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Eine-Frau-in-Berlin-Ausgabe von 1959
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Studie Historikerin zweifelt an Authentizität der „Anonyma“-Tagebücher

Tagebücher bestehen nur zu 35% aus Aufzeichnungen aus dem Frühjahr 1945.

Berlin – Der Bestseller „Anonyma – Eine Frau in Berlin“ über die Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Rotarmisten im Jahr 1945 soll laut einer neuen Studie in großen Teilen nicht vollständig authentisch sein. Das will die Historikerin Yuliya von Saal nach Sichtung der Originalmanuskripte festgestellt haben, schreibt der „Spiegel“.

Die 2003 von Hans Magnus Enzensberger wiederveröffentlichten Tagebücher bestehen laut Recherchen der Wissenschaftlerin des Münchner Instituts für Zeitgeschichte nur zu 35 Prozent aus Aufzeichnungen aus dem Frühjahr 1945. Ein größerer Teil soll demnach von der „Anonyma“-Autorin, der Journalistin Marta Hillers, erst in den Fünfzigerjahren hinzugefügt worden sein.

Hillers selbst war in den ersten Wochen nach Kriegsende immer wieder vergewaltigt worden. Zu den nachträglich aufgenommenen Passagen zählen laut der Studie vor allem persönliche Reflexionen über den politischen Zusammenbruch des NS-Regimes, den Umgang mit den sowjetischen Soldaten und den Alltag im kriegszerstörten Berlin.

Nach Ansicht der Historikerin hat die „Anonyma“-Autorin den Originaltext in vielen Details verändert oder zugespitzt. Bemerkungen etwa, die ihre Distanz zum Nationalsozialismus dokumentieren sollten, sollen erst für die erste Buchveröffentlichung in den 1950er Jahren eingefügt worden sein.

Die Studie von Yuliya von Saal wird in der kommenden Ausgabe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte (67/2019) erscheinen. Die Tagebuchaufzeichnungen sollen den Zeitraum vom 20. April bis 22. Juni 1945 dokumentieren.

Die Erstauflage traf 1959 in Deutschland auf heftige Ablehnung und der Autorin wurde vorgeworfen, sie hätte „die Ehre der deutschen Frau beschmutzt“, das Buch sei eine „Schande für die deutsche Frau“. Von den empörten Äußerungen und feindseligen Reaktionen überrascht, untersagte die Autorin jede weitere Veröffentlichung bis zu ihrem Tode und lehnte auch für die Zeit danach die Nennung ihres Namens ab.

2003, zwei Jahre nach ihrem Tod, wurde das Buch wiederaufgelegt und gehörte zu den größten deutschen Bucherfolgen des Jahres. Es stand mehrere Monate auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in allen führenden Feuilletons besprochen – meistens positiv.

Der Journalist Jens Bisky, der die Identität der „Anonyma“ ebenfalls 2003 öffentlich machte, hatte auch damals schon Zweifel an der Authentizität geäußert.

21.06.2019 © dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

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