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Mutterglück statt Verbissenheit: Die neue Amelie Kober

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29.01.2012

Weltcup Mutterglück statt Verbissenheit: Die neue Amelie Kober

Locker und gelöst fährt die Snowboarderin zum zweiten Weltcupsieg am Sudelfeld.

Bayrischzell – So entspannt, so gelöst, so glücklich hat man Amelie Kober lange nicht gesehen. Nachdem sie sich im Finale des Heimweltcups in Bayrischzell am Samstag im dichten Nebel gegen die Österreicherin Marion Kreiner durchgesetzt hatte, gab es kein Halten mehr. Übermütig tanzte die 24-Jährige im Schnee und holte sich ein Küsschen von Sohn Lorenz ab. “Ich bin stolz auf mich”, sagte die Olympiazweite von Turin und sprach von einem “ganz besonderen Sieg”.

Kober hatte vor ihrer Haustür den deutschen Snowboardern nicht nur den ersten Triumph des Winters beschert, sondern auch den ersten Weltcup-Erfolg seit ihrer Babypause gefeiert. “Der Tag hat sehr holprig begonnen, sich aber noch zum Guten gewendet”, sagte die Fischbachauerin strahlend. Nach einem Sturz in der Qualifikation war sie nur als Achte in die Ausscheidungsläufe eingezogen. Dann aber kam Kober in Schwung und verbesserte sich auch im Gesamtweltcup mit 3.680 Punkten auf Platz zwei hinter der Schweizerin Patricia Kummer (3.840).

Mama Amelie ist nicht nur auf der Piste viel lockerer und cooler als früher – das Mutterglück hat ihr die frühere Verbissenheit genommen. Bestes Beispiel: Die Tanzeinlage nach dem Zieleinlauf. “So habe ich sie noch nie gesehen. Aber Amelie ist immer für Überraschungen gut”, sagte Stefan Knirsch, Sportdirektor des Snowboard Verbandes Deutschland (SVD). Kober selbst stellte klar, dass ihr Freudentanz keine Kopie des “Petko-Dance” von Tennis-Star Andrea Petkovic sein sollte: “Das ist mir ganz spontan eingefallen.”

Am Sudelfeld hatte Kober bereits im Februar 2010 gewonnen. Doch zu viel Druck, zu hohe Erwartungen dämpften die Freude vor zwei Jahren. Der Verband erwartete den Olympiasieg von ihr, gewissermaßen als Statussicherung. Statt einer Medaille feierte Kober aber nach dem Viertelfinal-Aus auf dem Cypress Mountain von Vancouver ihr Mutterglück. Inzwischen ist Lorenz eineinhalb Jahre alt, keinen Meter groß und schaut mit seinen braunen Knopfaugen zu, wenn die Mama in Zermatt am Gletscher trainiert. “Er ist inzwischen mehr oder weniger ein Teil der Mannschaft”, sagte Kober.

Die deutschen Snowboarder haben in Lorenz mittlerweile aber nicht nur ein Teammitglied mehr, sondern auch andere Alternativen. In Bayrischzell fuhr Selina Jörg als Vierte knapp am Podest vorbei, Isabella Laböck musste sich im Achtelfinale geschlagen geben. “Wir sind ein starkes Team und können uns gegenseitig pushen”, erklärte Laböck. Alle seien “älter geworden und können mit den Macken der anderen umgehen.” Eine gönnt der anderen jetzt den Erfolg, das nimmt auch Kober Druck. “Amelie hat es echt verdient”, sagte etwa Jörg. Bei den Männern machte Patrick Bussler als Qualifikationsbester auf sich aufmerksam, schied im Achtelfinale aber aus.

Das neue Teamgefühl kommt gerade richtig. Neben dem Parallelriesenslalom, in dem Kober 2006 in Turin als 18-Jährige sensationell Silber gewann, ist bei den Winterspielen in Sotschi 2014 auch der Parallelslalom olympisch. “Für uns eine super Chance mehr Aufmerksamkeit zu bekommen”, sagte Knirsch. Vor allem, wenn man Querelen wie in der Vergangenheit aussparen könne: “Da haben wir in der Vergangenheit alle dazugelernt.”

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