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Bücher aus der Wolke

© dapd

23.01.2012

Literatur Bücher aus der Wolke

Experten sehen Cloud Reading als weitere Entwicklung des E-Book-Geschäfts.

Berlin – Über der Musikindustrie schwebt die Wolke schon seit einiger Zeit. Die Branche hatte als erste mit sämtlichen Entwicklungen zu kämpfen, die unter dem Stichwort Digitalisierung zusammengefasst werden. Mit der zunehmenden Verbreitung des E-Books kommen nun auch deutliche Veränderungen auf die Buchbranche zu. Und auch die sogenannte Cloud (deutsch: Wolke), die es möglich macht, Daten auf Server auszulagern und von überall abzurufen, wird zum Thema in den Verlagshäusern.

Während die Musikindustrie längst tief in den Debatten über Geschäftsmodelle für die Cloud steckt, steht die Buchbranche nach Ansicht von Experten noch am Anfang. Trotz des dicken Wachstums im Weihnachtsgeschäft setzt sich das E-Book in Deutschland nur langsam durch. Von Marktanteilen wie in den USA können Verlagshäuser hierzulande vorerst nur träumen. Kritiker monieren, dass es zu lange kein gut abgestimmtes System von E-Reader und E-Books gegeben habe.

Der deutsche Markt werde 2012 jedoch ein “dramatisches Wachstum” erleben, sagt Thomas Leliveld vom Unternehmen txtr im dapd-Interview voraus. txtr vertreibt E-Books und bietet eine Lese-Anwendung für verschiedene mobile Endgeräte an.

Streaming-Angebote wie Spotify in der Musikindustrie wird es für Bücher nach Ansicht von Leliveld nicht so schnell geben: Die Verlage hätten Angst vor Piraterie. Neue Geschäftsmodelle kämen aber automatisch und müssten getestet werden. In Japan sei es bereits beliebt, Bücher wie eine Soap-Opera kapitelweise zu streamen. So etwas werde in Deutschland zwar noch etwas auf sich warten lassen: “Aber es muss nur ein Verlag damit anfangen und erfolgreich sein.”

Noch ist in Deutschland das klassische System das erfolgreichste: Der Leser sucht sich ein Buch aus und kauft es als Download. “Wenn man jetzt schon zu einem anderen Geschäftsmodell springen würde, würde das nicht dazu beitragen, den deutschen Markt rasch zu vergrößern”, sagt Leliveld. Zunächst müssten sich E-Reader – die für rund 100 Euro zu haben sind – weiter verbreiten. Auch die Zahl der verfügbaren E-Books in Deutschland müsse sich noch vergrößern.

Der Cheflektor bei Bastei Entertainment, dem ersten deutschen Verlag mit Lektorat für digitale Produktionen, Jan Wielpütz, hält ein “geschlossenes System” mit Lesegerät und Lesestoff aus einem Haus für die Nutzer am attraktivsten – wie es etwa Amazon mit dem Kindle bietet. Man müsse mit dem E-Reader an jedem Ort der Welt jederzeit ein Buch downloaden können, ohne dazu einen Computer zu benötigen.

“Da kommt dann die Cloud-Technik als nächster Schritt ins Spiel”, sagt Wielpütz. “Der Nutzer will seine Inhalte auf möglichst vielen Endgeräten lesen” – nicht nur auf dem E-Reader oder Tablet-PC, sondern auch auf dem Smartphone. Wann der Konsument für diese Art des Lesens tatsächlich bereit ist, mag Wielpütz nicht vorhersagen. Erst müsse sich ein verbindlicher technischer Standard durchsetzen. In den USA werde bereits mit Flatrates experimentiert.

Eine große Zukunft prognostiziert der Experte dem sogenannten Social Reading und entsprechenden Communities – wie es sie etwa mit LovelyBooks und Readmill bereits gibt. “Man kann im E-Book Stellen markieren, einen Kommentar schreiben und sich mit anderen Lesern in sozialen Netzwerken austauschen: Was lese ich, was mag ich, was sind meine Geheimtipps.” Ein solcher Austausch in Communities könnte künftig die Empfehlungen des Buchhändlers ersetzen.

“Der Markt ist schnell und jung”, betont Wielpütz. Große Verlage und zahlreiche Start-Ups feilen an Vertriebsplattformen, Geschäftsmodellen, E-Book-Ausleihsystemen für Bibliotheken. Noch lässt sich mit dem digitalen Geschäft nicht viel Geld verdienen, zu klein ist der Markt noch. Experten sehen den Ausbau aber einhellig als “wichtige Investition in die Zukunft”.

Welche Krise drohen kann, wenn man den Einstieg verpasst, hat die Musikindustrie vorgeführt. Und so warnt Wielpütz auch davor, die Fehler der Musikbranche zu wiederholen und etwa durch Kopierschutz zu verhindern, dass nicht alle E-Books auf allen E-Readern laufen. “Das kann kritisch werden, weil es den Nutzer verärgert.”

Obwohl die meisten E-Books günstiger als Hardcover-Bücher sind, rechnet Wielpütz langfristig mit mehr Gewinn, weil die Leser durch Spontankäufe möglicherweise mehr konsumierten. Jederzeit an jedem Ort der Welt ein Buch kaufen zu können – “das verführt”, sagt er. Ihm zufolge wird sich der Leser künftig zwar noch Bücher kaufen, “die man sich gern ins Regel stellt”, aber die unzähligen Werke, die man in der Regel nur einmal im Leben liest, digital erwerben.

Nach Einschätzung des Buchhandels wird Cloud Reading auch Lesegewohnheiten ändern. “Ungeplante Wartezeiten könnten mit einem Zugriff auf das aktuelle E-Book eines Lesers via Smartphone überbrückt werden. Wenn dieser dann zu Hause sein Tablet oder E-Book-Lesegerät in die Hand nimmt, ist automatisch das elektronische Lesezeichen aktualisiert, und er kann an der richtigen Stelle im Buch weiterlesen”, erklärt der Arbeitskreis Elektronisches Publizieren im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Langfristig werde es nicht mehr um den Besitz eines E-Books, sondern um den elektronischen Zugang zum Buch gehen.

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