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Kinder spielen auf einem Schulhof

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10.06.2017

Kritik am Bildungsföderalismus Preisgekrönte Lehrer wollen einheitliches Schulsystem

„Mich hat in 20 Jahren noch nie jemand um eine Meinung gefragt.“

Berlin – Mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnete Lehrer aus fünf Bundesländern haben den Bildungsföderalismus in Deutschland kritisiert: „Wir wollen ein vereintes Europa und haben allein in Deutschland 16 unterschiedliche Schulsysteme. Das ist doch absurd“, sagte Michael Heitz, Lehrer an der Albert-Schweitzer-Schule Sinsheim in Baden-Württemberg, im Rahmen einer Diskussion mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“.

Angesichts der ständigen Umbrüche in der Bildungspolitik der Länder plädierten die Lehrer für ein einheitliches Schulsystem, um eine verbindliche Grundlage in Bezug auf die Schuldauer, Lehrpläne und Prüfungsleistungen in ganz Deutschland zu schaffen. „Wenn Sie jetzt nur das G8 hernehmen: Einer ist damit gestartet. Fast alle zogen nach. Und viele inklusive Bayern sind wieder davon abgerückt. Was war da durchdacht?“, sagte Katja Nordhaus vom Hermann-Ehlers-Gymnasium in Berlin, die 2012 mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet wurde.

Christine Frank, Lehrerpreisträgerin 2015, vom Maria Ward Gymnasium Augsburg, sprach sich für ein zentrales Prüfungssystem an deutschen Schulen aus: „Warum nicht einheitliche Prüfungen? Kein Wissenschaftler wird sagen, dass ein Schüler in Flensburg nicht genau das Gleiche lernen kann wie der in Garmisch.“

Laut der Augsburger Lehrerin habe die Rückkehr von G8 zu G9 die Lehrer auf bayerischen Gymnasien unvorbereitet getroffen. In Bayern trete ab September ein neuer Lehrplan namens „Lehrplan Plus“ in Kraft. „Wir mussten deshalb Fortbildungen machen für das achtjährige Gymnasium. Jetzt kommt aber plötzlich das neunjährige Gymnasium. Das ist etwas, was mich auf die Palme bringt“, sagte Frank dem „Focus“. „Denn wir sind doch eigentlich die Experten vor Ort und wissen, was den Schülern gut tut. Mich hat in 20 Jahren noch nie jemand um eine Meinung gefragt.“

Einhellig forderten die Lehrer die Politik auf Bundes- und Landesebene auf, der Expertise von Pädagogen mehr Gehör zu schenken. „Der beste Lehrer kann nichts tun, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Bildungspolitiker sollten uns an der Basis auch mal vertrauen. Ein verbindliches Gerüst für alle und Spielräume zur regionalen Ausgestaltung. Das wäre richtig“, sagte Fee-Isabelle Rautert vom Friedrich-Spee-Gymnasium Trier in Rheinland-Pfalz.

Neben der Forderung nach strukturellen Reformen machten sich die preisgekrönten Lehrer in der Diskussion für die Einführung eines Schulfachs für digitale Medienkompetenz stark, um Kinder besser auf den Prozess der Digitalisierung vorzubereiten.

Um allen Kindern den Bildungsaufstieg in Deutschland zu ermöglichen, müsse die Politik zudem mehr Geld für flächendeckende Nachhilfeprogramme an Schulen in die Hand nehmen, sagte Ludmar Gunst, Lehrerpreisträger 2014 von der Bielefelder Marienschule.

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