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Das Leben und Sterben der Amy Winehouse

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01.08.2011

Exclusive Das Leben und Sterben der Amy Winehouse

“Wenn ich morgen sterben würde, wäre ich eine glückliche Frau.“

Diese Worte sagte Amy Winehouse nur knapp neun Monaten vor ihrem tragischen Tod. Und obwohl sich ihre persönlichen Probleme und Dramen vor den aufmerksamen Augen der Öffentlichkeit abspielten und ihr herausragendes musikalisches Talent fast in den Hintergrund drängten, erwartete kaum jemand, dass die zierliche Britin tatsächlich so jung sterben würde – außer vielleicht Amy Winehouse selbst.

Schon vor Jahren, als sie während ihrer Ehe mit Blake Fielder-Civil im Drogensumpf zu versinken drohte, schien die Sängerin mit ihrem frühen Tod zu rechnen. Ihre Mutter Janis verriet damals: „Ein Teil von mir hat sich jahrelang darauf vorbereitet. Sie hat mir gesagt: ‚Ich glaube nicht, dass ich lange überleben werde.‘“ Auch die zahlreichen Tätowierungen, die Amys Körper bedeckten – darunter einige Pin-ups – sollten laut ihrer Mutter Vorbote ihres tragischen Schicksals werden. „Sie ist auf dem Weg der Selbtszerstümmelung. Wofür sonst stehen all diese Tätowierungen? Ich hasse sie. Sie sind furchtbar. Es ist wie eine Krankheit, aber sie sieht das nicht”, klagte Janis Winehouse damals.

Trotz zahlreicher Versuche, sich von den Drogen und dem Alkohol zu lösen, konnte Amy ihre Dämonen nicht abschütteln; und als sie am 23. Juli 2011 leblos in ihrer Wohnung im Londoner Stadtteil Camden aufgefunden wurde, bestätigte sich ihre Vorhersage, dass sie eines Tages dem sogenannten ‚Club 27‘ beitreten würde – eine Gruppe von legendären Musikern, die wie sie im Alter von 27 Jahren ein frühes Ende fanden, darunter Kurt Cobain, Jimi Hendrix und Janis Joplin. Ihre Vorahnung teilte die Soulsängerin mit engen Freunden, für die ihr Tod trotzdem unerwartet kam. „Amy hat mir immer gesagt, dass sie davon ausgehe, ein Mitglied des ‚Club 27‘ zu werden“, enthüllt ihr Stylist Alex Foden – Schöpfer ihrer Beehive-Frisur, die zu ihrem Markenzeichen wurde. „Es bricht einem das Herz, dass sie diese Pläne tatsächlich verwirklicht zu haben scheint. Amy kannte ihre Grenzen – ich glaube wirklich, sie wusste, dass dieser endgültige Rausch sie umbringen könnte.“

Das Jahr begann ruhig für Amy

Obwohl Amy Winehouse in der Vergangenheit mit ihrer explosiven Beziehung zu ihrem Ex-Mann Blake, Drogen- und Alkoholproblemen und misslungenen Konzertauftritten für Schlagzeilen sorgte, hatte dieses Jahr eher ruhig für sie begonnen. Nach einem langem Aufenthalt auf der karibischen Insel St. Lucia schien Amy ihr Leben umkrempeln zu wollen: So löste sie ihre von Skandalen zerrüttete Ehe auf, kehrte den Drogen den Rücken, zog sich zurück, um die Arbeit an ihrem langersehnten dritten Album zu beginnen und fand mit dem Regisseur Reg Traviss sogar neue Liebe.

Endlich sollte neue Hoffnung darauf bestehen, dass Amy sich wieder auf das konzentrieren würde, für das sie berühmt wurde: ihre Musik. Als sie jedoch vor zwei Monaten bei einem Auftritt in Belgrad betrunken die Bühne bestieg und von ihren Fans ausgebuht wurde, fand ihr Comeback ein abruptes Ende. Das desaströse Konzerte veranlasste ihr Management, ihre gesamte, für Europa geplante Tournee abzusagen, um einen erneuten Absturz zu verhindern.

Das verfrühte Ende ihrer Tournee war ein weiterer Rückschlag für Amy, die eigentlich ihre Karriere hatte ankurbeln wollen, nachdem diese augenscheinlich nach der Veröffentlichung ihres Hit-Albums ‚Back to Black‘, das ihr 2006 den internationalen Durchbruch brachte, zum Stillstand gekommen war. Trotz wiederholter Versuche ihrer Familie, sie von ihrer Suchtkrankheit zu befreien, schien Amy in einen Teufelskreis des Selbstmitleids und der Selbstzerstörung abzurutschen, entschlossen, eines Tages ihrem gebrochenen Herzen zu erliegen.

