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Umgestürzte Tannen

© Felix Kästle über dpa

01.04.2015

"Niklas" Sturmtief ist abgezogen

Die Aufräumarbeiten laufen nach “Niklas” vielerorts auf Hochtouren.

Berlin – Mindestens elf Menschen sind während des Orkans „Niklas“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz ums Leben gekommen.

Der Bahnverkehr, der während des Durchzugs von „Niklas“ – den der Deutsche Wetterdienst zu den stärksten Stürmen der vergangenen 30 Jahre zählte – weitgehend stillstand, normalisierte sich wieder weitgehend. Im Fernverkehr hatten Reisende aber noch mit Verspätungen und Zugausfällen zu tun. Pünktlich zum Reiseverkehr zu den Osterfeiertagen soll der Verkehr ab Donnerstag wieder stabil und planmäßig laufen, sagte eine Bahn-Sprecherin.

Die Höhe der Schäden war am Tag danach noch unklar: Die Versicherer erwarten viele Schadensmeldungen erst für die Zeit nach den Osterferien, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sagte. Der Orkan ist zwar aus Deutschland abgezogen, es bleibt aber stürmisch: Die Meteorologen sagten zu Ostern nass-kaltes und unbeständiges Wetter voraus.

Während des Sturmtiefs starben in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens elf Menschen:

In Bayern wurde eine 39-Jährige und in Rheinland-Pfalz zwei Männer erschlagen, als Bäume auf ihre Autos stürzten. In Sachsen-Anhalt tötete eine umgewehte Mauer einen Mann. In Niedersachsen starb ein Mann unter einem herausgebrochenen Scheunentor. Auch in Österreich und der Schweiz gab es zwei Unwettertote.

Außerdem gab es vier Tote bei wetterbedingten Unfällen: Im baden-württembergischen Ostalbkreis starben zwei Männer auf einer glatten Straße. In Bayern wurde ein Mann bei starkem Hagel auf der A95 getötet. Im bayerischen Grafenwöhr fuhr am Mittwoch ein Autofahrer auf schneeglatter Fahrbahn in den Gegenverkehr und prallte gegen ein anderes Fahrzeug. Der Fahrer des zweiten Autos starb.

„Niklas“ legte am Dienstag den Bahnverkehr in weiten Teilen lahm. Am Mittwoch stabilisierte sich die Lage, wie eine Bahn-Sprecherin am Abend sagte. Beeinträchtigungen gab es zunächst noch vor allem im Großraum München: Die Schäden an Oberleitungen der Linien S6 und S7 seien so erheblich, dass die Reparaturarbeiten noch mehrere Tage dauern könnten. Außerdem waren noch die Strecken von München nach Rosenheim sowie nach Garmisch-Partenkirchen gesperrt.

Die Bahn in Nordrhein-Westfalen verteidigte den stundenlangen Stopp des regionalen Bahnverkehrs am Dienstag. „Beim Nahverkehr war ein sinnvoller Betrieb nicht möglich“, sagte eine Sprecherin. Es habe viele Störungen im Schienennetz gegeben. Die Entscheidung habe auch einen Sicherheitsaspekt, denn Reisende seien in den Bahnhöfen viel besser zu betreuen als etwa in einem Zug auf freier Strecke.

Der Orkan hatte auch den Verkehr an Flughäfen durcheinandergebracht. In Frankfurt wurden von 1300 geplanten Flügen am Dienstag 185 annulliert, wie ein Sprecher des Flughafenbetreibers sagte. Auch am Mittwoch fielen Dutzende Starts und Landungen aus. Etwa 1300 Fluggäste hätten die Nacht zum Mittwoch in Hotels verbracht.

Trotz der vielen Störungen und Unfälle brachte „Niklas“ Deutschland aus Sicht der Versicherer keine Rekordschäden. „Wir gehen davon aus, dass der Sturm „Niklas“ deutlich weniger Schäden verursacht hat als der Sturm „Kyrill““, sagte ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Es sei aber zu früh, die Summe abzuschätzen. Auch der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat noch keinen Überblick über die Schäden. Der bisher folgenschwerste Wintersturm war „Kyrill“ im Jahr 2007 mit Böen von mehr als 200 Kilometern pro Stunde: Er richtete 4,2 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Schäden an und schlug bei den Versicherern mit mehr als zwei Milliarden Euro zu Buche.

Nach dem Durchzug des Sturms liefen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Der Sturm hatte Bäume umgeknickt, die Straßen und Gleise zeitweise blockierten und von Einsatzkräften entfernt werden mussten. „Niklas“ beschädigte Fassaden, Autos und Stromleitungen. Der Deutsche Feuerwehrverband erklärte, dass am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch schätzungsweise bis zu 100 000 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen seien. Der Verband rief zur Vorsicht auf, abgeknickte Äste und lose Teile von Dächern könnten noch herabfallen. Auch vor Spaziergängen im Wald in den kommenden Tagen wurde gewarnt.

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