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innerdeutsche Mauer, Niederkirchnerstraße in Berlin

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07.11.2014

Historiker DDR-Forschung hat keine Lobby

„Das ist eine Kette, die ich unerträglich und unerklärlich finde.“

Berlin – Der Berliner Historiker und Publizist Ilko-Sascha Kowalczuk hat aus Anlass des 25. Jahrestages des Mauerfalls vehement die institutionellen Bedingungen zur Erforschung der DDR kritisiert. „Es gibt keine Lobby für die DDR-Forschung“, sagte Kowalczuk der „Mitteldeutschen Zeitung“.

„In diesem großen reichen Land gibt es Lehrstühle für die Geschichte Vietnams oder die Gegenwart von Nepal, und das ist alles absolut richtig. Aber es gibt keinen einzigen Lehrstuhl für die Geschichte der DDR. Das halte ich schon für bedenklich.“

Kowalczuk begründet: „Die meisten Universitäten, die Geschichte lehren, bilden Geschichtslehrer aus. Und wenn die an den Universitäten kein Wissen über die DDR erhalten, können sie das nicht in den Schulen weitergeben. Das ist eine Kette, die ich unerträglich und unerklärlich finde. Man könnte ja Lehrstühle zur Geschichte des Kommunismus oder zur Geschichte von Diktaturen einrichten. Aber nichts geschieht.“

Der Mangel an wissenschaftlicher DDR-Forschung führe laut Kowalczuk zu einer fortgesetzten „Schieflage“ in der öffentlichen DDR-Reflexion.

„Und das ist doch das Problem, dass wir uns unentwegt in den Medien unsere Vergangenheit von Sportlern, Schlagersängern, Schauspielern oder irgendwelchen Leuten erklären lassen müssen, die wir schätzen, aufgrund ihrer Profession, aber doch nicht aufgrund ihrer historischen oder politischen oder philosophischen Einsichten. So funktioniert aber die Medienwelt. Das ist total gaga. Kein Mensch muss sich von einer Sängerin die Vergangenheit erklären lassen. So kommen die Schieflagen herein.“

Kowalczuk ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin. Er veröffentlichte unter anderem die Büchern „Stasi konkret“ und „Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR“.

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