar honoriert wurde. Und natürlich wurden die Vergleiche mit Steffi Graf, die 1995 letzte Deutsche Siegerin war, wieder aus der großen Erfolgskiste geholt, als Kerbers Name in die Siegerliste eingetragen wurde.

“Ich kann es nicht fassen, dass es endlich geklappt hat”, sagte die Kielerin, die hart gearbeitet hat für dieses Ziel. Stundenlang hat sie in der Winterpause im Offenbacher Camp der früheren Davis-Cup-Spieler Rainer Schüttler und Alexander Waske geschuftet. “Das hat sich gelohnt. Sie ist topfit, hat großes Selbstvertrauen und zeigt jetzt auch die nötige Konstanz. Kompliment, das war ein Super-Turnier”, sagte Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner.

Knüppelhartes Training und Tipps von Petkovic

Der Wechsel nach Offenbach hat sich gelohnt. Vorbei sind die Zeiten, in denen Kerber ängstlich spielte und fast störrisch auf Kritik reagierte. Sie ist erwachsener, selbstständiger geworden. Und daran hat auch die zurzeit verletzte Andrea Petkovic (Ermüdungsbruch) ihren Anteil, die sofort eine SMS schickte und einen “Glückwunsch an den Süßknopf” twitterte. Die Freundinnen puschen sich – und “treten sich auch schon mal in den Hintern”, erzählte Rittner.

Rückschläge werfen Kerber nicht mehr aus der Bahn. So war es auch gegen Bartoli, als sie sich beim 5:2 im zweiten Satz anschickte, den Sack endgültig zuzumachen. “Doch dann hat Marion sehr gut gespielt und ich bin sehr nervös geworden”, sagte Kerber. Abschreiben muss man sie in solchen Momenten freilich nicht mehr. “Ich habe gekämpft und bin zurückgekommen im dritten Satz. Jetzt bin ich happy, dass es geklappt hat.”

Shoot-out mit Lisicki in Doha

“Angie hat eine klasse Wandlung vollzogen”, sagte Rittner: “Dass der Knoten geplatzt ist, hat sie ja schon mit dem Halbfinale bei den US Open gezeigt.” Im Fed Cup gegen Tschechien durfte Kerber trotzdem erst am zweiten Spieltag ran, als gegen den Titelverteidiger schon nichts mehr zu retten war. “Jetzt werden die Karten neu gemischt”, kündigte Rittner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd an. Einen ersten Shoot-out wird es schon in Doha geben, wenn Kerber in der ersten Runde auf Wimbledon-Halbfinalistin Sabine Lisicki trifft. Völlig offen, wer dann die Tennistasche packt.

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