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Zoff im Taxigewerbe

© dapd

17.02.2012

Brandbrief an Zetsche Zoff im Taxigewerbe

Verband wehrt sich gegen “Deppen”-Rolle im Streit um Apps.

Berlin – Die Worte waren deutlich. “Wir schäumen vor Enttäuschung und Wut”, schrieb der Dachverband der deutschen Taxi- und Mietwagenunternehmen BZP Ende Januar in einem Brandbrief an Dieter Zetsche, den Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG.

Ausgerechnet der Hoflieferant des Taxigewerbes hatte verkündet, über seine Mietwagen-Tochter Car2go bei der Hamburger Firma MyTaxi einzusteigen, die mit der direkten Taxibestellung per Smartphone-Software die Taxizentralen überflüssig macht. Der Verband fürchtete, “als Depp” dazustehen.

Hier die 2010 gestartete MyTaxi der Betreiberfirma Intelligent Apps mit dem Taxiruf per Smartphone-App, dort der BZP als altmodischer und verkrusteter Verband – das sei ein Missverständnis und “völliger Unsinn”, sagt Präsident Michael Müller. “MyTaxi hat den Markt nicht völlig neu erfunden, wir arbeiten nicht mit Buschtrommel und Feuer.” Schon längst nutze die Branche ähnliche Software von anderen Anbietern, die aber über Taxizentralen laufen.

Den Verband ärgert vor allem, bei dem Daimler-Projekt für die Mobilität der Zukunft nicht gefragt und mit ins Boot genommen worden zu sein. “Wir wären eigentlich der bessere, leistungsfähigere Partner”, erklärt Müller. Auf eine Antwort von Zetsche warte er noch.

Bei Car2go, Daimlers 2008 gegründetem Carsharing-System mit Abrechnung im Minutentakt, gibt man sich überrascht ob der heftigen Reaktion des Verbands. “Das ist eigentlich gar nicht diese Superkonfrontation”, sagt Sprecher Andreas Leo. MyTaxi sei eine Ergänzung von Car2go, der Einstieg bei den Hamburgern kein Angriff auf die Taxibranche. “Wir möchten auch weiterhin den Austausch mit dem klassischen Gewerbe”, erklärt Leo.

MyTaxi will “eigentlich mit diesen Streitigkeiten nichts zu tun haben”, sagt Mitbegründer Sven Külper. Aber das Interesse an MyTaxi sei durch das Echo auf den BZP-Brief “vehement gestiegen”.

Der Verband sagt, garantiert 30.000 Taxis per Taxizentralen-App abrufbar zu haben. MyTaxi nutzen derzeit gut 7.000 Taxifahrer, sagt Külper. Mehr als 800.000 Kunden, die pro vermittelter Fahrt 79 Cent an MyTaxi zahlen müssen, hätten die App schon auf ihrem Smartphone.

Aus Sicht der Hamburger hat der Verband das Potenzial von MyTaxi nicht erkannt. “Wir haben uns schon in einem sehr frühen Stadium an den BZP gewandt”, erklärt Külper. Doch nach fünf Besuchen habe der Verband das Projekt als nicht nachhaltig abgelehnt.

BZP-Präsident Müller wirft MyTaxi vor, die Taxikunden nicht vor unseriösen Chauffeuren zu schützen. Allein die Bestellung über eine Taxizentrale garantiere eine Fahrt mit einem einwandfreien Auto und einem qualifizierten Fahrer zu einem korrekten Tarif. Eine App, die lediglich zwei Smartphones verbinde und die Zentralen überflüssig mache, missachte “den Sicherheitsanspruch” der Kunden.

Bei vielen Taxifahrern stößt die Empörung des Verbands auf Unverständnis. “Spielen Sie nicht die beleidigte Leberwurst”, schreibt einer bei “taxiforum.de”. MyTaxi bedrohe nicht die Existenz der Zentralen, da nur diese in der Lage seien, planbare Fahrten wie Krankentransporte, Nachttaxis für Frauen oder Schülerbeförderungen abzuwickeln. “Das klassische Taxigeschäft beträgt doch eh nur noch 30 Prozent, und der Rest sind Sonderleistungen, die MyTaxi sowieso nicht abdecken kann”, erklärt ein anderer Fahrer.

Auch Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi Berlin, sieht die Konkurrenz von MyTaxi gelassen. “Ich kann mir eine Taxivermittlung nicht ohne ein gutes Call-Center vorstellen”, sagt er. Wie auch viele andere Taxifirmen in Deutschland geht Taxi Berlin mit der Zeit. Das Unternehmen bietet schon seit längerem Smartphone-Apps für den Taxiruf an, mittlerweile auch in anderen Ländern Europas.

Die Aufregung beim Verband kann Waldner nachvollziehen. Doch das MyTaxi dem klassischen Gewerbe entscheidend Marktanteile abnimmt, glaubt er nicht. “Das würde nur passieren, wenn die Taxizentralen schlafen und träumen,” sagt Waldner.

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