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NSU Zwickau 2011

© André Karwath / CC BY-SA 2.5

10.12.2015

NSU-Prozess Zschäpes Aussage eine „billige Schmierenkomödie“

„Frau Zschäpe hat einen hilflosen Versuch unternommen, das Strafmaß zu mildern.“

Köln – Nach der Aussage Beate Zschäpes im NSU-Prosess am Mittwoch erklärte Yavuz Narin, Nebenklage-Anwalt der Hinterbliebenen des NSU-Opfers Theodoros Boulgarides live bei stern TV: „Meine Mandantinnen und ich haben uns mehr erwartet als die Show, die Frau Zschäpe am Ende tatsächlich geliefert hat. Zschäpe hat einen hilflosen Versuch unternommen, das Strafmaß zu mildern. Das ist ihr definitiv nicht gelungen.“ Er sei überzeugt, dass Beate Zschäpe mit einer Verurteilung zu lebenslanger Freiheitsstrafe rechnen müsse.

Die durch ihren Anwalt verlesene Teileinlassung sei handwerklich schlecht, juristisch geförmelt und gekünstelt gewesen. Auch die Entschuldigung, die an die Opfer und Hinterbliebenen gerichtet war, könne nicht ernst genommen werden – in Anbetracht dessen, dass Zschäpe Fragen der Nebenkläger und der Nebenkläger-Vertreter nicht beantworten werde.

Autor und Prozessbeobachter Dirk Laabs bemängelte unter anderem, dass sich Zschäpe kaum zum Umfeld des NSU geäußert habe. „Die Beweisaufnahme hat ja bis jetzt schon zahlreiche potenzielle Unterstützer, Mittäter, Helfer und Helfershelfer zu Tage gefördert. Auch der Tatbeitrag von Beate Zschäpe stellt sich als erheblich größer dar, als sie heute versucht hat der Öffentlichkeit weiszumachen.“ Dass Zschäpe erst im Nachhinein von den Morden erfahren habe, sei extrem unglaubwürdig, so Laabs.

Zuvor hatte stern TV über Beate Zschäpes Aussage im NSU-Prozess berichtet. Die Hauptangeklagte und mutmaßliche rechtsextreme Terroristin soll laut Anklage unter anderem an zehn Morden, zwei Sprengstoffanschlägen und 15 Raubüberfällen beteiligt gewesen sein. Am Mittwoch verlas Zschäpes Anwalt Mathias Grasel im Namen seiner Mandantin eine 53-seitige Erklärung. Darin äußerte Beate Zschäpe, sie sei weder an den Anschlägen noch den Morden beteiligt gewesen.

Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin hält Zschäpes Aussage für eine „billige Schmierenkomödie“. Das zeige, dass sie gegenüber den Angehörigen nicht das geringste Maß an Reue oder Schuld empfinde, so der Anwalt. „Sie scheint den Senat, sie scheint die Prozessbeteiligten, sie scheint die Öffentlichkeit für noch dümmer zu halten, als sie es selbst offenbar ist.“

Eine Mitgliedschaft im NSU stritt Beate Zschäpe ebenfalls ab. Im Anschluss entschuldigte sie sich bei den Opfern und den Hinterbliebenen: „Ich fühle mich moralisch schuldig, zehn Morde nicht verhindert zu haben.“

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