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Zwischen Arbeitsrausch und Selbstzweifel

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01.02.2012

Martin Wuttke Zwischen Arbeitsrausch und Selbstzweifel

Der Schauspieler Martin Wuttke wird 50.

Berlin – Er bellt, speit, schreit, tobt und kriecht auf allen Vieren über die Bühne. Der Schweiß glänzt auf dem verzerrten Gesicht. Wenn Martin Wuttke den Arturo Ui spielt, verausgabt er sich bis zur Erschöpfung. Seine Paraderolle in Brechts Stück “Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui”, in dem in einer Parabel die Machtergreifung Hitlers in die Gangsterwelt übertragen wird, machte ihn 1995 zum Theaterstar. Mehr als 350 Vorstellungen der Inszenierung Heiner Müllers liefen bislang im Berliner Ensemble – nahezu immer vor ausverkauften Haus.

Am 8. Februar feiert Wuttke seinen 50. Geburtstag. Nicht nur auf der Theaterbühne zählt er zu den renommiertesten deutschen Schauspielern, längst hat er sich auch als fernseh- und filmkompatibel erwiesen. Bekannt ist er vor allem durch seine Rolle im “Tatort”: Seit 2008 ermittelt der nur 1,70 Meter große Mann mit dem schütteren Haar als Leipziger Kommissar Keppler an der Seite von Simone Thomalla.

Wuttke, der mit der Schauspielerin Margarita Broich verheiratet ist und zwei Söhne hat, ist ein Vollblutschauspieler. Er mag den Zustand zwischen Arbeitsrausch und Selbstzweifel, liebt die Extreme und lebt sie auf der Bühne wie kaum ein anderer aus. Vor sieben Jahren, als das BE den Arturo Ui in Japan zeigte, brach er sich bei einer Probe den Finger. Trotz großer Schmerzen spielte er in Tokio die anstrengende Rolle – mit einer eigens angefertigten Aluminiumschiene. Das japanische Publikum jubelte ihm dafür zu.

Mit gebrochenem Arm spielte er kurz darauf bei Dostojewksis “Schuld und Sühne” bei den Wiener Festwochen. “Ich hätte mich vom Arzt krankschreiben lassen können. Aber das Gnadenlose hat auch seinen Reiz”, sagte Wuttke der Wiener Zeitung “Die Presse”.

Begeistert von Wuttke ist auch US-Starregisseur Quentin Tarantino. Für seinen Film “Inglourious Basterds” aus dem Jahr 2009 setzte er Wuttke als Adolf Hitler ein. Tarantino sei von Wuttkes Hitler-Karikatur in “Arturo Ui” so begeistert gewesen, dass er den Schauspieler unbedingt in seinem Film haben wollte, hieß es. Zuvor hatte Wuttke bereits mit Filmregisseuren wie Volker Schlöndorff in “Die Stille nach dem Schuss” und Margarethe von Trotta in “Rosenstraße” zusammengearbeitet.

Dass Wuttke seit wenigen Jahren verstärkt auf Film und Fernsehen setzt, hat auch mit Geld zu tun. “Während der jahrelangen Arbeit am Theater habe ich mich finanziell nicht gerade saniert”, räumte er in einem Interview ein. Darüber hinaus fasziniere ihn die Vorstellung, dass ein Film, der in 20 Tagen gedreht sei, von mehreren Millionen Menschen gesehen werde. “Das sind mehr Menschen, als die, vor denen ich im Theater in 20 Jahren rumgehampelt habe.”

Wuttke wurde am 8. Februar 1962 in Gelsenkirchen als Sohn eines Schlossers geboren. Die Mutter starb früh. Mit 16 flog er von der Schule, reiste durch die Welt und landete später eher zufällig auf einer Schauspielschule in Bochum. Ein erstes Engagement erhielt er 1984 am Schauspiel in Frankfurt am Main.

Danach spielte er unter anderem am Hamburger Thalia Theater. 1994 folgte der Wechsel ans BE. Bereits ein Jahr später hatte er seine Paraderolle in dem Brecht-Stück, wurde dafür prompt zum Schauspieler des Jahres gewählt. Nach dem Tod von Heiner Müller wurde er Anfang 1996 zum Intendanten des Hauses berufen. Das ging jedoch schief: Nach nur einem knappen Jahr gab er auf – offiziell wegen fehlender finanzieller Zusagen des Berliner Senats.

Seit 1999 spielt Wuttke häufig an der Berliner Volksbühne. Er begeisterte in Frank Castorfs Dostojewski-Inszenierungen. 2003 wurde er erneut zum Schauspieler des Jahres gewählt. Seit 2009 ist er auch am Wiener Burgtheater Ensemblemitglied.

Auch als Regisseur ist er erfolgreich, inszenierte unter anderem ein Stück von George Tabori und derzeit an der Wiener Burg Luis Bunuels Filmklassiker “Der Würgeengel”. Darüber hinaus plant er, an der Berliner Volksbühne drei Mal hintereinander Titelrollen in Molière-Stücken zu spielen. ” Den “Eingebildeten Kranken” inszeniere er selbst – parallel probiere er der “Geizige” in der Regie von Frank Castorf, sagte er “Die Presse”. Dann komme noch der “Menschenfeind”.

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