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Mann im Rollstuhl

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15.06.2017

"Kultur des Hinschauens" Stiftung Patientenschutz will Debatte über Gewalt in der Pflege

„Wir brauchen eine offene Fehlerkultur, die Pflegebedürftige schützt.“

Dortmund – Zum Welttag gegen die Misshandlung alter Menschen hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz eine „Kultur des Hinschauens“ bei Gewalt in der Pflege gefordert. „Wir brauchen eine offene Fehlerkultur, die Pflegebedürftige schützt“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag).

Brysch zeigte sich besorgt über die Ergebnisse einer Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Danach sehen knapp die Hälfte (47 Prozent) von 250 befragten Pflegedienstleitungen und Qualitätsbeauftragten aus stationären Einrichtungen in Konflikten, Aggression und Gewalt in der Pflege eine besondere Herausforderung. Brysch betonte: „Sollten sich die Zahlen der ZQP-Studie bestätigen, dann reden wir von Hunderttausenden Pflegebedürftigen, die unter den Übergriffen leiden. Das ist alarmierend.“

Der Patientenschützer forderte, auf allen Ebenen müsse über Formen der Gewalt gesprochen werden: „So wird sensibilisiert.“ In Pflegeheimen und Krankenhäusern sei jeder einzelne im Team gefordert. Ärzte und Pflegedienste müssten bei Hausbesuchen genau hinschauen und Verantwortung übernehmen.

Der Patientenschützer verlangte: „Es gilt, ein Gespür für die Gewalt gegen Pflegebedürftige zu entwickeln.“ Dabei müsse mit zwei Irrtümern aufgeräumt werden: „Gewalt in der Pflege ist nicht nur körperliche Misshandlung. Sie fängt viel früher an“, betonte Brysch. Dazu gehöre, dass Pflegebedürftige fixiert oder auf der Toilette sitzen gelassen werden, dass sie beschimpft und gedemütigt werden. Ein großes Problem sei auch, dass in vielen Pflegeheimen Patienten mit Psychopharmaka ruhig gestellt werden. Aber auch zu Hause komme es immer wieder zu Übergriffen.

Nach Ansicht des Patientenschützers ist nicht immer Überforderung der Pflegenden der Grund. „Es sind nicht selten niedere Motive, die sowohl Profis als auch Angehörige zu Tätern werden lassen. Dazu gehören Machtphantasien, Eigensucht oder Selbstüberschätzung.“

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