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Dächer von Berlin-Kreuzberg

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22.02.2015

Wohnungsnot Architekt Daniel Libeskind will Sozialwohnungen in Berlin bauen

Die Details seien allerdings noch nicht spruchreif.

Berlin – Der renommierte Stararchitekt Daniel Libeskind plant, etwas gegen die Wohnungsnot in der deutschen Hauptstadt zu unternehmen: „Ich habe fest vor, bald in Berlin Sozialwohnungen zu bauen“, sagte Libeskind der „Welt am Sonntag“ (22. Februar 2015). Die Details seien allerdings noch nicht spruchreif.

„Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist eines der drängendsten Probleme der Welt, egal ob es sich um Entwicklungs- oder Industrieländer handelt“, sagte Libeskind. Er sehe mit großer Sorge, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werde. Einer der Gründe sei die Gentrifizierung innerhalb der Städte, bei der die Besserverdiener die ärmeren Menschen aus ihren Wohnungen verdrängten.

Es sei eigentlich an den Städten, diese Entwicklung durch bezahlbaren Wohnraum abzufedern. „Unglücklicherweise wurde nach dem Krieg Sozialbau ein Synonym für Mittelmaß: Anonyme, herzlose Häuserblöcke, die nur Kriminalität und Unzufriedenheit produzieren.“ Libeskind hat sich vorgenommen, das zu ändern.

Auch in der chinesischen Stadt Wuhan baue er derzeit Sozialwohnungen. „Der Entwurf wurde noch nicht genehmigt, aber es handelt sich ganz gewiss nicht um Mietskasernen.“ Er habe versucht, ein Umfeld zu schaffen, in dem er selber gern leben würde – „und der Vorsitzende der kommunistischen Partei“.

Mit dem Projekt weicht der 68-jährige Architekt von seinem Vorsatz ab, in nicht-demokratischen Ländern keine Aufträge anzunehmen. „Ich habe Hunderte von Angeboten aus Ländern wie China oder Russland ausgeschlagen, aus ideologischen Gründen“, sagte Libeskind. Bei dem Projekt in Wuhan sei er aber sicher, dass er etwas zu den verbesserten Lebens- und Arbeitsbedingungen beitragen könnte.

An einem Ort wie Katar zu arbeiten, wo beim Bau der Fußball-WM-Sportstätten Arbeiter unter unmenschlichen Bedingungen schuften und mehr als 400 bereits gestorben sind, komme für ihn dagegen nicht infrage. „Wieso sollte ich an einem Ort arbeiten, wo die Arbeiter keine Rechte haben, wo es keine Gewerkschaften gibt, wo sie ausgebeutet werden, wo Sklaverei herrscht? Meine Eltern sind dem Holocaust entkommen. So etwas mache ich sicher nicht“, sagte Libeskind.

Gleichzeitig kritisierte er andere Stararchitekten, die nicht so zimperlich seien wie er: „Natürlich gibt es Architekten, die sagen, mir ist egal, ob die Arbeiter sterben auf meiner Baustelle, solange das Geld stimmt.“ Er dagegen mache nur Projekte, bei denen die Bauarbeiter gut bezahlt würden und eine Krankenversicherung hätten. „Würde ich wie meine so genannten Kollegen arbeiten, würde ich längst einen Ferrari fahren und nicht mit der New Yorker U-Bahn.“

Seit 2003 lebt Libeskind in New York, zuvor arbeitete er über ein Jahrzehnt in Berlin. Die deutsche Hauptstadt habe „nach der Wiedervereinigung eine architektonisch einzigartige Chance verspielt“, sagte Libeskind. Nach der Wiedervereinigung habe es in Berlin eine Nostalgiewelle gegeben.

„Gehen wir zurück in die Zeit vor dem Krieg, war das Motto: Die Gebäude sollten nicht höher als 22 Meter sein, wie es zu Zeiten von Kaiser Wilhelm üblich war.“ Alte Straßenverläufe seien wieder hergestellt worden, dabei habe eine moderne Stadt ganz andere Anforderungen. „Völlig verrückt und rückwärtsgewandt war das.“

Dementsprechend kritisch ist der Architekt auch dem Plan der Berliner gegenüber eingestellt, das alte Stadtschloss wieder aufzubauen. Die Idee sei fürchterlich. „Berliner sind eigentlich zu intelligent für eine solch populistische Aktion: Einen preußischen Prunkbau wiederzuerrichten und disneymäßige Möbel reinzustellen – eine Farce ist das.“

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