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Feuilleton Günter Grass verteidigt israelkritisches Gedicht

Lyrik als zündendes Element für Entstehung epischer Werke.

Berlin – Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat sein vor knapp einem Jahr veröffentlichtes israelkritisches Gedicht „Was gesagt werden muss“ verteidigt. Das Schlimmste, was man Israel und den dort lebenden Menschen antun könne, sei es, das Land zu schonen und ihm Kritik zu ersparen, sagte der 85-Jährige am Montagabend bei einer Lesung im Theater Berliner Ensemble. Man müsse die Missstände beim Namen nennen, betonte er. Das im April 2012 erschienene Gedicht hatte heftigen Wirbel verursacht, Israel hatte Grass sogar Einreiseverbot erteilt.

Die Kritik des Antisemitismus habe ihn sehr verletzt, sagte der Schriftsteller. Er wisse nicht, was für ihn schlimmer gewesen sei – ausgesprochene Kritik oder die Tatsache, dass viele, „die es besser wissen müssten“, geschwiegen hätten, betonte er. Im BE trug er ein weiteres israelkritisches Gedicht vor, das im vergangenen Jahr in seinem Buch „Eintagsfliegen“ erschienen ist: „Ein Held unserer Tage“, eine Hommage an den israelischen Atomexperten Mordechai Vanunu, der in den 1980er Jahren Einzelheiten des israelischen Nuklearprogramms veröffentlicht hatte und deshalb zu mehrjähriger Haft verurteilt worden war.

Grass las Gedichte aus sechs Jahrzehnten vor. Erste zündende Ideen für sein episches Werk habe er dort häufig in diesen Texten gefunden, sagte er. „Die Lyrik gibt oft den Anstoß zu dem einen oder anderen.“ Grass‘ erstes Buch war ein Lyrikband – „Die Vorzüge der Windhühner“ erschien 1956, drei Jahre vor dem Erfolg des Romans „Die Blechtrommel“, für den Grass 1999 den Literaturnobelpreis bekam. Seitdem veröffentlichte der Autor rund 600 Gedichte; „es kommen vielleicht noch ein paar mehr dazu“, scherzte er bei der Veranstaltung im BE.

19.02.2013 © dapd / newsburger.de

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