Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Panorama - newsburger.de

Mutter mit zwei Kindern

© über dts Nachrichtenagentur

14.04.2019

Studie Armutsrisiko für Familien mit Kindern steigt

Familien im „roten Bereich“ könnten nur leben, weil sie jeden Cent dreimal umdrehten.

Berlin – Für Familien mit drei und mehr Kindern wächst in Deutschland seit Jahren das Armutsrisiko. Das zeigt eine Untersuchung im Auftrag des Familienbundes der Katholiken und des Deutschen Familienverbandes, über die die „Welt am Sonntag“ berichtet.

Der Grund ist die Belastung mit Steuern und Abgaben, die selbst für Familien mit einem mittleren Jahreseinkommen zwischen 30.000 bis 50.000 Euro brutto schon relativ hoch ist. Zieht man vom Nettoeinkommen das gesetzlich garantierte Existenzminimum von Eltern und Kindern ab, dann rutschen viele Familien sehr schnell in die roten Zahlen.

Der Berechnung zufolge liegt das Einkommen einer Familie, die brutto 35.000 Euro im Jahr verdient und zwei Kinder hat, nach Abzug von Sozialabgaben und Steuern monatlich 232 Euro unter dem Existenzminimum. Im Gesamtjahr summiert sich dieses Minus auf 2.779 Euro. Für Familien mit fünf Kindern addiert sich der Fehlbetrag sogar auf stattliche 17.839 Euro, zeigen die Datenreihen der Studie.

Dabei sind 35.000 Euro Jahresbruttoeinkommen gar nicht so wenig. Der Durchschnitt in Deutschland lag im vergangenen Jahr bei 35.189 Euro. Trotzdem bleibt nach Steuern und Abgaben offenbar zu wenig übrig. Selbst Familien mit 50.000 Euro Jahresbruttoeinkommen fallen mit mehr als drei Kindern bereits in den roten Bereich.

Die Lage der Betroffenen hat sich der Studie zufolge nicht verbessert. Im Gegenteil: Vor fünf Jahren fiel das Jahresminus für Familien mit zwei Kindern und 35.000 Euro Jahreseinkommen noch deutlich niedriger aus, es lag bei 807 Euro. Familien mit fünf Kindern verdienten damals netto 14.391 Euro weniger als das Existenzminimum.

Die Entwicklung resultiert nicht nur aus gestiegenen Steuern und Abgaben, sondern vor allem aus dem gewachsenen gesetzlichen Existenzminimum. Dieses sieht vor, dass dem Einkommensteuerpflichtigen netto genug Geld übrig bleiben soll, damit er seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie bestreiten kann.

Maßstab für die Berechnung des Betrags, der bei der Lohnsteuer als Freibetrag eingesetzt wird, ist das sozialhilferechtlich definierte Existenzminimum. Derzeit liegt es für Erwachsene bei 9.168 Euro, für Kinder beträgt es 7.620 Euro.

Die Auftraggeber der Untersuchung empfinden diesen Betrag angesichts der von ihnen erhobenen Zahlen als zu gering. Sie fordern außerdem: „Das Existenzminimum eines Kindes muss gleich hoch angesetzt werden, wie das eines Erwachsenen.“

Familien im „roten Bereich“ könnten nur leben, weil sie jeden Cent dreimal umdrehten. „Sie schränken sich an allen Ecken und Enden ein“, heißt es in einer Stellungnahme der Verbände. Die negative Einkommenssituation habe zur Folge, dass Familien in schlechtere Wohnlagen ausweichen, sich im Konsum einschränken und auf zusätzliche Altersvorsorge verzichten müssten. „Der rote Bereich bildet letztendlich das ab, was ihnen am gesetzlich definierten Existenzminimum regelmäßig fehlt“, kritisieren Familienbund und Familienverband.

