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Urheberrechtsstreit „Mein Kampf“ bleibt ein „unlesbares Buch“

“Zeitungszeugen” macht Hitler-Zitate unkenntlich.

Berlin – Der Titel ist Programm: “Das unlesbare Buch” steht auf dem blauen Heftchen mit dem Konterfei Adolf Hitlers, das am Donnerstag als Beilage zur jüngsten “Zeitungszeugen”-Ausgabe erschienen ist. Und tatsächlich sind die Originalpassagen aus Hitlers Hetzschrift “Mein Kampf”, die in der Broschüre neben den Kommentaren eines Medienexperten gedruckt werden sollten, nicht zu entziffern. Die Textausschnitte sind verschwommen, darüber prangt ein fettgedrucktes “unlesbar”.

Der britische Verleger Peter McGee hatte im Urheberrechtsstreit mit dem Freistaat Bayern eingelenkt und noch vor dem Urteil des Landgerichts München erklärt, die Hitler-Zitate würden unleserlich gemacht. “Der Herausgeber hat sich dazu entschlossen, die Originalauszüge von ‘Mein Kampf’ vollständig unlesbar zu machen, bis alle moralischen, politischen und rechtlichen Argumente dazu ausgetauscht und diskutiert wurden”, heißt es im Vorwort der Broschüre.

In dem 16-seitigen Heft sind lediglich die Erläuterungen des Medienwissenschaftlers Horst Pöttker zu den autobiografischen Kapiteln des Buches zu lesen. In diesen Anmerkungen werden nur einzelne Sätze aus “Mein Kampf” zitiert.

Das bayerische Finanzministerium hatte am Mittwoch unter Verweis auf die Urheberrechte beim Landgericht München einen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz gestellt. Der Freistaat Bayern ist Rechtsnachfolger des 1945 verbotenen Eher-Verlags in München und besitzt noch bis 2015 die Urheberrechte an “Mein Kampf”. McGees Verlag kündigte an, Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Münchner Gerichts einzulegen.

Bereits 2009 hatte sich der “Zeitungszeugen”-Verlag eine Auseinandersetzung mit dem Freistaat Bayern geliefert. Damals ging es um einen Nachdruck der NSDAP-Parteizeitung “Völkischer Beobachter”. Die Auflage wurde zunächst bundesweit konfisziert, das Landgericht hob dieses Urteil später aber wieder auf.

An den Kiosken und in den Buchhandlungen sorgte die neue Ausgabe der “Zeitungszeugen” mit der umstrittenen Beilage zunächst für wenig Aufregung. Von einen großen Andrang sei noch nichts zu spüren, sagte der Verkäufer eines Buch- und Zeitschriftenladens im Berliner Hauptbahnhof. Ähnlich verhielt es sich bei Braunschweigs größter Buchhandlung Graff. Bereits die vergangene Ausgabe habe sich gut verkauft, ein deutlicher Zuwachs sei aber nicht zu erwarten, weil die Originalpassagen ohnehin unleserlich gemacht worden seien, sagte ein Sprecher.

Der Besitzer eines türkischen Zeitungskiosks in Braunschweig hoffte hingegen auf zahlreiche Käufer. Die Aufmachung sei ein Hingucker, sagte der Händler, der das Blatt gut sichtbar auf dem Verkaufstisch präsentierte.

Die Kioskverkäuferin Sanya Polzer im Münchner Hauptbahnhof hatte von den juristischen Streitigkeiten gar nichts mitbekommen. “Heute wurden noch keine Exemplare von den ‘Zeitungszeugen’ verkauft”, sagte die 21-Jährige. Kundin Sigrid Maier hatte zwar kein Interesse an der Zeitschrift, reagierte aber gelassen: “Warum sollten die Zitate nicht veröffentlicht werden? Es ist doch besser, wenn man weiß, woher die Zitate kommen. Man unterdrückt mit Verboten gar nichts.”

Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch zeigte sich unterdessen offen für eine “historisch-kritische Edition” von Hitlers “Mein Kampf”. “Es besteht die Gefahr, dass Scharlatane und Neonazis sich dieses Schandwerks bemächtigen, wenn das Urheberrecht des Freistaats Bayern 2015 ausläuft”, sagte der FDP-Politiker. Deshalb müsse eine wissenschaftlich fundierte und kritische Edition erscheinen, die völlig kommerz- und ideologiefrei sei. Das international anerkannte Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München könne und werde dies bewerkstelligen.

26.01.2012 © dapd / newsburger.de

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