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Selbstmordanschläge erschüttern Damaskus

© AP, dapd

17.03.2012

Syrien Selbstmordanschläge erschüttern Damaskus

Regierung und Opposition machen sich gegenseitig für Explosionen verantwortlich.

Beirut – Die Gewalt in Syrien hat erneut die Hauptstadt Damaskus erreicht: Bei zwei Explosionen sind nach Angaben des syrischen Staatsfernsehens am Samstag mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. 140 weitere seien verletzt worden. Dem Bericht zufolge hatten Selbstmordattentäter vor einem Gebäude des Geheimdiensts der Luftwaffe und einer Einrichtung der Kriminalpolizei Autobomben zur Explosion gebracht.

Das Fernsehen zeigte Aufnahmen, die vom Ort der Anschläge stammen sollen. Darauf waren verbrannte Leichen, Blutlachen auf den Straßen und verbogene Stahlteile zu sehen. Die Sprengsätze detonierten den Berichten zufolge um 7.30 Uhr (Ortszeit). „Alle unsere Fenster und Türen sind zerstört“, sagte Madsched Seibijah, der in der Gegend wohnt. „Ich habe geschlafen, als ich ein Geräusch wie von einem Erdbeben hörte. Ich habe nicht begriffen, was passiert war, bis ich Schreie auf der Straße gehört habe.“

Nach den Explosionen seien Schüsse gefallen, sagte ein Reporter der Nachrichtenagentur AP. Menschen seien daraufhin vom Anschlagsort geflohen. Bei einer dritten Explosion in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Damaskus seien lediglich die zwei Selbstmordattentäter ums Leben gekommen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SANA.

Seit Beginn des Aufstands gegen die Regierung von Präsident Baschar Assad vor einem Jahr hat es in Syrien eine Reihe von Selbstmordanschlägen gegeben. Bei zwei Anschlägen im Februar kamen in der Stadt Aleppo 28 Menschen ums Leben. Zu den Taten bekannte sich niemand. Aus US-Geheimdienstkreisen hieß es, hinter den Anschlägen könnte die Al-Kaida im Irak stecken, deren Kämpfer die Grenze aus dem Nachbarland überschritten. Die Führung der Al-Kaida hat sich für den Sturz Assads ausgesprochen.

Auch in Damaskus, einer Hochburg der Assad-Anhänger, gab es seit Dezember mehrere Bombenexplosionen. Für das Regime von Präsident Assad sind die Anschläge der Beweis dafür, dass „Terroristen“ die Regierung angreifen. Die syrische Oppositionsbewegung macht hingegen regierungstreue Truppen für die Anschläge verantwortlich.

Die jüngsten Anschläge stünden im Zusammenhang „mit einer Eskalation seitens regionaler und internationaler Kräfte, die Waffen nach Syrien schicken wollen“, hieß es in einer Erklärung des syrischen Innenministeriums. In einem Brief an den Sondergesandten Kofi Annan machte die Regierung die Demobilisierung der Opposition zur Bedingung für einen Waffenstillstand. Sie sei „um ein Ende der Gewalt bemüht“, aber zuerst müssten die oppositionellen Gruppen ihre Waffen niederlegen, hieß es in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AP vorlag.

Der gemeinsame Sondergesandte der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga solle „der syrischen Regierung garantieren, dass die bewaffneten Gruppen alle Aggressionen einstellen und ihre Waffen abgeben (…) im Austausch für eine Amnestie“. Am (morgigen) Sonntag will Annan erneut Unterhändler nach Damaskus entsenden, um über eine Waffenruhe zu verhandeln.

Ein Mitglied des oppositionellen Syrischen Nationalrates, Bassma Kodmani, schloss aus, dass Mitglieder der Oppositionsbewegung die Anschläge verübten. Organisationen wie die von Deserteuren gegründete Freie Syrische Armee hätten weder Mittel noch Möglichkeiten derartige Aktionen in der Hauptstadt durchzuführen, sagte sie.

Unterdessen bezeichnete der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga und aussichtsreicher Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen in Ägypten, Amr Mussa, einen Wandel in Syrien als unausweichlich. Mussa sagte der Nachrichtenagentur AP am Samstag, in Syrien werde im Zuge des Arabischen Frühlings „Geschichte geschrieben“. Der Sturz des syrischen Regimes sei nur eine „Frage der Zeit“, da das Volk immer „das letzte Wort“ habe.

Allerdings hoffe er, dass der Wandel nicht nach libyschem Vorbild erfolge, wo NATO-Luftangriffe zum Sturz des Regimes beigetragen hatten. Die Arabische Liga hatte sich unter Mussa zunächst für eine Flugverbotszone über Libyen ausgesprochen.

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