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11.12.2010

Experten fordern als Konsequenz aus PISA mehr Disziplin

Berlin – Eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte verlangen Experten als Reaktion auf nur leicht verbesserte Abschneiden Deutschlands bei der jüngsten PISA-Studie. Deutschland könne durchaus etwas von den PISA-Siegern in Südost-Asien lernen, sagte Sachsens Kultusminister Roland Wöller dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Ohne Leistungsbereitschaft und Druck geht es nicht.“ An den Eltern von vietnamesischen Schülern beeindrucke ihn, dass „sie ihren Kindern den unbedingten Willen zum Erfolg mitgeben, auch wenn sie eine Garküche im Leipziger Osten betreiben.“

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, lehnt den Drill in Südkorea zwar ab, lobt jedoch „die auf Leistung und Disziplin ausgerichtete Schulkultur“. Bei Reisen in asiatische Länder sei ihm positiv aufgefallen, „dass Bildung dort wie ein großes Geschenk empfunden wird“. Für den langjährigen Leiter des Internats Salem, Bernhard Bueb, „beruht der Bildungsnotstand auch auf einem Mangel an Führung“. Bueb verlangte „Fördermaßnahmen, die so früh wie möglich verpflichtend sein müssen, weil sonst jene Kinder nicht hingeschickt werden, die es am nötigsten haben, die sozial Schwachen und die Migranten“.

Eine Antwort auf die Schulmisere liefert Baden-Württemberg mit seinen Bildungshäusern, in denen Kindergärten eng mit Grundschulen zusammenarbeiten. Knapp 190 wird es davon ab Februar geben, kündigte die Stuttgarter Kultusministerin Marion Schick (CDU) an. Sie will darin „Kinder ab dem dritten Lebensjahr fördern und fordern“. Der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer begleitet das Modellprojekt. Der Neurologe sagte: „Auch Vier – und Fünfjährigen darf man durchaus Anstrengung zumuten. Das bringt den Kindern Erfolgserlebnisse und schadet ihnen nicht.“

Vier Fünftel der Deutschen (81 Prozent) sind für ein Zentralabitur in der Bundesrepublik. In einer Emnid-Umfrage für „Focus“ votierten nur 16 Prozent gegen eine einheitliche Reifeprüfung. Vor allem Anhänger der Grünen (94 Prozent) und der Linken (96 Prozent) sprechen sich für ein Zentralabi aus, bei den Anhängern der FDP sind 72 Prozent, bei denen der CDU/CSU 76 Prozent, bei denen der SPD sind es 88 Prozent. Bislang prüfen deutsche Gymnasien ihre Absolventen mit von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Tests auf ihre Hochschulreife. Bildungsexperten drängen auf eine Vereinheitlichung. Doch die Bundesländer beharren meist auf ihrer föderalen Selbstständigkeit in Bildungsfragen.

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© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

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