Auch das Kindergeld sei keine echte Wiedergutmachung für diese Entwicklung, warnen sie. Es habe nach Paragraf 31 Einkommensteuergesetz die Aufgabe, die verfassungswidrige Besteuerung für Menschen mit Kindern zu korrigieren. „Kindergeld wird also vor allem bezahlt, weil Kinder bei der Lohnsteuerbemessung nicht berücksichtigt werden.“

Der Transfer sei also eine Rückzahlung von zu viel und zu Unrecht eingenommener Lohnsteuer. Nur jener Anteil des Kindergelds, der die zu viel einbehaltene Lohnsteuer übersteige, sei dann auch eine echte Förderung für die Familien.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/studie-armutsrisiko-fuer-familien-mit-kindern-steigt-110173.html

Weitere Meldungen

Junge Frau auf einer Wiese

© über dts Nachrichtenagentur

Umfrage Jeder Dritte hat Diät ausprobiert

Mehr als jeder dritte Bundesbürger hat mehrfach eine Diät ausprobiert. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der ...

Kreißsaal

© über dts Nachrichtenagentur

Trisomie Medizinethik-Experte für Bluttests auf Kassenkosten

Der Mannheimer Jurist und ehemaliges Mitglied im Deutschen Ethikrat Jochen Taupitz drängt darauf, dass Krankenkassen den pränatalen Bluttest zur Erkennung ...

Evangelische Kirche

© über dts Nachrichtenagentur

Trisomie Evangelische Kirche für Bluttests als Kassenleistung

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich dafür ausgesprochen, vorgeburtliche Bluttests auf Trisomie unter bestimmten Bedingungen zur ...

Bericht 1,6 Millionen Menschen beantragten 2018 erstmals Pflegeleistungen

Im vergangenen Jahr haben rund 1,61 Millionen Menschen in Deutschland erstmals Pflegeleistungen beantragt. Das geht aus der Antwort des ...

Umfrage Rentner klagen über mangelnden Respekt vor Lebensleistung

Knapp die Hälfte der deutschen Rentner vermisst eine Anerkennung der Lebensleistung. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA für "Bild" gaben ...

Umfrage Deutsche Rentner um politische Weltlage besorgt

Die politische Weltlage macht den Deutschen im Rentenalter am meisten Angst. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA für die "Bild" ...

Studie Nur jeder zehnte Autofahrer rast

Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen würde wohl nur eine Minderheit der Verkehrsteilnehmer treffen. Das geht aus einer Studie des Verkehrsministeriums ...

Umfrage Die meisten Rentner sind zufrieden

Eine große Mehrheit der Menschen im Rentenalter ist mit ihrer eigenen Lebenssituation zufrieden. In einer INSA-Umfrage äußerten sich 71 Prozent der ...

Umfrage Mehrheit für doppelte Widerspruchslösung bei Organspenden

Die Mehrheit der Bundesbürger kann sich mit der Organspende-Initiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) anfreunden. Das ergab eine Umfrage ...

Bericht Fast zwei Millionen Deutsche sind tablettensüchtig

Nach neuen Zahlen der Bundesregierung sind deutschlandweit 1,96 Millionen Menschen abhängig von Medikamenten wie Schmerzmittel, Schlaftabletten und ...

Psychologin Einsame Menschen geraten in „Negativspirale“

Einsamkeit macht Menschen misstrauisch. Wer lange unfreiwillig allein sei, verliere die Fähigkeit soziale Kontakte aufzubauen, sagte die Psychologin Maike ...

"Medizinischer Humbug" Ärztepräsident hat kein Verständnis für Impfgegner

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hat eine Impfpflicht für ausgewählte Krankheiten gefordert. In der "Passauer Neuen Presse" ...

Mikrozensus 53 Prozent der Erwachsenen waren 2017 übergewichtig

53 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind im Jahr 2017 übergewichtig gewesen. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag auf Basis ...

Studie Ostdeutsche und Migranten ähnlich stark benachteiligt

Knapp 30 Jahre nach dem Fall der Mauer sind die Ostdeutschen ähnlich benachteiligt wie Migranten. Das ergab eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für ...

Umfrage Große Mehrheit der Deutschen gegen Gendersprache

Die Mehrheit der Deutschen lehnt die Nutzung geschlechtsneutraler Sprache ab. Auch die Debatten darüber halten viele für überflüssig und übertrieben, wie ...

Umfrage 77 Prozent für Impfpflicht gegen Masern

Die klare Mehrheit der Bundesbürger spricht sich für eine Impfpflicht gegen Masern aus. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im ...

