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Doping-Jäger Franke attackiert Erfurter Arzt: „Eine Frechheit

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17.01.2012

Franke Doping-Jäger Franke attackiert Erfurter Arzt: „Eine Frechheit“

UV-Behandlung des Blutes schon zu DDR-Zeiten – Bis 2010 möglicherweise juristische Grauzone.

Berlin – Hat ein Erfurter Sportmediziner Top-Athleten jahrelang gedopt? Oder dienten seine minutiösen Spezialbestrahlungen des Blutes mit ultraviolettem Licht doch nur zur Behandlung von Infekten? Die Erfurter Staatsanwaltschaft ermittelt seit Sommer in der Angelegenheit, der Heidelberger Anti-Doping-Experte Professor Werner Franke hält die Aussagen des verdächtigten Arztes allerdings schon jetzt für unglaubwürdig.

“Es ist eine Frechheit, wie er andere für doof hält. Das ist ganz klar eine Doping-Methode, die schon im Sportsystem der Staatssicherheit der DDR angewendet wurde”, sagte Franke der Nachrichtenagentur dapd.

Der Sportmediziner, gegen den die Staatsanwaltschaft Erfurt seit Frühjahr wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt, hatte am Montag in einer Erklärung seine Methode gerechtfertigt. Ein leistungssteigernder Effekt sei mit dieser Behandlungsmethode weder verbunden noch beabsichtigt, sagte der ehemalige Arzt am Olympiastützpunkt Erfurt. Konkret wird ihm vorgeworfen, Athleten Blut entnommen, mit UV-Licht bestrahlt und ihnen wieder zugeführt zu haben. Die Methode soll die Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Blutes verbessern, ist aber umstritten.

Der Doktor jedenfalls wendet nach eigener Aussage diese Methode zur Infektbehandlung seit mehr als 20 Jahren an.

“Da lache ich mir den Ast ab”, sagte Molekularbiologe Franke, den die aktuelle Affäre an den Dopingskandal von Turin 2006 erinnert. “Als man in den Olympia-Quartieren der österreichischen Sportler UV-Lampen sicherstellte, bekam ich auch einen Lachanfall. So etwas wurde früher eigentlich nur bei Dynamo praktiziert.”

Bei den Olympischen Spielen in Turin waren damals die Quartiere der Österreicher um den damaligen Langlauftrainer und Drahtzieher Walter Mayer durchsucht und dabei Hilfsmittel für verbotene Doping-Methoden wie kleine UV-Lampen in ihren Zimmern entdeckt worden. Daraufhin waren sechs Biathleten und Langläufer auch ohne positiven Befund lebenslang von Olympia ausgeschlossen worden. Später wurde dann auch bekannt, dass den Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann, die damals in einer Nacht- und Nebelaktion aus Turin geflüchtet waren, Blutdoping nachgewiesen worden war.

“Die UV-Methode ist auch keine neue Erfindung,” erklärt Doping-Gegner Franke. Es gab schon in den 80er Jahren in der DDR geheime Treffen “zur Ultraviolettbestrahlung” des Blutes, wie der dapd vorliegenden Dokumente belegen.

Auch der Erfurter Mediziner wendet die Praktiken seit 20 Jahren an. Er sei “nicht darauf gekommen, dass diese Infektionsbehandlung dopingrelevant sein, geschweige denn irgendwann einmal als dopingrelevant eingestuft werden könnte”, erklärte er. Diese Methode deshalb mit Doping oder gar ‘Blutdoping’ in Zusammenhang zu bringen sei “absurd”.

Das sehen der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) anders. Blutdoping bei Hochleistungssportlern ist bei der NADA seit Jahren verboten. Seit 2011 ist zudem “die sukzessive Entnahme, Manipulation und Wiederzufuhr von Vollblut, ganz gleich in welcher Menge, in das Kreislaufsystem” Bestandteil der WADA-Verbotsliste. Darunter fallen somit jetzt auch kleinste Mengen, wie die 50 Milliliter, die der verdächtige Arzt abnahm. Bis Ende 2010 könnte sich der Sportmediziner möglicherweise in einer juristischen Grauzone bewegt haben.

“Ob und inwieweit es sich bei der von Herrn F. eingesetzten Methode um eine verbotene Methode im Sinne der WADA-Verbotsliste handelt haben Schiedsrichter beim Deutschen Schiedsgericht zu klären”, hieß es in einer Stellungnahme der NADA. “Soweit dies bejaht wird, gilt es ebenso zu entscheiden, ob die jeweils betroffenen Athleten einen schuldhaften Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen begangen haben oder nicht.”

Nach Erachtens der NADA sei jedenfalls ein solcher Verstoß nicht von vornherein ausgeschlossen. Auf eine Leistungssteigerungsabsicht komme es beim Einsatz der Methode nicht an.

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