Herzschmerz machte sie erfolgreich

Herzschmerz war derweil genau das, was sie so erfolgreich machte. Schon als junges Mädchen bewies sie als Schülerin der Sylvia Young Theatre School – einer renommierten Londoner Privatschule für darstellende Künste -, dass sie ein außergewöhnliches Talent und eine einmalige Stimme besaß. Dies wurde 2003 durch ihr Debüt-Album ‚Frank‘ und den offenherzigen, schmerzerfüllten Liedern nur noch untermauert.

In einem Interview gestand Amy zudem einst: „Ich habe immer gesagt, dass ich niemals über Liebe schreiben würde, aber dann habe ich es doch getan. Ich habe ungefähr acht Songs über diesen Kerl geschrieben; ich war sehr frustriert darüber, wie sich die Dinge zwischen uns entwickelt haben. Wenn die Gefühle verrückt spielen, dann ist das nicht so leicht.“

Obwohl sie damals noch nicht an der Spitze ihres Erfolgs war, erntete sie bereits überwiegend positive Kritiken für ‚Frank‘ und wurde für zwei Brit Awards, den Ivor Novello Award und Mercury Music Prize nominiert. Doch schon 2005 war klar, dass es für die Sängerin mit der markanten Stimme beruflich zwar aufwärts, privat jedoch abwärts ging.

Turbulente Beziehung zu Blake

Nicht nur ihre Drogen- und Alkoholproblemen gaben Anlass zur Sorge, auch ihre turbulente Beziehung zu ihrem zukünftigen Mann Blake nahm zu jener Zeit ihren Lauf. Dieser ‚Bad Boy‘, der ihre von Herzschmerz erfüllte Jazz-Ballade ‚Back To Black‘ inspierte, war in den Augen vieler derjenige, der Amy Winehouse in die gefährliche Welt der Drogen einführte, die sie zugrunde richteten. Bestätigen wollte die Sängerin dies zwar nie, in einem Interview mit dem ‚Rolling Stone‘-Magazin gestand sie 2007 jedoch, dass er sie zu einem Leben im Alkoholrausch hingerissen hatte.

„Ich denke, wenn man zur Sucht neigt, dann wechselt man von einem Gift zum nächsten“, lautete ihr Eingeständnis. So habe sie zunächst lieber Marihuana geraucht, ihrem Lover zuliebe jedoch ihr Suchtmittel ausgetauscht. „Er raucht kein Gras, also habe ich angefangen, mehr und mehr zu trinken und weniger zu rauchen. Und deshalb genieße ich viele Dinge mehr. Ich gehe aus und trinke.“

Als sie mit ‚Back to Black‘ die Charts stürmte, erschien Amy auch körperliche Veränderungen durchgemacht zu haben. Im Vergleich zu vorher wirkte sie hagerer, blasser, hatte sich außerdem etliche Tattoos stechen lassen und bewirkte plötzlich mit ihrem aufgetürmten Haar ein Revivel der 1960er-Beehive-Frisur. Mit ‚Rehab‘, der ersten Single-Auskopplung von ‚Back To Black‘, landete Amy Winehouse ihren erste Hit und obwohl der Songtext (They tried to make me go to rehab, I said, „No, no, no“) Grund zur Annahme gab, dass sie eine Entziehungskur nötig habe, gab sie sich unbeschwert.

Im Interview sagte sie dazu: „Ich fragte meinen Vater, ob er glaubt, ich müsse in den Entzug. Er meinte ‚Nein‘, aber dass ich es trotzdem versuchen sollte. Das habe ich dann – 15 Minuten lang. Ich ging rein, sagte hallo und meinte, dass ich trinke, weil ich verliebt bin und die Beziehung vermasselt habe. Dann bin ich wieder raus.“

„Amy ist gerne in der Öffentlichkeit“

Das von Mark Ronson und Salaam Remi produzierte Album konnte an den Erfolg der ersten Single anknüpfen und wurde zum weltweiten Verkaufsschlager. Menschen rund um den Globus identifizierten sich mit Amys Gesang und Texten, die sich auch bei Liedern wie ‚Love is a Losing Game‘ und ‚Tears Dry on Their Own‘ auf dramatische Weise um das Thema Liebeskummer drehten. Mit der Aufmerksamkeit, die dieser Erfolg mit sich brachte, schien Amy jedoch nicht klarzukommen, wie ihr Manager Raye Cosbert damals feststellen musste.