Klimapolitik Zehntausende bei „Fridays for Future“

Am Freitag sind in zahlreichen Städten mehrere Zehntausend überwiegend junge Menschen unter dem Motto "Fridays for Future" auf die Straße gegangen, um für ...

Umfrage Mehrheit sieht Mängel bei Lehrerbildung zum Thema Inklusion

57 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass Lehrer nicht hinreichend für die Herausforderungen der Inklusion ausgebildet sind. Das ist ein Ergebnis ...

Bericht Deutsche essen immer mehr Geflügel

Die Deutschen essen häufiger Geflügel, aber immer seltener Schweinefleisch. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf aktuelle Zahlen ...

Passauer Bischof Oster „Beim Zölibat ist Spielraum drin“

Der Passauer Bischof Stefan Oster sieht neue Spielräume in der katholischen Kirche für Änderungen beim Zölibat. Der "Passauer Neuen Presse" (PNP, ...

"Fridays for Future" Jugendforscher glaubt an Fortdauer der Proteste

Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann glaubt, dass die "Fridays-for-Future"-Proteste weiter anhalten werden. "Sie haben es bisher geschafft, sich nicht von ...

Mazyek „Moscheen in Deutschland sind praktisch ungeschützt“

Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, fordert einen besseren Schutz von Moscheen in Deutschland. Bezüglich des ...

"Fridays for Future" Von Weizsäcker begrüßt Schülerproteste für Klimaschutz

Ernst Ulrich von Weizsäcker, Wissenschaftler und Ehrenpräsident des Club of Rome, begrüßt die weltweiten Schülerproteste für mehr Klimaschutz. ...

Christchurch-Anschlag Zentralrat der Muslime warnt vor Nachahmung

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, warnt vor einem Terroranschlag auf Moscheen in Deutschland nach dem Vorbild von ...

Gesellschaft für Intersexualität Kramp-Karrenbauer muss noch Respekt vor allen Menschen lernen

Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) hat den fragwürdigen Karnevals-Witz der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer ...

Innenministerium Mops hätte nicht gepfändet werden dürfen

Im Fall der gepfändeten Mops-Dame gerät die Stadt Ahlen zunehmend in Erklärungsnot. Nach Einschätzung des NRW-Innenministeriums hätte der Hund wohl gar ...

Bericht Verbrauch kleiner Plastikbeutel für Obst und Gemüse steigt

Die Deutschen kaufen im Supermarkt zwar immer seltener Tragetaschen aus Kunststoff, dafür steigt jedoch der Pro-Kopf-Verbrauch kleiner häufig kostenloser ...

Statistisches Bundesamt 0,2 % weniger Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2018

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche nahm 2018 gegenüber dem Vorjahr um 0,2 % ab. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, wurden 2018 ...

Salzburger Theologe Reaktion des Papstes auf Missbrauchsskandal „billig und defensiv“

Der Salzburger Theologe Hans-Joachim Sander hat die Erklärung von Papst Franziskus zum Abschluss des "Anti-Missbrauchsgipfels" am Sonntag in Rom scharf ...

Missbrauchsbeauftragter Mehr Geld und Anerkennung für Opfer

Unmittelbar vor dem vatikanischen Gipfeltreffen zur Aufarbeitung der weltweiten Missbrauchsskandale wächst der Druck auf die katholische Kirche, sich ...

Schulschwänzen 8000 Bußgeldverfahren in NRW

In Nordrhein-Westfalen sind im vergangenen Jahr rund 8000 Bußgeldverfahren wegen Schulschwänzens verhängt worden. Das geht aus Statistiken der ...

Philologenverband Schüler sollen an Altweiber keine Getränke mit zur Schule bringen

Damit es an den Schulen an Altweiber nicht zu Alkoholexzessen kommt, macht sich der Philologenverband in NRW dafür stark, dass Schüler an den närrischen ...

Kiel Universität erlässt Schleier-Verbot für Muslima

Die Kieler Christian-Albrechts-Universität hat nach einem Konflikt mit einer muslimischen Studentin ein Schleier-Verbot erlassen. Das berichten die "Kieler ...

Weitere Nachrichten