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Dänische Tragödie endet vor Potsdamer Gericht

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21.02.2012

Feuertod im Auto Dänische Tragödie endet vor Potsdamer Gericht

Vater wegen Tötung seiner beiden im Auto verbrannten Kinder angeklagt.

Potsdam – Ein Vater aus Dänemark fährt mit seinen beiden Töchtern nach Brandenburg – dort passiert das Unfassbare: Die neun und zehn Jahre alten Mädchen verbrennen bei lebendigem Leib in seinem Auto bei Nauen unweit von Berlin. Sechs Monate nach dem tragischen Vorfall muss sich der Vater der Kinder seit Dienstag vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Die Vorwürfe in der Anklageschrift wiegen schwer. Sie lauten auf zweifachen Mord.

Als sich die Tür zum Verhandlungssaal öffnet und der 40 Jahre alte Angeklagte eintritt, prasselt das Blitzlichtgewitter der Pressefotografen auf ihn nieder. Er versteckt sein Gesicht hinter einem weißen Blatt Papier. Seine Hände zittern. Kameras sind auf den mittelgroßen, eher unscheinbaren Mann in grüner Jacke gerichtet, sein Anwalt stellt sich schützend vor ihn.

Der seit Ende August 2011 in Untersuchungshaft in Brandenburg/Havel sitzende Peter-Thue R. soll seine Kinder zunächst mit einem Schlafmittel betäubt, im Auto angeschnallt und es in einem Wald bei Nauen (Havelland) angezündet haben. Er habe befürchtet, die Mädchen würden ihm im Zuge eines Sorgerechtsstreits “entfremdet”, sagt Staatsanwalt Peter Petersen bei der Verlesung der Anklageschrift zum Motiv. R. soll seiner geschiedenen Frau die beiden Töchter nicht gegönnt haben.

Nachdem sich das Paar vor mehr als zwei Jahren getrennt hatte, habe zunächst der angeklagte Landwirt die Kinder zugesprochen bekommen, sagt Verteidiger Thomas Arndt am Rande des Prozesses. Dann habe es immer wieder Probleme zwischen dem Angeklagten und seiner Ex-Frau gegeben, unter anderem bei Absprachen. Einige Wochen vor dem Feuertod der Mädchen habe schließlich ein dänisches Amt entschieden, dass die Kinder bei der Mutter leben sollen.

“Er räumt ein, den Tod seiner Töchter verursacht zu haben”, sagt Arndt nach dem Prozessauftakt. “Er bedauert die Tat.” Sein Mandant habe zunächst vorgehabt, sich gemeinsam mit den Kindern im Auto umzubringen, aber sein “Überlebensinstinkt” sei größer gewesen. Deshalb sei er aus dem Auto wieder ausgestiegen, nachdem er es angezündet hatte. Die Mädchen starben an den Folgen einer Rauchgasvergiftung und Verbrennungen vierten Grades. Direkt nach dem tragischen Tod seiner Töchter hatte der Angeklagte noch von einem Unfall gesprochen.

Der Angeklagte, der neben seinem Anwalt und einer Übersetzerin sitzt, wird am ersten Prozesstag noch nicht zu den Vorwürfen befragt. Wegen Krankheit einer beisitzenden Richterin wird die Verhandlung beendet – am 1. März soll sie mit der Vernehmung des Angeklagten fortgeführt werden. R. kündigt an, sich dann äußern zu wollen. Die Schuldfähigkeit des Angeklagten sei durch ein psychologisches Gutachten, das inzwischen vorliege, bestätigt, sagt sein Verteidiger.

Die Mutter der verbrannten Kinder tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf. Der Stuhl neben ihrem Anwalt Matthias Schöneburg bleibt allerdings leer. “Momentan hat sie die Kraft nicht”, sagt der Anwalt. Sie werde voraussichtlich am 22. März als Zeugin aussagen.

Die Medienresonanz auf den tragischen Fall ist groß – nicht nur in Deutschland. Zahlreiche Journalisten aus Dänemark sind nach Potsdam gereist. “Das ist eine große Sache bei uns”, sagt ein Journalist einer Kopenhagener Tageszeitung. “Wir hatten in Dänemark eine Welle von Fällen, in denen Väter ihre Kinder im Zusammenhang von Scheidung umgebracht haben – die Öffentlichkeit ist sehr sensibilisiert.” Für den Prozess sind 14 Verhandlungstage bis zum 31. Mai angesetzt.

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