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Evangelische Kirche

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08.04.2015

Religion EKD-Ratsvorsitzender fordert „Kultur der Einmischung“

„Wir brauchen ein Fundament klarer ethischer Orientierungen.“

Berlin – Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat eine „Kultur der Einmischung“ gefordert. Christen sollten sich an der Radikalität des vor 70 Jahren im KZ ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer orientieren.

„Unsere gegenwärtige Kirche, die in der Gefahr steht, sich bürgerlich einzurichten, braucht solche Impulse. Radikalität und Realismus werden heute in der Regel als Widerspruch gesehen. Bei Bonhoeffer finden sie zusammen“, schreibt der EKD-Ratsvorsitzende in der „Zeit“.

Bonhoeffer hatte sich dem Widerstand gegen Hitler angeschlossen und sich an Attentatsplänen beteiligt. Am 9. April 1945 wurde er wegen Hochverrats hingerichtet. In seiner Hommage an den evangelischen Märtyrer schreibt Bedford-Strohm: „So wie bei Bonhoeffer lassen sich die Aufgaben der Kirche gegenüber Staat und Öffentlichkeit auch heute zusammenfassen“: „Verantwortlichmachung des Staates“, „Dienst an den Opfern des Staatshandelns“, „dem Rad selbst in die Speichen zu fallen“.

Bedford-Strohm mahnt, dass die politische Einmischung „keineswegs nur in der Diktatur gilt, sondern auch in demokratischen Gesellschaften eine Option sein kann“. Er fragt konkret: „Wollen wir als Christen ein militärisches Eingreifen im Kampf gegen den Terror des ‚Islamischen Staates‘?“ Wörtlich antwortet er: „Wer militärisch handelt, macht sich schuldig. Aber auch, wer nichts Wirksames gegen den Terror tut, lädt Schuld auf sich.“

Bedford-Strohm forderte seine Kirche auf, „schwierigen ethischen Entscheidungssituationen nicht aus dem Weg zu gehen“. Dietrich Bonhoeffer sei hier beispielgebend: „Mit seiner Bereitschaft, an der Planung des Attentats auf Hitler mitzuwirken, zog er selbst die praktischen Konsequenzen.“

Und weiter: „Seine authentische Existenz im Glauben, das christliche Zeugnis gegen den Nationalsozialismus und schließlich die Hingabe seines Lebens inspirieren weltweit all jene, die sich gegen Gewalt und für die Menschenwürde einsetzten.“

Abschließend fordert der Ratsvorsitzende von seiner Kirche: „Wir brauchen ein Fundament klarer ethischer Orientierungen. Sie müssen auf öffentliche Verantwortung zielen. Nur so können wir Christen den Herausforderungen der eigenen Zeit begegnen.“

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