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Zwischen Stand-Up und Arie

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22.01.2012

WDH Zwischen Stand-Up und Arie

Harald Schmidt und Concerto Köln starten Deutschlandtournee in Düsseldorf.

Düsseldorf – Als Harald Schmidt die Bühne betritt, wird schnell klar, dass er sich nicht an die klassische Rolle des Opernsängers halten wird. Jovial grüßt der Fernsehunterhalter in das Publikum und reicht dem ersten Geiger des Concerto Köln die Hand. Und nach der musikalischen Ouvertüre zu Mozarts Singstück “Der Schauspieldirektor” übernimmt er die Rolle des Confrenciers, der die Zuhörer ins Werk einführt. “Mein Name ist Schmidt”, sagt er zur Begrüßung.

Er sei heute Abend für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und vertrete den Schauspieldirektor, der in Barcelona gerade ein Stück inszeniere. Und auch wenn der Direktor verhindert sei, so schicke er doch “ganz viele Tois” an die Besucher der Düsseldorfer Tonhalle.

In der Landeshauptstadt startet an diesem Samstagabend die Deutschlandtournee von Concerto Köln und Harald Schmidt: Im Mittelpunkt des rund zweistündigen Abends steht das Mozart-Werk, das 1786 erstmals in Wien aufgeführt wurde. In der Bearbeitung von Harald Schmidt wird das Singstück vom “Schauspieldirektor” allerdings eine Mischung aus Stand-Up und klassischen Opernpassagen.

In dem Stück werden die Eitelkeiten der Opernwelt zur Schau stellt: Schmidt nutzt die inhaltliche Vorlage, um in freier Assoziation den gesamten modernen, subventionierten (Musik-)Theaterbetrieb auf die Schippe zu nehmen. Dass Mozart das Stück in 14 Tagen komponiert habe, sei echt “krass”. Er benutze den Ausdruck jetzt, weil die Branche gezwungen sei, “junge Menschen für die Klassik zu gewinnen”. Drei Sätze später lästert Schmidt über “Nathan der Weise” und sinniert darüber, ob die Ringparabel in Zeiten der Twitter-Kommunikation nicht besser “auf 140 Zeichen reduziert” werden sollte.

Zwischen seinen Ausführungen treten die drei weiteren Solisten des Abends auf und singen ihren Part. Vor allem der Zweikampf zwischen den beiden Sängerinnen Madame Herz (Julia Bauer) und Mademoiselle Silberklang (Yeree Suh) um die Position der ersten Sängerin wird mit viel Sinn für Ironie in Szene gesetzt. Zum Abschluss schlüpft Schmidt zudem in Rolle des Monsieur Buff und singt die Bass-Partie. Wobei schon sein Name verrät, dass sein Part nicht so ganz ernst gemeint ist. “Ich heiße Buff – nur um ein O brauch ich den Namen zu verlängern”, singt Schmidt. Buffo ist das italienische Wort für komisch oder witzig.

Der Entertainer kann eine Ausbildung zum Kirchenmusiker nachweisen und weiß, dass er sich mit seinem Opernausflug auf gewagtes Terrain begibt. Er kokettiert damit und freut sich über die Reaktionen der Kollegen, die ihm bescheinigen, dass das Stück durch seine Beteiligung “eine völlig andere Dimension” bekommen habe. Aber in künstlerischen Dingen muss man eben zur Grenzüberschreitung bereit sein. Oder mit den Worten Schmidts: “Wenn es der künstlerischen Sache dient, muss man sein Ego auch mal zurückstellen!”

Das Publikum verfolgt die Einlassungen und Bissigkeiten Schmidts mit Begeisterung, auch die Opernpassagen sowie die vorausgehenden Sinfonien (Nr. 4 c-Moll von Henri-Joseph Rigel und Nr. 1 C-Dur von Ludwig van Beethoven) des Concerto Köln können überzeugen. Das Zusammenspiel zwischen klassischer Musik und Stand-Up wirkt allerdings bisweilen etwas zu bemüht. Dennoch: Die Besucher entlassen die Beteiligten erst nach einer Zugabe in den Feierabend.

Die Deutschlandtournee von Schmidt und dem Concerto Köln dauert noch bis 6. Mai. Auftritte sind unter anderen in Frankfurt (22. Januar), München (29. Januar) und zum Abschluss in Berlin geplant. Wegen mangelnder Kartennachfrage mussten die ersten beiden vorgesehenen Termine in Norddeutschland allerdings abgesagt werden. Auch in der Düsseldorfer Tonhalle bleiben etliche Plätze frei.

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