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© Bernd Wüstneck / Archiv über dpa

23.01.2015

Kiel Gefährlicher Keim bei fünf toten Patienten nachgewiesen

Internistische Intensivstation für Neuaufnahmen bis auf weiteres geschlossen.

Kiel – Nach der Ausbreitung von gefährlichen Bakterien in der Kieler Uniklinik sind fünf schon zuvor schwer Erkrankte gestorben.

Ob jeweils allein die Vorerkrankungen oder auch die multiresistenten Keime den Tod verursacht oder mitverursacht haben, sei eine offene Frage, sagte der Chef des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel, Prof. Jens Scholz, zu dem Ausbruch. Insgesamt infizierten sich mehr als 19 Patienten mit dem Erreger.

Aktuell sei noch bei 14 weiteren Patienten das gegen vier wichtige Antibiotikaklassen resistente Acinetobacter baumannii nachgewiesen. Die genaue Zahl aller bisher Infizierten wurde nicht genannt. Scholz dazu: „Wir haben angesichts der Kürze der Zeit noch nicht nachzählen können.“ Auch zum Alter der Betroffenen sowie ihren Vorerkrankungen machte er keine Angaben.

Der Sprecher des UKSH, Oliver Grieve, hatte zuvor gesagt, die gestorbenen Patienten seien zwischen 25 und 80 Jahre alt gewesen. In einer Mitteilung war zunächst nur über zwölf Infizierte informiert worden.

Das Kieler Gesundheitsamt sei über das gehäufte Auftreten des Keims am 23. Dezember unterrichtet worden, hieß es weiter. In einer Sondersitzung des Sozialausschusses des Landtags berichtete Scholz, das Ministerium sei gerade erst informiert worden. Der FDP-Gesundheitsexperte Heiner Garg bezeichnet dies als Unding. Die übliche Meldewege seien eingehalten worden, versicherte hingegen Bärbel Christiansen, verantwortliche Hygiene-Ärztin am UKSH. Die Hygienemaßnahmen seien vorschriftsmäßig erfolgt und es sei auch genügend Personal eingesetzt worden.

Die Acinetobacter-Keime im Klinikum zählen zu den sogenannten MRGN (multiresistenten gramnegativen Erregern). Die Bakterien kommen im Wasser und in der Erde vor, für den Menschen sind sie normalerweise nicht gefährlich. Bei immungeschwächten Menschen können sie aber Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Sepsis verursachen. Handelt es sich um multiresistente Formen, ist die Behandlung erheblich erschwert, weil nur noch wenige Mittel überhaupt gegen die Infektion helfen.

Die internistische Intensivstation der Kieler Klinik wurde für Neuaufnahmen bis auf weiteres geschlossen. Eine von insgesamt drei Einheiten der operativen Intensivstation wurde isoliert, um die dort liegenden Infizierten gesund zu pflegen. Die Stationen blieben geschlossen, bis die dortigen Patienten entlassen worden seien, hieß es. Mit einem umfassenden Screening wird nach weiteren möglicherweise Infizierten gesucht. Alle Räumlichkeiten und Geräte sollen gründlich desinfiziert werden.

Der erste Patient, bei dem der Keim im Dezember nachgewiesen wurde, sei ein 1940 geborener deutscher Urlauber gewesen, der aus der Türkei kam, wurde berichtet. Der Mann habe beim Eintreffen im UKSH am 11. Dezember keine typischen Symptome gezeigt, so dass ein sogenanntes Screening – eine Untersuchung auch auf Keime – nicht erfolgte.

Eigentlich habe man geglaubt, das Problem mit dem hartnäckigen Keim im UKSH schon gelöst zu haben. Eine erste Phase von Übertragungen des Erregers bei drei Patienten sei mit dem 3. Januar abgeklungen, aber dann sei in einem anderen Gebäudeteil ein zweiter Fall aufgetreten. Dabei handle es sich um einen Patienten, der in Mallorca in einem Krankenhaus gewesen sei. Christiansen sagte, zwei völlig getrennte Fälle seien zwar denkbar, sie halte dies aber für sehr unwahrscheinlich. Man habe die Situation im Griff, betonte sie.

Massive Kritik übte die Deutsche Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund. „Das Uni-Klinikum Kiel scheint beim Management von multiresistenten Keimen und infizierten Patienten überfordert zu sein“, sagte Vorstand Eugen Brysch. „Wie kann ein Patient aufgenommen werden, ohne ihn vorher einem Screening zu unterziehen? Warum wurde die Behörde über die Infektion erst zwei Wochen später informiert?“

Der Stiftung zufolgen sterben pro Jahr etwa 40 000 Menschen an Krankenhausinfektionen. „Davon wären 20 000 durch Hygienemaßnahmen vermeidbar“, sagte Brysch. Acinetobacter baumannii spielt in Deutschland bisher eine vergleichsweise geringe Rolle, in vielen Ländern zählt er jedoch zu den wichtigsten Krankenhauskeimen überhaupt, vor allem auf Intensivstationen. Ausbrüche hierzulande gehen daher häufig auf Patienten zurück, die zuvor im Ausland behandelt wurden.

Die Übertragung erfolgt über direkten Körperkontakt oder indirekt über Gegenstände, aber auch über die Luft. Die Erreger können lange in trockener Umgebung überleben.

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