Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Panorama - newsburger.de

Arzneimittel

© Patrick Pleul / Symbol über dpa

17.02.2015

Krankenkassen-Report Nur jedes zweite neue Arzneimittel hat einen Zusatznutzen

Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarkts habe Schwachstellen.

Berlin – Nur jedes zweite neue Arzneimittel weist einen zusätzlichen Nutzen für die Patienten auf. Zugleich werden Präparate ohne Mehrwert gegenüber gängigen Medikamenten aber recht häufig vom Arzt verordnet. Dies geht aus einem neuen Report der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor. Darin kommt die Kasse außerdem zu dem Schluss, dass das 2011 beschlossene Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarkts (AMNOG) sich grundsätzlich bewährt, aber weiter Schwachstellen habe.

Das Gesetz schreibt vor, dass neue Arzneimittel auf ihren zusätzlichen Nutzen für die Therapie überprüft werden müssen. Auf dieser Grundlage wird dann zwischen Hersteller und Kassen innerhalb eines Jahres nach Markteinführung der Preis ausgehandelt. Gelingt das nicht, hat eine Schiedsstelle weitere drei Monate Zeit, eine Verständigung herbeizuführen.

In dieser Zeit bestimmt weiterhin allein das Pharmaunternehmen den Einstiegspreis ihres Präparates. Um überhöhte Preise in den ersten 12 bis 15 Monaten zu verhindern, plädiert die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) dafür, dass die ausgehandelten Preise rückwirkend gelten.

Dass neue Wirkstoffe ohne Zusatznutzen so häufig verschrieben werden, liegt möglicherweise an der mangelnden Information der Mediziner, mutmaßen die Kassen.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) beklagt eine einseitige Ausrichtung auf die Kostendämpfung. Dagegen müsse die Versorgungsqualität stärker beachtet werden. Im übrigen sei die Innovationsbilanz der Pharmaindustrie „so gut wie lange nicht mehr“, erklärte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Allerdings sei eine Refinanzierung der Investitionen nicht mehr möglich, wenn die Preise für neue Medikamente hierzulande unter den europäischen Durchschnitt sänken.

DAK-Chef Herbert Rebscher argumentierte, auch wenn ein Teil der Präparate durch das kostendämpfende Gesetz vom Markt verschwunden sei, führe das bisher nicht zu Engpässen in der Versorgung. Deren Wirkstoffe ließen sich problemlos durch andere Arzneimittel ersetzen. Im übrigen sei das AMNOG auch keine Innovationsbremse.

Der CDU/CSU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn sieht in der Arzneimittelmarktreform „eine kleine Revolution“. Das Gesetz „bedeutete das Ende der Mondpreise für Medikamente“, sagte Spahn der dpa. Er fügte hinzu: „Klar ist aber auch: Das AMNOG ist ein lernendes System. Wir wollen, dass wirkliche Innovationen den Patienten schnell zur Verfügung stehen. Die müssen auch weiterhin gut bezahlt werden.“

Rebscher und der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, kritisierten, dass es in Deutschland quasi einen zweigeteilten Arzneimittelmarkt gebe. Der Bestandsmarkt der Arzneimittel, die vor dem 1. Januar 2011 eingeführt worden seien, werde keiner Überprüfung unterzogen. Hier wäre eine Reaktion des Gesetzgebers möglich, sagte Ludwig. Auch die nach diesem Stichtag eingeführten neueren Arzneimittel sollten nach zwei, drei Jahren erneut auf ihren Nutzen geprüft werden, sagte Rebscher.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dpa / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/krankenkassen-report-nur-jedes-zweite-neue-arzneimittel-hat-einen-zusatznutzen-78689.html

Weitere Nachrichten

Mahmur Flüchtlingsanlage

© homeros / 123RF Lizenzfreie Bilder

BKA 2016 bereits 832 Angriffe gegen Flüchtlingsheime

Trotz sinkender Flüchtlingszahlen nehmen die Straftaten gegen Asylunterkünfte weiter zu. In den ersten zehn Monaten gab es in Deutschland 832 Angriffe ...

Islamischer Staat ISIS

© The Islamic State / gemeinfrei

BKA zu Bedrohung durch IS Bundeskriminalamt warnt vor erhöhter Anschlagsgefahr

Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt wegen der jüngsten militärischen Niederlagen der Terrormiliz IS vor einer erhöhten Anschlagsgefahr im Westen. Das BKA ...

Udo Lindenberg

© Siebbi / CC BY 3.0

Kein Leben außerhalb des Hotels Lindenberg will eigenen Müll nicht heruntertragen

Udo Lindenberg (70) sehnt sich noch immer nicht nach einem Leben außerhalb des Hotels - das sei genau das richtige für ihn. "Ich habe meine Ruhe, wenn ich ...

Weitere Schlagzeilen