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Zwickauer Zelle: Polizistenmord zur Waffenbeschaffung

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24.12.2011

Extremismus Zwickauer Zelle: Polizistenmord zur Waffenbeschaffung

Berlin – Im Fall der von der Zwickauer Terrorzelle im April 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin Michèle K. vermuten die Ermittler eine Waffenbeschaffung als Tatmotiv. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Eine Beziehungstat schließt das Bundeskriminalamt (BKA) demnach inzwischen aus. Laut dem Bericht wurde die 22-Jährige vermutlich eher zufällig Opfer der Bande. Die Ermittler gingen demzufolge davon aus, dass die Neonazis an Polizeiwaffen gelangen wollten.

Der Mord auf der Theresienwiese in Heilbronn am Mittag des 25. April 2007 war von besonderer Kaltblütigkeit. Die 22 Jahre alte Polizistin machte mit ihrem Kollegen Martin A. in ihrem Dienstwagen Mittagspause, als zwei Männer an das Auto herantraten.

Sie erschossen K. und verletzten ihren Kollegen A. lebensgefährlich. Dann nahmen die Mörder ihnen die beiden Heckler&Koch P 2000 ab sowie drei Magazine mit 39 Schuss Munition. Zur Tat hatten sich die Terroristen Uwe B. und Uwe M. in einer im November verschickten DVD bekannt.

Da die Mörder wie die Polizistin aus Thüringen stammten, war über eine Beziehungstat spekuliert worden. Ermittlungen in Heilbronn und Oberweißbach hatten diese Hypothese nicht bestätigt. Nach Feststellungen der Ermittler konnten die Mörder nicht wissen, dass K. am 25. April Dienst hatte. Sie hatte Urlaub und war kurzfristig eingesprungen. Auch war die Fahrtroute der beiden Polizisten eher zufällig. Die Ermittler schließen deshalb einen gezielten Anschlag aus.

Da die Täter außer den Waffen und den Magazinen auch Handschellen, Pfefferspray, ein Multifunktionsmesser und eine Taschenlampe mitnahmen und diese Gegenstände behielten, gingen die Fahnder zunächst davon aus, dass es sich um Trophäen gehandelt habe. In den vergangenen Tagen wurde aber auf einer in Zwickau sichergestellten Festplatte eine Datei mit der Bezeichnung „Polizeipistole“ gefunden. Abgebildet war die Waffe der Polizistin.

Die beiden Polizeiwaffen hatten sie dabei, als sie sich am 4. November nach einem Banküberfall in ihrem Wohnmobil umbrachten. Dem Ergebnis der Obduktion zufolge soll M. seinen Kumpanen zunächst durch einen Schuss in die Schläfe getötet und sich dann selbst erschossen haben. Es gebe zudem Indizien, dass beide Terroristen schon früh entschlossen waren, sich im Fall einer drohenden Festnahme zu töten. Ein solcher Hinweis finde sich etwa in Akten des thüringischen Verfassungsschutzes aus dem Jahr 1999.

Auch später sollen beide häufiger über einen solchen Suizid gesprochen haben. Auf einem ebenfalls auf der Festplatte sichergestellten Flugblatt der von ihnen begründeten Terrorvereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ finde sich die Parole „Sieg oder Tod“. Dieses Pamphlet sei vermutlich 2002 erstellt worden und wurde sechs Jahre später letztmals bearbeitet.

Zudem hat das Zwickauer Trio, wie die „SZ“ weiter berichtet, mindestens seit 2007 bis 2011 regelmäßig in den Sommermonaten auf der Nordseeinsel Fehmarn Urlaub gemacht und dabei zahlreiche Urlaubsbekanntschaften geschlossen. Der Ermittlungseinheit „Trio“ liegen nach Angaben des Blattes Zeugenaussagen vor, in denen die Terroristen von anderen Urlaubern als „ganz offene, sehr sympathische“ Leute geschildert würden, die auch nach den Ferien zu den anderen Urlaubern Kontakt gehalten hätten.

Beate Z. habe sich auf dem Campingplatz „liebevoll“ um Kinder gekümmert. Eine Familie aus Niedersachsen hat nach Angaben der Zeitung die drei Zwickauer zum 18. Geburtstag ihrer Tochter eingeladen. Das Trio sei auch gekommen und habe bei ihnen übernachtet.

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