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Satellitenbild nach Boko-Haram-Angriff

© Michah Farfour/Digital Globe/Amnesty International über dpa

15.01.2015

Amnesty International Boko-Haram-Angriff löscht Ort von der Landkarte

Mehr als 3700 Gebäude zerstört oder beschädigt.

Abuja – Der Großangriff der islamistischen Terrororganisation Boko Haram auf die Stadt Baga im Nordosten Nigerias hat Amnesty International zufolge ein „katastrophales Ausmaß der Verwüstung“ hinterlassen.

Vor und nach der Offensive aufgenommene Satellitenbilder zeigen der Menschenrechtsorganisation zufolge, dass in den Orten Baga and Doron Baga mehr als 3700 Gebäude zerstört oder beschädigt wurden. „Einer der Orte wurde in vier Tagen fast komplett von der Landkarte gelöscht“, sagte der Nigeria-Experte von Amnesty, Daniel Eyre, am Donnerstag.

Die Satellitenbilder und Berichte Überlebender legen Amnesty zufolge nahe, dass die Zahl der Opfer wesentlich höher sein muss als die von der Regierung genannte Zahl von 150 Toten. Örtliche Beamte hatten nach den Angriffen, die am 3. Januar begannen, schon von Hunderten Toten gesprochen. Etwa 20 000 Menschen sind vor den Kämpfen in Nachbarländer geflohen, rund 150 000 Menschen in andere Landesteile Nigerias.

Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch analysierte Satellitenbilder von Baga und sprach von einem erschreckenden Ausmaß der Zerstörung. Die nigerianischen Streitkräfte versuchen derzeit Baga zurückzuerobern. Der Angriff sei der bisher schlimmste Terrorakt von Boko Haram in dem ölreichen westafrikanischen Land. „Er stellt einen absichtlichen Angriff auf die Zivilbevölkerung dar, deren Häuser, Kliniken und Schulen jetzt (…) abgebrannt sind“, sagte Eyres.

Augenzeugen berichteten Amnesty zufolge, die Kämpfer der sunnitischen Fundamentalisten hätten wahllos um sich geschossen. Die Straßen seien voller Leichen gewesen. Nach Aussage einer Augenzeugin nahmen die Terroristen in Baga auch viele junge Frauen als Geiseln. Boko Haram hat mehrfach Mädchen und Frauen entführt, um sie zwangsweise zu verheiraten oder als Sklaven zu missbrauchen. Die Entführung von mehr als 200 vorwiegend christlichen Schülerinnen aus dem Ort Chibok löste im vergangenen Jahr einen internationalen Aufschrei aus. Von den Mädchen fehlt weiter jede Spur.

US-Außenminister John Kerry warf Boko Haram während eines Besuchs in Bulgarien Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. In Berlin forderte die Sprecherin für Flüchtlingspolitik der Grünen im Bundestag, Luise Amtsberg, die Bundesregierung auf, sich „im Rahmen der internationalen Gemeinschaft für ein wirksames Konzept zur Bekämpfung von Boko Haram einsetzen.“

Boko Haram will im überwiegend muslimischen Norden Nigerias und den angrenzenden Gebieten in Kamerun und dem Tschad einen sogenannten Gottesstaat errichten. Bei Terroranschlägen der Gruppe wurden allein im vergangenen Jahr Tausende Menschen getötet.

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