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Thomas de Maizière

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07.05.2017

Umfrage Mehrheit begrüßt de Maizières Leitkultur-Vorstoß

„Natürlich muss eine deutsche Leitkultur offen bleiben.“

Berlin – Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet laut einer Umfrage den Leitkultur-Vorstoß von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

In der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die „Bild am Sonntag“ gaben 54 Prozent der Befragten an, die Forderung nach einer Leitkultur für Deutschland „sehr gut“ (14 Prozent) oder „eher gut“ (40 Prozent) zu finden. „Eher Schlecht“ sagten demnach 19 Prozent der Befragten, „sehr schlecht“ meinten sechs Prozent. 22 Prozent machten keine Angabe.

Unterstützung bekommt de Maizière vom ehemaligen Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD). „Es ist wichtig, dass wir uns immer wieder zwei Dinge klarmachen: Wer sind wir, und wie wollen wir zusammen leben. Deshalb begrüße ich auch die Debatte um eine deutsche Leitkultur“, sagte Dohnanyi der Zeitung.

„Natürlich muss eine deutsche Leitkultur offen bleiben. Deutschland hat immer viel von anderen gelernt. Dazu gehört dann, dass man mutig genug ist, auch Überzeugungen zu äußern, die in den eigenen Reihen unpopulär sind. Wir brauchen dafür in Deutschland allerdings mehr Zivilcourage in der öffentlichen Debatte und eine größere Bereitschaft, sich mit den Argumenten der anderen Seite auch ohne Polemik auseinanderzusetzen.“

Auch der Berliner SPD-Politiker Heinz Buschkowsky verteidigte den Bundesinnenminister. „Eine Leitkultur hat nichts mit Rechtstümelei oder Ausländerfeindlichkeit zu tun. Sie ist viel mehr eine Auseinandersetzung mit kulturellen Selbstverständlichkeiten“, sagte Buschkowsky der Zeitung. „Und wer sich nicht mit diesen Werten anfreunden will, dem sollten wir beim Kofferpacken helfen.“

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz warf de Maizière hingegen Spaltung vor. „Unsere Leitkultur ist das Grundgesetz. Artikel 1 lautet: `Die Würde des Menschen ist unantastbar`. Das muss unsere Richtschnur sein. In der Politik wie im Alltag. Respekt, Zusammenhalt und Gerechtigkeit – das macht unser Land stark. Nicht Ausgrenzung“, sagte Schulz der „Bild am Sonntag“.

Auch Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), kritisierte de Maizières Vorstoß: „Ich schätze den Bundesinnenminister. Der Begriff Leitkultur gehört aber nicht zu meinem Sprachgebrauch.“ Kultur und Traditionen seien lebendig und könnten nicht in Stein gemeißelt werden. „Ich glaube, wir tun gut daran, die Vielfalt in Deutschland als die Bereicherung wahrzunehmen, die sie ist“, sagte Kramer.

De Maizière meldete sich indes erstmals nach seinem Vorstoß zur Leitkultur zu Wort. „Mit meinen Thesen wollte ich zu einer Diskussion darüber einladen, was uns ausmacht, wer wir sind und wer wir sein wollen. Es ist gut, dass eben diese Diskussion nun an vielen Orten geführt wird und ich freue mich sehr über jeden konstruktiven Beitrag an dieser Debatte“, sagte de Maizière der Zeitung.

Für die Umfrage wurden am 04. Mai 500 Personen befragt. Die Auswahl der Befragten sei „repräsentativ“, teilte das Institut mit.

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