„Amy ist gerne in der Öffentlichkeit. Sie ist kein zurückgezogener Star“, erklärte dieser die Schwierigkeit, die der plötzliche Ruhm für die Sängerin darstellte. „Sie mag normale Menschen. Sie fühlt sich in der Welt der VIP-Prominenz nicht wohl. Es ist bedauerlich, dass man jemandem nicht beibringen kann, wie man mit Ruhm umgeht.“

Im Mai 2007 brannte Amy Winehouse mit Blake Fielder-Civil nach Miami durch, wo das Paar heiratete. Freunde der Künstlerin fürchteten jedoch, dass es in der Beziehung der beiden alles andere als glückerfüllt herging und tägliche Streitereien – sowohl verbal als auch körperlich – an der Tagesordnung standen. Im folgenden August endete eine dieser Auseinandersetzungen Berichten zufolge mit sichtbaren Folgen. Augenzeugen beteuerten, Amy sei anschließend von blutigen Kratzern und blauen Flecken übersät gewesen, als sie in den frühen Morgenstunden das Sanderson Hotel in London verließ, in dem sie zuvor mit Blake abgestiegen war.

Bilder, auf denen ihre blutverschmierten Füße zu sehen waren, ließen außerdem vermuten, dass sie sich Heroinspritzen zwischen den Zehen gesetzt hatte, um so Einstichstellen zu verbergen. „Amy schien total weggetreten. Sie war von Blut bedeckt und ihr Make-up war verschmiert“, schilderte damals ein Beobachter. „Ihre Augen war glasig. Es war, als konnte sie niemanden sehen.“

Sängerin setzt ihr Leben aufs Spiel

Ein Nahestehender gab kurz darauf zu, dass die Sängerin in jener Woche ihr Leben aufs Spiel setzte. „Alle haben totale Angst, dass sie sich mit Drogen umbringen wird, bevor die Woche rum ist“, sagte er, bevor Amy selbst in einem späteren Interview enthüllte, dass sie sich damals auf einem dreitägigen Drogenrausch befanden und sich mit einem Cocktail aus Heroin, Ketamin, Kokain und Ecstasy eine fast tödliche Überdosis gesetzt hatte.

„Ich dachte wirklich, dass ich drauf und dran war, den Löffel abzugeben“, gestand sie, beteuerte jedoch, dass ihr Mann Blake sie ins Krankenhaus gebracht und ihr somit das Leben gerettet hatte. Rauschzustände dieser Art gingen indes oftmals mit Blackouts und starken Schuldgefühlen Hand in Hand, wie Amy außerdem offenbarte. „Ich weiß oft nicht, was ich tue. Dann kommt am nächsten Tag meine Erinnerung zurück und ich werde von Scham überfallen“, so die fünffache Grammy-Preisträgerin.

Im November 2007 schien es schließlich auch mit der Karriere der begabten Soulmusikerin bergab zu gehen. Eine 17 Termine umfassende Tournee durch das Vereinigte Königreich wurde bereits in der Eröffnungsnacht in Birmingham zum Flop, als das Publikum eine sichtlich betrunkene, in Tränen aufgelöste und mit Schimpfwörtern um sich werfende Amy Winehouse von der Bühne buhte. Ein Musikkritiker beschrieb ihren Auftritt als „eine der traurigsten Nächte“ seines Lebens.

Zu dem Zeitpunkt saß ihr Mann Blake wegen Behinderung der Rechtsfindung in Untersuchungshaft, nachdem er einen Pub-Besitzer attackiert und anschließend versucht hatte, den Gerichtsprozess zu manipulieren – laut Amy der Grund für ihren katastrophalen Auftritt. So erklärte sie im Anschluss: „Mein Mann ist mein Alles und ohne ihn ist es einfach nicht dasselbe.“

ür das Paar war dies jedoch nur der Beginn einer langen Trennungsphase, denn später wurde Blake zu 27 Monaten Haft verurteilt. Diese Gelegenheit nutzte Amys Vater Mitch – ein Taxifahrer, der letztes Jahr seine eigene Karriere als Sänger startete -, um seine problembelastete Tochter von ihrem – seiner Meinung nach unheilbringenden – Gatten zu trennen und ihr auf den Weg der Besserung zu helfen.

Ende 2008 zog Amy zeitweise ins Inselparadies St. Lucia, wo sie ihr Leben umzukrempeln und sich von ihrer Suchtkrankheit loszulösen schien. Auch neues Liebesglück stellte sich für die Britin ein, als sie dem damals 21-jährigen Josh Bowman näherkam und dabei scheinbar ihren hinter Gittern sitzenden Mann bereits vergessen hatte.

