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Merkels Routine-Rundgang durch die digitale Welt

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06.03.2012

CeBIT Merkels Routine-Rundgang durch die digitale Welt

Kanzlerin besichtigt zusammen mit Brasiliens Präsidentin Rousseff die Cebit.

Hannover – Große Reden wollten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff bei ihrem Rundgang über die Computermesse Cebit zunächst nicht halten. Die Ausstellung des Partnerlandes Brasilien eröffneten die beiden Politikerinnen am Dienstag wortlos lächelnd. Gemeinsam zogen sie vor Dutzenden Fotografen und Kameraleuten eine große grün-gelbe, in den Farben Brasiliens gehaltene Schleife auf.

Aus Brasilien stammte auch die bunt gestaltete Bildungssoftware für Grundschüler und der mit sechs Terabyte pro Sekunde superschnelle Internetzugang, den Kanzlerin und Präsidentin danach in Augenschein nahmen. Am Randes ihres mehr als 100-köpfigen Trosses aus Ministern, Unternehmern, Kameraleuten und Reportern versuchten sich derweil einige protestierende AKW-Gegner Gehör zu verschaffen.

Die Demonstranten hielten dunkle Plakate mit der gelben Aufschrift „Atomtod exportiert man nicht“ in die Höhe, um gegen deutsche Unterstützung für den Bau des brasilianischen Atomkraftwerks Angra 3 zu protestieren. Die Bundesregierung wolle den Bau mit einer Exportbürgschaft von 1,5 Milliarden Euro unterstützen, lautete ihr Vorwurf. Die Kanzlerin sagte aber später, zu Angra 3 sei „keine abschließende Entscheidung gefallen und wird jetzt auch während des Aufenthalts der Präsidentin nicht fallen“. Man sei noch in Gesprächen.

Für die Kanzlerin war es bereits der siebte Eröffnungsrundgang über eine Cebit in Hannover. Allerdings wurde sie diesmal nicht nur in der Partnerlandausstellung, sondern auch auf den elf weiteren Stationen ihrer Eröffnungsvisite stets von Dilma Rousseff begleitet.

„Das praktischste Beispiel überhaupt“

Bei der Software AG sahen die beiden Politikerinnen ein Programm zur Digitalisierung von Genehmigungsanträgen, das Lkws die Fahrt über Grenzen erleichtern soll und bereits an Übergängen von Bayern nach Österreich erprobt wird. Merkel lobte es als „das praktischste Beispiel, das sie uns je auf einer Cebit gezeigt haben“. Bei Microsoft Deutschland trugen sich Kanzlerin und Präsidentin in das goldene Buch der vernetzten Zukunftsstadt „Neustadt“ ein, zu der einmal eine auf digitalen Bürgervoten beruhende Verwaltung genauso wie eine digital gesteuerte Elektromobilität gehören sollen.

Am Stand der Deutschen Telekom versahen Merkel und Rousseff einen stilisierten E-Post-Brief mit einem Siegel, das ein neues Zertifikat des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik symbolisieren sollte. SAP stellte ihnen ein Projekt mit der Berliner Charité zur schnellen Auswertung von Daten von Krebspatienten vor und IBM eine System zur digitalen Anbindung von Lkws, das 60 Millionen Datenübertragungen pro Tag ermöglichen soll.

Den wasserdichten Tablet-PC, den Fujitsu auch auf der Cebit präsentiert, bewunderte Merkel nicht nur in einem Aquarium, sondern ließ das nasse Gerät anschließend auch gleich noch fallen. Das brasilianische Unternehmen Dermalog führte den beiden Politikerinnen schließlich die Identifizierung von Personen über auf ein Erkennungsgerät aufgesetzte Finger vor.

Dieses Verfahren könne einmal die Erkennung über Passwörter oder PIN-Nummern ersetzen, sagte Merkel. „Wir haben neueste Produkte aus Brasilien und Deutschland auf der Cebit angeschaut“, sagte die Kanzlerin zum Abschluss des Rundgangs. Es sei der erste offizielle Besuch von Präsidentin Rousseff in Deutschland, und er habe gleich auf der Cebit begonnen.

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