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Ronald Pofalla

© Deutscher Bundestag / Lichtblick / Achim Melde

05.01.2014

Pofalla-Wechsel Massive Kritik aus Bahn-Aufsichtsrat

Personalie sei seitens der Deutschen Bahn noch längst nicht entschieden.

Berlin – Bahnchef Rüdiger Grube muss sich auf massiven Widerstand gegen die möglicherweise geplante Verpflichtung von Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla als Vorstandsmitglied einstellen.

„Die Personalie ist seitens der Deutschen Bahn noch längst nicht entschieden. Zunächst würden wir gerne wissen, warum überhaupt noch ein weiterer Vorstandsposten geschaffen werden muss und wie dessen Aufgabenbereich aussehen soll. Und erst am Schluss reden wir über Namen“, sagte der Aufsichtsrat und Vizechef der Bahngewerkschaft EVG, Klaus-Dieter Hommel, der „Welt“.

Vor wenigen Tagen war durchgesickert, dass Grube einen neuen Spitzenlobbyist sucht und für Pofalla ein entsprechendes Vorstandsressort schaffen möchte. Bislang gehört es zu den Aufgaben des Vorstandschefs, einen engen Draht zur Politik zu halten.

Hommels Kritik am Vorstoß des Bahnchefs ist keine Einzelmeinung. „Wir haben nicht genug Leute für die Stellwerke, aber Geld für einen weiteren Vorstand. Das passt nicht“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied des Arbeitnehmerflügels.

Auch seitens der Vertreter der Anteilseigner in dem Kontrollgremium hagelte es Kritik. „Jüngst wurde der Vertrag mit Gerd Becht, dem Vorstand für Compliance, Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit, verlängert. Das wäre die Gelegenheit gewesen, darüber zu sprechen, ob das Thema Lobby-Arbeit nicht auch dort angesiedelt werden kann. Auf Dauer sind doch weder ein Compliance-Vorstand noch ein Lobby-Vorstand voll ausgelastet“, sagte ein Mitglied des Kontrollgremiums. „Die Funktionen gehören gebündelt.“

Andere Aufsichtsräte stören sich an der Informationspolitik des Bahnchefs. „Wieso erfahren wir von solchen Personalien aus der Zeitung? Spätestens jetzt müssen die Karten auf den Tisch. Am Ende entscheiden nämlich ausschließlich der Aufsichtsrat über den Zuschnitt des Vorstandes“, sagte ein Kontrolleur. Auch im Bahn-Management macht sich Unbehagen breit.

„Das wirtschaftliche Umfeld wird rauer. Es wird nicht leicht, im Unternehmen diese Personalie zu verkaufen, wenn wir an anderer Stellen kürzer treten müssen“, sagte ein hochrangiger Bahn-Manager. „Wenn die Debatte die nächsten Wochen anhält, ist Pofalla wohl nicht zu halten.“

Die Bahn hat bereits acht Konzernvorstände – selbst für einen Großkonzern ist das eine stattliche Zahl. Am 30. Januar gibt es eine Sondersitzung des Aufsichtsrates, dort könnte das Thema Pofalla behandelt werden.

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