Blake Fielder-Civil reicht die Scheidung ein

Es dauerte nicht lange, bevor Amy eingestand, dass ihr Leben mit Blake Fielder-Civil eine einzige Tortur gewesen sei. Im Gespräch mit dem ‚Daily Mirror‘ bekannte sie: „Ich bin der Hölle entkommen. Ich bin wieder verliebt und brauche keinen Drogen. Schaut mich an, ich strahle! Ich werde mich mit Blake auseinandersetzen, wenn ich zurück fliege.“ Weiterhin räumte sie ein, dass ihre Ehe mit dem Sträfling „auf Drogen basiert“ habe. „Mit jemandem wie Josh geht es mir also viel besser.“

Im Januar 2009 reichte Blake Fielder-Civil die Scheidung mit der Begründung, Amy sei fremdgegangen, ein. Obwohl diese angeblich zunächst versuchte, ihren Ex zurückzugewinnen, wurden die beiden im August 2009 endgültig geschieden.

Die Monate vor ihrem Tod war es relativ still um Amy Winehouse geworden. Angeblich bereitete sie sich intensiv auf ihr heißersehntes Comeback als die grandiose Künstlerin vor, als die sie berühmt geworden war, und schien mit dem Filmemacher Reg Traviss einer glücklichen Zukunft und sogar gemeinsamen Kindern entgegenzusehen.

Ende letzten Jahres verdiente sie Berichten zufolge durch Privatkonzerte dazu und absolvierte im Januar dieses Jahres eine erfolgreiche Tour durch Südamerika. Monate später soll sie jedoch dabei erwischt worden sein, wie sie an einem Abend eine gesamte Flasche Wodka hinunterstürzte, bevor sie sich im Juni kurzzeitig in eine Entzugsklinik begab. Nahestehende garantierten jedoch, dass die Sängerin spätestens bei ihrer geplanten Europa-Tournee alle Gerüchte eines Rückfalls widerlegen würde – bevor sie auf der Bühne in Serbien genau das Gegenteil tat.

Todesursache bisher unklar

Warum Amy Winehouse am 23. Juli verstarb, ist bisher unklar. Während ihre Familie darauf pocht, dass sie zum Zeitpunkt ihres Todes drogen- und alkoholfrei lebte und es der kalte Entzug war, der sie dahinraffte, spekulieren Medien über einen allerletzten Drogenrausch, der sie das Leben kostete.

Bevor in einigen Wochen die wirkliche Todesursache bekanntgegeben wird, steht nur eines fest: dass die Welt heute um eine der talentiertesten und einzigartigsten, aber auch tragischsten Künstler der modernen Musikzene ärmer ist. Hinterlassen hat Amy angeblich ein unfertiges drittes Album, dessen Veröffentlichung in den Sternen steht, und Menschen auf der ganzen Welt, die um eine geliebte Frau und um die Stimme einer Generation trauern.

Künstlerinnen wie Adele inspirierte sie, ihr ins Genre des Retro-Souls zu folgen, was diese Amy nach ihrem tragischen Tod auf ihrer Webseite dankte: „Amy hat den Weg für Künstler wie mich bereitet und in den Leuten neue Wertschätzung für britische Musik geweckt und blieb dabei auf furchtlose Weise lustig, aber auch gleichgültig gegenüber der ganzen Sache“, schrieb Adele voller Bewunderung für den verstorbenen Star. „Ich glaube nicht, dass sie wusste, wie brillant sie war und wie wichtig sie noch immer ist, aber das machte sie nur noch charmanter.“

Pop-Legende George Michael, der im Laufe seines Lebens ebenfalls drogensüchtig war, beschreibt Amy Winehouses Tod als großen Verlust eines Menschen und einer Künstlerin. „Es ist auf zweierlei Art eine Tragödie: auf der einen Seite der Verlust eines jungen Lebens für die, die sie kannten und liebten. Aber es ist auch eine Tragödie für alle von uns, die wir nicht mehr die exquisite Musik hören werden, die sie uns gegeben hätte, wenn das Schicksal ihr Leben verschont hätte.“

Obwohl ihre Karriere zweifelsohne zu einem verfrühten Ende kam und sie selbst nicht mehr unter uns weilt, wird das musikalische Erbe dieser Frau uns weiterhin erhalten bleiben. Einigen wird Amy Winehouse unweigerlich durch ihre Eskapaden und Skandale im Gedächtnis bleiben. Die meisten von uns werden sie jedoch hoffentlich als die leidenschaftliche Künstlerin in Erinnerung behalten, deren Musik zwar das Ergebnis eines tragischen Schicksals, dadurch jedoch umso berührender ist.

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© Markus Arlt / newsburger.de

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