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Skibbe nach nur 52 Tagen entlassen

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12.02.2012

Hertha BSC Skibbe nach nur 52 Tagen entlassen

Fünf Pflichtspiele hintereinander verloren.

Berlin/Stuttgart – Hertha BSC hat auf die rasante Talfahrt mit einer der schnellsten Trainer-Entlassungen der Bundesliga-Geschichte reagiert. Michael Skibbe musste nach nur 52 Tagen wieder seinen Stuhl in Berlin räumen, wie die Nachrichtenagentur dapd am Sonntag erfuhr. Damit zog der Klub einen Tag nach dem deftigen 0:5 (0:4) beim VfB Stuttgart und der fünften Niederlage im fünften Spiel unter dem früheren DFB-Trainer die Reißleine. “Das Trainergeschäft ist so, dass der Trainer dann geht”, bestätigte Hertha-Kapitän Andre Mijatovic nach einer Aussprache einiger Spieler mit verärgerten Vereinsanhängern am Sonntagvormittag die Trennung des Klubs von Skibbe.

Ein Nachfolger für Skibbe, der erst am 22. Dezember 2011 das Erbe von Aufstiegstrainer Markus Babbel angetreten hatte, ist noch nicht bekannt. Doch die Zeit drängt: 13 Spieltage vor Saisonende befindet sich der Traditionsklub mit nur 20 Punkten auf der Habenseite in höchster Abstiegsgefahr. Der letzte Sieg liegt schon über drei Monate (3:2 in Wolfsburg am 29. Oktober 2011) zurück.

Mit der Entlassung von Skibbe ist bei der Hertha bereits der vierte Trainerwechsel in der Ära Michael Preetz seit Sommer 2009 perfekt. So dürfte auch die Kritik an dem Manager kaum verstummen. Chaotisch geht es derzeit aber nicht nur in der Chefetage zu. Etwa 200 verärgerte Anhänger sind am Sonntagmorgen auf das Trainingsgelände des Vereins eingedrungen. Die Fans wollten die Hertha-Spieler nach der schwachen Leistung in Stuttgart zur Rede stellen.

Ratlosigkeit und Niedergeschlagenheit herrschten bei der Hertha bereits am Samstag nach dem Spiel in Stuttgart. Schon da war Preetz ein Bekenntnis zum Trainer nicht mehr zu entlocken. “Wir werden jetzt nach Hause fahren. Alle, die Mannschaft, der Trainer und ich. Und wir werden das Spiel aufarbeiten”, sagte der 41-Jährige gequält. Die Aufarbeitung verlief dann recht zügig. Nicht einmal 24 Stunden später war die Entscheidung gefallen.

Die Eindrücke nach der höchsten Niederlage seit fünf Jahren und dem endgültigen Sturz in den Tabellenkeller wogen offenbar zu schwer. Skibbe, gekommen als Hoffnungsträger im Kampf um den Abstieg, hatte da noch nicht mit einer derart schnellen Entlassung gerechnet. “Ja, ja, ich spüre noch Rückendeckung”, stammelte der 46-Jährige und hoffte auf eine weitere Chance im kommenden Spiel gegen Meister Borussia Dortmund.

So schnell wie Skibbe war letztmals Jens Keller beim VfB Stuttgart seinen Job los. Im Dezember 2010 musste der frühere Bundesligaprofi nach 59 Tagen seinen Platz für Bruno Labbadia räumen. Damals hinterließ der VfB einen leblosen Eindruck, so wie die Hertha jetzt.

“Das war der Tiefpunkt der Saison”, analysierte Rotsünder Andreas Ottl treffend. Quasi ohne Gegenwehr hatte sich der Aufsteiger vor 45.000 Zuschauern in der klirrenden Stuttgarter Kälte binnen 16 Minuten von Dreifachtorschützen Martin Harnik (28./41./58.), Vedad Ibisevic (25.) und Shinji Okazaki (32.) zum K.o. zwingen lassen.

“Ein schwarzer Tag”, führte Ottl fort: “Die Gefahr, dass wir zerbrechen, ist sicherlich da.” Skibbe sprach mit versteinerter Mine von “der schlimmsten Halbzeit, die ich je erlebt habe. Das war eine absolute Katastrophe. Anders kann ich es nicht erklären.”

Erklärungen versuchten nach der vierten Liga-Niederlage in Folge immerhin andere zu finden. “Man muss sich stellen”, sagte Peter Niemeyer. Der Gang, den er just nach Spielende gemeinsam mit Kapitän Mijatovic und Roman Hubnik zu den noch wenigen anwesenden Hertha-Fans gemacht hatte, war kein leichter. Minutenlang diskutierten die Spieler mit den aufgebrachten Anhängern, die schon nach 30 Minuten “Skibbe raus” gerufen hatten. “In der ersten Halbzeit war das Spiel grausam, in der zweiten Halbzeit war es grausam, auf dem Platz zu stehen. Ich musste mich in aller Form entschuldigen”, sagte Niemeyer.

Preetz zumindest war sich “hundertprozentig sicher, dass es so einen Auftritt nicht mehr geben wird”. Im “Aktuellen Sportstudio” formulierte er diese Aussage sogar als “Versprechen. Wir werden drin bleiben”. Daran wird er sich messen lassen müssen.

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