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Lotto ruft nach der starken Hand des Staats

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20.02.2013

Zockerei im Internet Lotto ruft nach der starken Hand des Staats

Behörden unternehmen zu wenig gegen zwielichtige Anbieter.

Berlin – Illegale Lotto-Anbieter schädigen das Geschäft der staatlichen Lotterien zunehmend: Die Gesellschaften hoffen deshalb auf die ordnende Hand der Behörden. Diese behinderten und verfolgten das illegale Spiel bislang nur unzureichend, bemängelte der Vorsitzende des Deutschen Lotto- und Totoblocks, Michael Burkert, am Mittwoch in Berlin. Mehr und mehr Geld versickert deshalb auf Konten im Ausland. Hiesige Lotterien verlieren so ein beträchtliches Stück vom Kuchen.

Etwa drei bis vier Milliarden Euro fließen Burkert zufolge jährlich aus Deutschland in den illegalen Markt. Darüber freuten sich Portale wie etwa Lottoland. Der Online-Anbieter gehe von Großbritannien aus mit großen Versprechen auf deutsche Kunden zu. Deutsche Behörden würden dem Angebot, das keine Konzession besitze, kaum einen Riegel vorschieben, kritisierte Burkert.

Viele Lotteriegesellschaften der Länder stehen darum unter Druck und beklagen Rückgänge bei ihren Umsätzen. Für den gesamten Lotto- und Totoblock, in dem die Lotterien der 16 Länder zusammengeschlossen sind, schrumpfte er um 3,7 Prozent verglichen mit dem Jahr 2011. Dieses Geld gehe etwa in der Sportförderung verloren – jährlich fließen Hunderte Millionen Euro an Überschüssen aus dem Lottospiel in den Bau und Modernisierung von Sportplätzen.

Sportwettenskandal belastet Image der Zocker-Branche

Durch den jüngsten Sportwettenskandal sieht Burkert das Vertrauen vieler Bürger in solche Spiele erschüttert. Auch die staatlichen Lotterien bieten über Oddset Sportwetten an. Burkert stellt jedoch klar, dass nie in großem Stil auf Spiele einer fünften Fußballliga gesetzt werden dürfe. In den unteren Klassen sei die Gefahr größer, dass Kriminelle Einfluss auf den Spielverlauf nehmen könnten.

Burkert forderte von den Behörden auch, Transaktionen von deutschen Konten oder Kreditkarten auf die Konten umstrittener Anbieter wie etwa Lottoland zu blockieren. Zugleich stellte er klar, das Lottospiel dürfe nur von den jeweiligen Staaten reguliert werden. Die Europäische Union solle sich aus dem Gebiet heraushalten, sagte Burkert und ergänzte: „Wir können das Glücksspiel nicht wie andere Bereiche dem freien Markt überlassen.“

Staatliche Lotterien wollen Millionen in TV-Werbung stecken

Angesichts der wachsenden Konkurrenz durch private Anbieter bereiten die staatlichen Lotteriegesellschaften eine Werbekampagne im Fernsehen vor. Für die kommenden Tage erwarteten sie die Erlaubnis, Spots schalten zu können, sagte Burkert. Lotto wolle einen Millionenbetrag für die Fernsehwerbung ausgeben. Geworben werden solle für alle Spiele – vor allem aber für 6 aus 49, die Glücksspirale und den 2012 eingeführten Eurojackpot.

Bei der Werbung solle der Informationsgehalt in den Mittelpunkt gestellt werden, sagte Burkert. Die Spots werden „nicht so knallig“ ausfallen wie in anderen Ländern. Durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag sei nun mehr Reklame erlaubt. Anfang des Monats sei zudem eine ergänzende Werberichtlinie in Kraft getreten. Diese ermögliche auch eine verstärkte Werbung im Internet. Bereits seit einigen Monaten kann das staatliche Lotto dank des Staatsvertrages wieder mehr Spiele im Internet anbieten. Mittlerweile sind alle Bundesländer dem Staatsvertrag beigetreten – Unsicherheit gibt es aber, weil derzeit der Europäische Gerichtshof das deutsche Glücksspielrecht kritisch unter die Lupe nimmt.

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